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11.02.13

Hello: Evernotes überaus gelungene Kontaktverwaltungs-App für das iPhone

Evernote veröffentlichte jüngst eine neue iPhone-Version seiner Kontaktverwaltungs-App Hello. Das Versprechen: Anwendern zu helfen, mit geringstem Aufwand die meisten Informationen über Personen sammeln zu können, die sie persönlich kennenlernen.

Lange Jahre versuchte ich, Visitenkarten bewusst aus meinem Leben zu verbannen. Doch sämtliche Apps, die sich zum Ziel gesetzt haben, die kleinen Papierkärtchen mit den Buchstaben und Zahlen darauf zu ersetzen, scheiterten an zu geringem Nutzerinteresse oder zu umständlicher Handhabung. Irgendwann beendete ich dann meine Blockadehaltung und fand mich einfach damit ab, noch einige Jahre beim für viele Menschen rituellen Visitenkartentausch mitzumachen - und mich mit den jeweiligen Personen dann im Nachgang über einschlägige Geschäftsnetzwerke zu vernetzen. Einfacher wurde das, als ich die zu LinkedIn gehörende Visitenkarten-Scanner-App Cardmunch entdeckte, die einen sofort mit dem Besitzer einer Visitenkarte über LinkedIn verknüpft. Leider gibt es Cardmunch nicht im deutschsprachigen App Store, außerdem hat gerade in unseren Gefilden nicht jeder ein LinkedIn-Konto. Konkurrent Xing spendierte seiner mobilen App im Herbst ebenfalls eine Scanner-Funktionalität für Visitenkarten. Doch aufgrund der regional begrenzten Verbreitung von Xing ist auch diese nicht universell einsetzbar. Hinzu kommt sowohl bei Cardmunch/LinkedIn als auch bei Xing, dass ich häufig bei erstmaligen Zusammentreffen mit neuen Kontakten nicht nur an einer Vernetzung interessiert bin, sondern auch Meta-Daten zu Zeitpunkt und Ort automatisiert festhalten möchte. Was ich am liebsten hätte, wäre eine Art digitales "Tagebuch" darüber, wann ich wo wen im beruflichen Kontext getroffen habe - weniger umständlich und verklausuliert als damals bei Hashable. Hello 2.0 ist deutlich vielseitiger als sein Vorgänger

Mit Evernotes Kontaktmanagement-App Hello geht mein Wunsch in Erfüllung. Veröffentlicht wurde Hello als vom Onlinenotizbuch Evernote losgelöste Anwendung im Dezember 2011. Mein werter Kollege Jürgen Vielmeier hatte - damals noch bei Basic Thinking - einen Blick auf das kostenlose Tool geworfen. Seine Begeisterung hielt sich in Grenzen. Denn in der ersten Version war es erforderlich, dass der Gesprächspartner seine Kontaktdaten händisch eingibt, anschließend wurde noch ein schnelles Foto von ihm angefertigt. Sukzessive erschuf man auf diese Weise eine Art privates soziales Netzwerk. Integrationen mit den etablierten Business Networks fehlten. Und die Notwendigkeit zum Eintippen der Kontaktdaten garantierte unpassende Unterbrechungen laufender Gespräche.

Vor einigen Wochen präsentierte Evernote eine deutlich überarbeitete Fassung von Hello - anfänglich nur für das iPhone, aber die nachgebesserte Android-Version dürfte bald folgen. Das Ziel von Hello 2.0: Anwendern zu helfen, mit geringstem Aufwand die meisten Informationen über Personen sammeln zu können, die sie persönlich kennenlernen. Der Anspruch ist hoch, aber die App des Unternehmens aus dem kalifornischen Redwood City kommt diesem in jedem Fall sehr nah.

Hello offeriert Usern vier verschiedene Wege, um Kontakte aus persönlichen Zusammentreffen festzuhalten: Nach wie vor kann ein Eintrag manuell durch die Eingabe von Name, Telefonnummer, E-Mail-Adresse und Twitter-Kürzel angelegt werden. Eine zweite Möglichkeit stellt die Funktion "Hello Connect" dar, mit der andere Benutzer der App in der unmittelbaren Nähe gesucht werden, anschließend lassen sich deren Kontaktdaten direkt übernehmen. Hello setzt für diesen Prozess auf eine Identifizierung über ein kurzes Audiosignal. Man muss also sehr nah beieinander stehen. Auch kann man Hello die Genehmigung geben, Kontaktangaben aus Kalendereinträgen direkt in Hello zu übernehmen.

Visitenkarten scannen, erkennen und digital aufbewahren

Das meines Erachtens nach beste Feature von Hello ist der Visitenkarten-Scan - die vierte Option, um eine geschäftliche Bekanntschaft festzuhalten. Denn nach wie vor stellt der Austausch der Business Cards in einer Interaktion von Angesicht zu Angesicht das gängigste Verfahren dar, um den Gesprächspartnern die persönlichen Koordinaten zukommen zu lassen. Der Prozess hat den Vorteil, dass er eine laufende Konversation nicht unnötig lange unterbricht. Nur stellt sich im Nachhinein für Verfechter des papierlosen Büros die Frage, was sie mit der Karte machen. Hello liefert hier eine ideale Lösung: Man scannt die Karte und berichtigt eventuelle Fehler der automatischen Texterkennung. Anschließend befindet sich der Scan der Karte im Hello-Speicher, chronologisch sortiert nach Datum des Zusammentreffens. Das Original kann ins Altpapier. Hello ermöglicht außerdem die direkte Kontaktanfrage bei LinkedIn, sofern die E-Mail-Adresse auf der Visitenkarte mit der bei LinkedIn registrierten übereinstimmt. Auch eine unmittelbare Personensuche bei Facebook ist möglich. Zu jedem Scan hält Hello den Zeitpunkt und den Ort fest, der sich durch einen Zugriff auf foursquares Locationdatenbank auch noch konkretisieren lässt.

Mit Hello erstellt man also sukzessive das von mir beschriebene Tagebuch an Geschäftsbekanntschaften, welches sich im Volltext durchsuchen lässt. Die Kombination aus Speicherung gescannter Visitenkarten UND äußerst bequemer Vernetzungsmöglichkeit über LinkedIn schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe (eine Xing-Integration wäre sicher für viele deutschsprachige Nutzer wünschenswert). Auch die Bedienung der hübsch gemachten Applikation geht gut von der Hand.

Der Visitenkarten-Scanner wird von Evernote als "Premium Feature Vorschau" bezeichnet, die für einige Monate kostenfrei genutzt werden kann. Alle Scans und Daten werden außerdem auf das Evernote-Konto angerechnet. Wer mehr als die im Gratispaket enthaltenen 60 Mbyte monatlichen Datentransfer generiert, muss auf das kostenpflichtige Evernote-Premium-Paket wechseln.

Ich schließe nicht aus, dass mich Hello letztlich dazu bringen könnte, ein zahlender Evernote-User zu werden. Bisher konnte ich die allgemeine Faszination für das vielseitige Onlinenotizbuch nicht so richtig teilen. Doch Hello scheint mir der ideale Begleiter für geschäftliche Termine zu sein, und es liefert eine elegante Lösung für das "Visitenkartenproblem". /mw

Link: Hello

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