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24.01.11

Hashable: Der Pagerank für Menschen

Hashable ist ein soziales Netzwerk zwischen foursquare und Linkedin: Statt an Orten "checkt" der Nutzer soziale Aktionen mit Menschen ein. Daraus entsteht ein Reputationssystem - der "Pagerank für Menschen". Er dürfte das nächste grosse Ding werden.

Hashable registriert jedes Zusammentreffen von Mitgliedern - und Dritten.

"Nach Los Angeles", erklärt mir Jane Kim von Hashable auf die Frage, wohin die Promotionstour weiter führt, auf der sie (VP Business-Development), Hashable-CEO Michael Yavonditte und Hashable-Marketing-Chefin Emily Hickey unterwegs sind.

LA? Das Startup aus New York ist im Big Apple längst gross im Gespräch, in San Francisco hat die Tour vor den "Crunchies" für eine Lawine an Blogposts und Tweets gesorgt - aber LA? Was soll ein geekiges Nerdtool-Startup wie Hashable in LA?

"Die Hightech-Szene dort ist tatsächlich sehr klein", bestätigt Jane - "aber wir haben dennoch bereits eine beträchtliche Zahl an Nutzern."

Bei genauem Hinsehen ergibt das absolut Sinn. Denn Hashable ist ein soziales Netzwerk, das die Qualität von Beziehungen zwischen Menschen abbildet. Und nichts ist in Hollywood mehr wert als gute Beziehungen.

Während Twitter, Facebook, foursquare, Linkedin und hierzulande Xing unter anderem ebenfalls dazu verwendet werden können, die eigene Popularität und die Nähe zu wichtigen Personen zu demonstrieren, konzentriert sich Hashable konsequent auf diesen Aspekt.

Das funktioniert sehr einfach: Zu Beginn meines Treffens mit Jane im Parc 55 Wyndham Hotel tweete ich "#coffee mit @jinner13" - und Hashable, dem ich Zugriff auf meinen Twitterstream gegeben habe, verzeichnet eine "Kaffeetreffen"-Verbindung zwischen mir und Jane Kim. Ich könnte die Aktivität auch per Mail an meinen Hashable-Account schicken oder in der Hashable-App auf dem iPhone eingeben (weitere Eingabemöglichkeiten sind in Vorbereitung, siehe unten).

Nun ist die Verbindung zu Jane im System gespeichert. Sie taucht in einem Echtzeit-Stream aller Aktivitäten von Hashable-Nutzern für meine Region auf, und weil sowohl Jane als auch ich einen öffentlichen Hashable-Account haben, kann auch jeder mein Profil einsehen und dort nachgucken, mit wem ich welche Verbindungen habe oder mit wem ich mich gerade treffe.

Die Qualität dieser Verbindungen wird für jede Person mit einem Prozentbalken qualifiziert - der steigt an, falls die Verbindung zu Jane mit weiteren Kontakten gefestigt wird. Zugleich erhalte ich für jede Aktivität mit einer Person eine bestimmte Anzahl "HashCred", eine interne Währung. Die Leute mit der höchsten HashCred-Zahl werden im "Leaderboard" einer Region angezeigt. Aktivitäten werden mit Hashtags beschrieben und verschieden bewertet. Neue Tags können jederzeit benutzt werden und werden mit der Zeit vom System adaptiert und eingestuft.

Ein Hashtag, eine Mailadresse oder ein Twitter-Handle, und fertig ist der Eintrag bei Hashable.

Damit wird klar: Der Wert von Hashable liegt nicht in der Echtzeit, sondern im kontinuierlichen Aufbau meines Beziehungs-Index. Je mehr Daten Hashable hat, umso leichter wird es, die wesentlichen Player zu identifizieren - branchenweise, regional oder nach welchen Kriterien auch immer.

Auch wenn Jane im Gespräch den spielerischen Charakter und die Adressbuch-Funktion von Hashable für den einzelnen Nutzer betont, liegt der eigentliche Wert in diesem Index-System, das sich am ehesten mit Googles Pagerank für Websites vergleichen lässt. Auch dort gilt: Natürlich bringt eine Verlinkung von einem massgebenden Blog sofort neue Besucher, wichtiger aber ist sie wegen ihrer langfristigen Wirkung auf den eigenen Pagerank.

Anders als die schiere Zahl der "Freunde" auf Facebook oder die vielfach als Gefälligkeiten abgegebenen "Empfehlungen" auf LinkedIn wird meine Reputation durch die Intensität der Beziehung und die "Qualität" der Kontaktpersonen gemessen. Wer den einflussreichsten Anwalt im Showbusiness von Hollywood finden und sich nicht auf Hörensagen verlassen will, wird ihn wohl bald via Hashable ermitteln können. Das gleiche gilt für den Haarstylisten in Berlin, den Lobbyisten in Washington oder den Opernsänger in Zürich.

Das ist kein Spiel und keine trendige Geek-Anwendung wie foursquare, dessen immanenter Nutzen eigentlich nur darin besteht, dass man den Aufenthaltsort von Freunden erfährt und vielleicht da und dort Vergünstigungen kriegt. Der Druck, bei Hashable dabei zu sein, um den eigenen Status zu demonstrieren, steigt im Quadrat mit der Nutzerzahl und erwächst aus professionellen Gründen ebenso wie aus gesellschaftlichen.

Auf dem Weg die Suchmaschine für einflussreiche Menschen zu werden, muss das Startup, das aus dem Finanzdienst Tracked.com entstanden und bisher mit 25 Millionen finanziert worden ist, allerdings so manche Fallgrube umgehen. Datenschutzrechtliche und kulturelle Probleme werden sich rasch manifestieren. Zugleich ist die weltweite Verbreitung des Systems von eminenter Bedeutung, denn wenn Player mit guten internationalen Beziehungen ihren Status nicht aufbauen können, werden sie ungehalten sein.

Hier zeigen sich auch Chancen und Risiken - um nur eine zu nennen: Nicht-Mitglieder werden von Hashable ebenfalls erfasst. Wenn ich einen Kontakt mit einer solchen Person eingebe, liefere ich ja entweder den Twitter-Handle oder die Mailadresse des Gegenübers an Hashable. Dort wird der Kontakt zwar im Stream anonymisiert als "Someone" angezeigt (wie auch bei Mitgliedern, die ihr Profil unsichtbar machen wollen), aber in der Datenbank erfasst. Sobald sich nun die Person bei Hashable anmeldet, wird die gesamte gespeicherte Geschichte auf einen Schlag sichtbar (ähnlich einem von Facebook eingesetzten Verfahren, welches es auf Druck von Datenschützern in Deutschland nun aufgeben muss).

Jane pflichtet bei, dass die Glaubwürdigkeit von Hashable höchste Bedeutung hat. So könnte es sein, dass der Dienst irgendwann ein Bestätigungssystem einrichtet (das er jetzt noch nicht hat), wonach ein Kontakt erst gewertet wird, wenn er vom Gegenüber bestätigt wurde. Noch sei es zu früh, solche Dinge konkret zu machen.

Hashable steht derzeit in einer halbgeschlossenen Betaphase (jedes Mitglied kann durch neue Kontakte und die "Introduction" von Mitgliedern und nicht-Mitgliedern einladen) und dürfte sich sehr rasch in einzelnen Branchen verbreiten - und dabei geografische Grenzen sprengen.

Integration ist ein Schwerpunkt bei der Entwicklung: Meine eigene Anmeldung dauerte dank Schnittstellen zu Twitter, Linkedin (wo man das Profil absaugen lassen kann) und Gmail vielleicht drei Minuten. Neben der iPhone-App kann das System via Email und Twitter "gefüttert" werden; eine Android-App sei kurz vor Fertigstellung ("heute hätten wir wohl zuerst Android bedient", sagt Jane), die funktionale Integration von Hashable in foursquare, Gowalla und andere Dienste ist absehbar.

Ob Hashable irgendwann von einem Netzwerk wie Linkedin oder Facebook aufgekauft oder eigene Monetarisierungsmodelle entwickeln wird, ist offen. Dass es das nächste grosse Ding in der Welt der Beziehungsnetze wird, halte ich für wahrscheinlich - wenn es gelingt, die beträchtlichen kulturellen und rechtlichen Hürden zu bewältigen, rasch global zu werden und den Index schneller aufzubauen als die Copycats, die zweifellos in Kürze wie Pilze aus dem Boden schiessen werden.

Wir haben zehn Einladungen für Hashable. Hinterlasst bei Interesse einen entsprechenden Kommentar unter Angabe eurer E-Mail-Adresse im dafür vorgesehenen Feld. iPhone-Besitzer können sich auch ohne Einladung über die Hashable-App registrieren.

Update: Die Einladungen sind weg.

Link:  Hashable

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