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08.05.12

Hangouts On Air: Google+ setzt auf die Kraft des Bewegtbilds

Mit dem offiziellen Debüt von Hangouts On Air stößt Google in den Markt des Livestreamings von Bewegtbildern vor - und differenziert Google+ stärker von Facebook.

Wieso die Hangouts genannten Gruppen-Videochats eine Schlüsselfunktion bei Gooogles sozialem Netzwerk Google+ einnehmen, hatten wir vor einigen Wochen erläutert. Aus dem einstigen Spaßfeature wird immer mehr ein ernstzunehmendes Werkzeug, das sich in vielen unterschiedlichen Situationen einsetzen lässt. Während nach wie vor wenige Indizien dafür sprechen, dass sich der Google+-Stream zu mehr als einer (sehr engagierten Nischencommunity) entwickelt hat und Google diesen Eindruck mit bewusst uneindeutigem Zahlenmaterial auch nicht gerade entkräftet, drängen sich Hangouts in der Wahrnehmung der Nutzer weiter in den Vordergrund.

Mit dem Start von Hangouts On Air setzt sich diese Entwicklung konsequent fort. Die Funktion erlaubt es, einen öffentlichen Hangout durchzuführen, der von einer unbegrenzten Anzahl an Personen rund um den Globus angeschaut werden kann. Hangouts On Air standen im Testmodus einer sehr limitierten Anzahl an Anwendern zum Ausprobieren zur Verfügung und sollen in den kommenden Wochen für alle Nutzer mit einem Google+-Konto freigeschaltet werden - außer die in Deutschland, wo der geltende Rundfunkstaatsvertrages einen Launch verkompliziert. Auch Österreich ist offenbar ausgenommen.

Mit dem On-Air-Feature macht Google+ den Sprung vom Videochat mit maximal zehn Teilnehmern hin zum Livestreaming ohne Begrenzung der Betrachterzahl und drängt damit in das Territorium von spezialisierten Anbietern wie Justin.tv, Ustream und Livestream vor. Mit Hilfe der Neuerung können Google+-Nutzer kostenfrei private Feierlichkeiten, kreative Darbietungen oder Großveranstaltungen über ihr Google+-Konto streamen. Um die Reichweite noch zu erhöhen, zeigt Google den Stream auch auf dem persönlichen YouTube-Kanal, um dortige Abonnenten als Zuschauer zu gewinnen.

Bei mir ist die Neuerung noch nicht aktiviert (ich wohne nicht in Deutschland, wobei noch offen ist, ob die Umstellung des Landes im Google-Konto genügen würde), dieser Bericht erläutert aber , wie sich das Feature nutzen lässt. Künftig haben Anwender ganz einfach die Wahl, ob sie einen herkömmlichen Hangout mit bis zu zehn Teilnehmern oder einen On-Air-Hangout eröffnen wollen, bei dem die ganze Welt zuschauen kann

Screenshot: ReadWriteWeb

Zwar ist die Live-Übertragung von Bewegtbildern oder das Anschauen selbiger keine Aktivität, für die sich alle Menschen begeistern können, doch die Zahlen der Startups in diesem Markt belegen das Vorhandensein einer Nachfrage: Justin.tv hat etwa 31 Millionen Besucher pro Monat, jede Sekunde soll ein neuer Livestream auf Sendung gehen. Konkurrent Ustream hat 14,2 Millionen registrierter Nutzer und etwa 55 Millionen monatliche Seitenbesucher.

Bedenkt man, dass aktive Google+-Nutzer mit zehntausenden oder hundertausenden Followern über einen Hangout On Air selbst bei ihrem ersten Livestream überhaupt sofort eine signifikante Reichweite erzielen können - nicht zuletzt auch wegen der Parallelübertragung bei YouTube - könnte sich dies nachteilig für die bisherigen Marktteilnehmer im Live-Video-Segment auswirken. Gerade Prominente und mit vielen loyalen Anhängern gesegnete Firmen dürften an Hangouts On Air Gefallen finden. Googles-Blogbeitrag zum Debüt des Features listet eine Reihe von Live-Hangouts bekannter Marken und Personen.

Google tut das Richtige, die Funktion auszubauen, die dem als zunehmende Bedrohung wahrgenommenen Kontrahenten Facebook (das lediglich eine wenig spektakuläre Skype-Integration bietet) fehlt, statt die erfolgreichen Merkmale des blau-weißen Social Networks nachzuahmen. Bewegtbild war schon immer die Schwäche von Facebook und die Stärke von Google (dank YouTube). Dass Google+ sich diese Charaktereigenschaft zunutze macht, ist schon etwas ironisch - denn es bietet neue Nahrung für die Vermutung, ein Ausbau von YouTube zu einem vollwertigen sozialen Netzwerk wäre aus Sicht von Google der klügere Schritt gewesen als die Lancierung eines neuen sozialen Dienstes, der sich schlussendlich doch wieder vorrangig durch Bewegtbilder profiliert.

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