<< Themensammlung Netzwertig

Unter netzwertig veröffentlichen wir in unserem Blog Einschätzungen zu aktuellen digitalen Geschäftsmodellen und IT-Trends, Meldungen, Analysen, Reviews und Specials.

28.12.07

Gute Filme über Journalisten

Nicht schon wieder "Citizen Kane": Fünf garantiert gute Filme über Journalisten und Journalismus und Hinweise auf vier Kandidaten, die es (noch) nicht auf die Liste geschafft haben.

journalistenfilme1.png

1. The Insider (1999)

Reporter Bergman überredet einen Insider der Zigaretten-Industrie in der CBS-Sendung "60 Minutes" auszupacken. Erst gibt es Ärger mit dem mächtigen Konzern, dann mit den Managern des Fernsehsenders: "Are you a businessman? Or are you a news man?" Ein ruhiger, bedrückender Film in Doku-Optik. Al Pacino und Russel Crowe spielen fantastisch, Michael Mann führte Regie. Dazu Musik von Lisa Gerrard, Pieter Bourke und Massive Attack. Hier ein Trailer.

2. Babel (2007)

Drei Geschichten, an der mexikanische Grenze, in der marokkanischen Wüste und in der Megastadt Tokio, bringt dieser Film zusammen. Der sich ergebende Bilderstrom erzählt von der Unfähigkeit, sich zu verständigen - Sprache ist nur ein Problem unter vielen. Eingestreut in González Iñárritu Film sind die Berichte eines Global News Channels vom anderen Ende der Welt - merkwürdige Info-Brocken, die mit der Geschichte, wie wir sie kennen, nicht mehr viel gemein haben. Diese große Verwirrung in globalen Versatzstücken deutet auf die Schwierigkeiten und Aufgaben eines Journalismus zwischen den Kulturen hin. Ein aktuelles und spannendes Thema, auch wenn der Kinofilm manche Kritiker etwas ratlos zurücklässt: "Am Ende ist man desillusioniert, ein bißchen hoffnungslos und ebenfalls ganz schön müde", schreibt Maike Schmidt auf Schnitt.

3. C'est arrivé près de chez vous ("Mann beißt Hund", 1992)

Drastischer Film aus Belgien: Ein Kamerateam begleitet einen Serienmörder bei seiner "Arbeit". Konsequentes Weiterentwicklung heute verbreiteter Reality-TV-Formate. Ein charmanter Killer und Reporter jenseits der Grenze aller Moral - dieser Film ist geradezu eklig. Christopher Null schreibt: "this generation's most telling and unflinching look at our views on violence."

4. All the President's Men ("Die Unbestechlichen", 1976)

So geht Journalismus: Zwei mutige, unerschrockene Reporter der Washington Post decken den Watergate-Skandal auf. US-Präsident Nixon muss aufgrund der Recherchen von Carl Bernstein und Bob Woodward 1974 zurücktreten. Ein Stoff wie gemacht für Hollywood, der Film mit Dustin Hoffman und Robert Redford ist ein Klassiker.

5. War Photographer (2001)

Dokumentation von Christian Frei über den Kriegsfotografen James Nachtwey. Wir folgen ihm, mittels einer kleinen Kamera auf seinem Fotoapparat, in Krisengebiete, sehen Szenen, in denen wir instinktiv wegsehen wollen. Weil sie privat sind. Weil sie schrecklich sind. Nachtwey hält drauf und drückt ab. Schüchtern und eindrücklich erzählt Nachtwey von seiner Arbeit, reflektiert über seinen Job. Er macht Fotos vom Leid anderer Menschen, im Film ist er der große Held - er, der sonst unsichtbar hinter seiner Kamera verschwindet.

Knapp rausgefallen:

Veronica Guerin ("Die Journalistin", 2003)

Der Film mit Cate Blanchett in der Hauptrolle basiert auf der waren Geschichte der irischen Journalistin Veronica Guerin, die über organisiertes Verbrechen berichtete und dafür erst bedroht und schließlich umgebracht wurde. O.A. Scott findet in der New York Times deutliche Worte: "flat-footed, overwrought crusader-against-evil melodrama". Mag ja sein. Trotzdem ist der Film ganz okay - bis auf die nervtötende, kitschige Musik.

journalistenfilme3.png

Nicht oder noch nicht gesehen:

Paparazzi (2004)

Ein Hollywood-Schauspieler setzt sich gegen Paparazzi zur Wehr, die mit ihren rabiaten Methoden - darunter Verfolgungsjagden, wie sie Prinzessin Diana zum Verhängnis wurde - ihm und seiner Familie nachstellen. Der Trailer verspricht nicht viel, der Film wurde von Carsten Baumgardt verrissen: "Das Schlimmste an 'Paparazzi' ist das schauderhafte Drehbuch von Debütant Forrest Smith. Eine erschreckende Ernsthaftigkeit paart sich mit einer widerwärtigen Moral und Charakteren, die so unglaubwürdig sind, dass es weh tut."

The Hunting Party (2007)

Lief bereits im November in deutschen Kinos - Richard Gere und Terrence Howard in einem Film von Richard Shepard, basierend auf einem Artikel aus dem Esquire: Im Jahr 2000 suchten fünf Reporter nach Karadzic und mussten feststellen, dass anscheinend weder Nato noch UN ein besonderes Interesse am Auffinden des Kriegsverbrechers hatten. Der Trailer fängt schlimm an: Die heldenhaften Kriegsreporter sind süchtig nach der Gefahr, die Szenen schreien "Satire". Danach wird es noch pathetisch mit leichten Ethno-Kitsch-Anleihen. Klar, schließlich geht es auch um Kriegsverbrechen. Die Lust auf den Film ist mir damit gründlich vergangen...

Interview (2007)

Ein leicht abgehalfterter Politik-Journalist (Steve Buscemi) muss eine junge, attraktive Soap-Darstellerin (Sienna Miller) interviewen - was recht unterhaltsam ausfällt (Trailer). Filmkritiker-Legende Roger Ebert sagt: "I found 'Interview' kind of fascinating, especially in the ways that Buscemi and Miller make their performances into commentaries on the types of characters they play." Das amerikanische Remake des gleichnamigen niederländischen Films von Theo van Gogh (aus dem Jahr 2003) kommt erst Anfang April 2008 in die deutschen Kinos.

Was fehlt? Ist "Citizen Kane" doch unverzichtbar?

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer