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20.03.12

GuideWriters: Marktplatz für mobile Städteguides

GuideWriters erlaubt es Privatpersonen sowie Verlagen, themenspezifische mobile Städteguides anzufertigen und kostenfrei oder gegen Bezahlung anzubieten. Entdeckungswillige können diese dann über eine iPhone-App herunterladen.

 

Wer privat eine bisher unbekannte Stadt besucht, wird sich im Jahr 2012 nicht mehr unbedingt einen Stadtführer in Papierform besorgen. Unzählige digitale Guides für Smartphones bieten sich mittlerweile als flexible Alternative an. Doch ganz problemfrei gestaltet sich das Auffinden von empfehlenswerten Guide-Apps auch nicht: Manche sind unnötig teuer, andere in ihrer Qualität eher mangelhaft. Außerdem werden Nischenthemen gerne zugunsten der üblichen Sightseeing- und Ausgehtipps vernachlässigt. Und für jede Stadt müssen sich Touristen neu nach einem guten Guide umschauen.

Andreas Ebert und Stefan Deitmer wollen mit ihrem heute gestarteten Dienst GuideWriters eine Lösung bieten, die sämtliche Schwächen bisheriger Stadtführer-Apps aus dem Weg räumen soll. Das Gründergespann dürfte einigen noch von ihrem früheren Startup Dailyplaces her bekannt sein, dem sie nach der Übernahme durch die Opendi AG im Herbst den Rücken kehrten.

Bei GuideWriters handelt es sich um einen Marktplatz für mobile Städteguides. Sowohl professionelle Verlage als auch Privatpersonen können über ein Onlinewerkzeug themenspezifische Stadtführer erstellen und diese anschließend Benutzern von GuideWriters' iPhone-App zum kostenlosen oder kostenpflichtigen Download anbieten.

Jeder Guide besteht aus kategorisierten Listen und Beschreibungen von Orten, die der jeweilige Autor für eine Visite in einer Stadt empfiehlt. Jeder GuideWriters Nutzer, der sich für kompetent genug hält, einen eigenen Guide zu erstellen, kann dies tun und diesen eigenständig bei GuideWriters als Gratis-Führer veröffentlichen. Nur für kostenpflichtige Apps ist eine Freigabe durch die GuideWriters-Redaktion erforderlich, die innerhalb von maximal zwei Werktagen erfolgen soll.

Bezahl-Guides werden von Nutzern direkt als In-App-Kauf erworben. Von dem Betrag, der nach Abzug von Apples 30-prozentiger Umsatzbeteiligung sowie der Mehrwertsteuer übrig bleibt, erhalten Autoren 70 Prozent , 30 Prozent verbleiben bei GuideWriters.

Professionellen Verlagen stellt GuideWriters eine selbstentwickelte Software zur Verfügung, die den halbautomatisierten Import von Indesign-Dateien erlaubt. So sollen sich Printguides mit relativ geringem Aufwand in das GuideWriters-Format umwandeln lassen.

Viel Potenzial im Long Tail

Die GuideWriters-Gründer sehen aufgrund des minimalen Aufwands bei der Erstellung vor allem Potenzial für Long-Tail-Guides, die in Form eines klassischen Stadtführers niemals publiziert worden wären, wie beispielsweise ein Ratgeber für die besten Hundeauslaufgebiete oder ein Guide für die Berliner Tech-Szene. Vorteilhaft aus Anwendersicht ist zudem, dass lediglich eine App erforderlich ist, die dann für jede Stadt zum Download der auch offline verfügbaren Guides eingesetzt werden kann.

Optisch überzeugt die GuidesWriters-App sehr und zeichnet sich gegenüber foursquares Listen-Feature, das konzeptionelle Parallelen aufweist, dadurch aus, dass der Informationsgehalt der Empfehlungen größer und die Benutzerfreundlichkeit deutlich höher ist. Auch ist keine Registrierung sowie kein bestehendes Kontaktnetzwerk erforderlich, um qualitative Location-Tipps zu erhalten.

Anfänglicher Fokus auf Berlin

Guides können für beliebige Städte und Regionen in Deutschland und in anderen Ländern erstellt und über die Suchefunktion gefunden werden. Eine explizite Auflistung einer Stadt innerhalb der GuideWriters-App erfolgt jedoch erst, wenn mindestens 25 Guides verfügbar sind. Auf diese Weise soll der negative Eindruck verhindert werden, der bei Anwendern unweigerlich entsteht, wenn sie für eine angepriesene Stadt lediglich einen Guide vorfinden. Zum heutigen Launch fokussiert sich GuideWriters daher auf Berlin, wo etwa 25 Guides darauf warten, von Touristen und neugierigen Einheimischen entdeckt zu werden. Bis zum Sommer sollen weitere größere Metropolen wie Frankfurt, Hamburg, München und Köln folgen. Ab Herbst ist dann eine deutschlandweite Abdeckung geplant.

Die GuideWriters Website sowie iPhone-App stehen auf Deutsch und Englisch zur Verfügung, allerdings vorerst nur im deutschen App Store. Eine Android-App ist geplant.

Die GuideWriters-Macher Andreas Ebert und Stefan Deitmer haben eine sehr hübschen Service geschaffen, dessen Nutzwert auf der Hand liegt. Vorausgesetzt, es gelingt dem Duo, weitere Autoren und Verlage zur Erstellung von Guides zu bewegen, hat GuideWriters echtes Potenzial, bei Städtereisenden (und Lokalbewohnern) zu einem Hit zu werden.

Lediglich die anfängliche Begrenzung auf den deutschen Markt könnte zu einem Problem bei der zukünftigen Expansion werden: Denn zu dem Zeitpunkt, an dem die Internationalisierung dann endlich in Angriff genommen wird, sind andere Märkte mitunter bereits von möglichen Konkurrenten erobert worden. Gidsys Launchstrategie, von Berlin aus schnell in einer Reihe von internationalen Metropolen zu starten, erscheint da smarter - erfordert allerdings auch entsprechende Ressourcen. Da die GuideWriters-Macher die Entwicklung bisher aus eigener Tasche finanzieren, müssen sie die Kosten im Zaum halten. Offen bleibt trotzdem, ob eine schnelle Expansion mit Risikokapital im Rücken in dem gewählten Segment nicht die effektivere Strategie wäre.

Link: GuideWriters

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