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11.08.09

Google gegen Facebook: Die nächste Front im Netz

Mit der Übernahme von FriendFeed verdeutlicht Facebook, wie ernst es seinen Vorstoß in den Bereich der Publikationsnetzwerke nimmt. Und es wird endgültig klar, wo in den nächsten Monaten (oder gar Jahren) die Frontlinie im Internet verlaufen wird.

Die nächste Front im NetzSpätestens seit Montag wissen wir, wo in nächster Zeit die Frontlinie im Netz verlaufen wird: zwischen Google und Facebook. Zu Wochenbeginn gab Facebook die Akquisition von FriendFeed bekannt. Für fast 50 Millionen Dollar übernimmt Facebook den US-Dienst, seine zwölf Mitarbeiter und eine ganze Menge Know-how, um seine jüngst begonnene Mission erfolgreich abschließen zu können.

Facebook will nicht mehr nur ein soziales Netzwerk sein, über das Nutzer mit ihren Freunden und Bekannten kommunizieren, sondern nunmehr einen Großteil der Konversation im Web beherrschen - die zwischen Freunden, Familie, Kollegen, Fans, völlig Fremden und natürlich auch Unternehmen und Organisationen. Was Twitter begonnen und in den vergangenen Monaten zum Durchbruch verholfen hat, möchte Facebook mit seinen über 250 Millionen aktiven Mitgliedern weiterführen.

Mit dem Kauf von FriendFeed zeigt Facebook-Gründer und -CEO Mark Zuckerberg, dass er dieses Vorhaben mehr als ernst nimmt. FriendFeed vereint verschiedene innovative Funktionen, die Zuckerberg nun endlich ohne schlechtes Gewissen und ganz offiziell bei Facebook integrieren kann, um aus der einstigen sozialen Plattform einen globalen Kommunikationsdienst zu machen. Auch die seit Wochenbeginn verfügbare Echtzeitsuche geht in diese Richtung.

'Social Web'-Dienste lassen sich grob in zwei Klassen einteilen: Kommunikations- und Publikationsnetzwerke. Facebook will fortan beides sein. Und wird bei diesem Vorhaben vor allem von einem Konkurrenten argwöhnisch beobachtet: Google.

Sollte es Facebook nämlich gelingen, diese Metamorphose zu durchlaufen - was keineswegs sicher ist - sähe sich Google als der große Verlierer. Denn auch wenn die Umsätze sozialer Netzwerke derzeit noch bescheiden ausfallen, werden sie sich im Angesicht von Medienkonvergenz und Digitalisierung zukünftig zu DER Werbeplattform schlechthin entwickeln. Schon heute können sich Marketer kaum mehr vorstellen , nicht auf Facebook vertreten zu sein.

Google jedoch kann es sich nicht leisten, der Konkurrenz in dieser wichtigen Frage den Vorzug zu lassen. Das Geschäftsmodell des Internetriesen basiert fast ausschließlich auf Onlinewerbung. Ob aber Suchwortvermarktung für alle Zeit eine derartige Cashcow bleiben wird, weiß man auch am Google-Sitz in Mountain View nicht mit Sicherheit.

Wenn Facebook seinen durchaus gewagten Umbau wirklich erfolgreich abschließen und damit unweigerlich noch mehr Aufmerksamkeit von Werbekunden auf sich ziehen sollte, wäre das für Google eine enorme Gefahr mit potenziell dramatischen Folgen.

Es wäre verwunderlich, wenn Google jetzt nicht um jeden Preis versuchen würde, verlorenen Boden gut zu machen, die Versäumnisse im Social Web- und Echtzeit-Bereich aufzuholen und Facebook damit das Leben so schwer wie möglich zu machen. Mit Spannung erwartete Dienste wie Google Wave oder Google Voice werden dem Unternehmen dabei sicher helfen. Und auch eine Übernahme von Twitter könnte erneut auf den Plan kommen.

Google und Facebook sind nicht die einzigen Kandidaten im Rennen um das nächste große Ding im Web. Vorläufig jedoch scheint es so, als bestünde hier für die nahe Zukunft die größte Reibungsfläche. Spannender könnte es in jedem Fall kaum sein.

(Foto: Flickr/Wolcott Leung, CC-Lizenz)

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