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03.09.12

Gestohlene Drahtesel wiederfinden: Fahrradjäger will es Dieben schwer machen

Bei Fahrradjäger können Nutzer die Rahmennummern ihrer Räder registrieren und im Falle des Diebstahls auf die Mithilfe anderer Anwender hoffen.

Fahrraddiebstähle gehören zu den größten Alltagsärgernissen. Die wenigsten Fahrradbesitzer bleiben im Laufe ihres Lebens gänzlich von einem derartigen Vorfall verschont. Entsprechend groß ist die theoretische Nachfrage nach Wegen, um die Zahl der geklauten Fahrräder zu minimieren. Ein Rostocker Startup glaubt, diesem Ziel näher kommen zu können. Fahrradjäger nennen Martin Jäger, Steffi Wulf und Anton Marcuse ihren Dienst, bei dem Fahrradbesitzer ihre(n) Drahtesel registrieren und bei der Suche nach als gestohlen gemeldeten Fahrrädern mithelfen können.

Die junge Firma aus Norddeutschland setzt auf ein Prinzip, das für elektronische Gegenstände und andere Dinge bereits von Anbietern wie BringMeBack, Code-No oder Regman praktiziert wird: Besitzer können ihre Gadgets online in eine Datenbank eintragen, sie mit durch eindeutige Nummern identifizierbaren Aufklebern oder Anhängern versehen und beim Verlust darauf hoffen, dass eventuelle Finder mit ihnen über die jeweilige Plattform Kontakt aufnehmen.

Der entscheidende Unterschied zwischen diesen Diensten und Fahrradjäger: Fahrräder gehen selten verloren, werden dafür aber umso häufiger gestohlen - laut Angaben der Rostocker 1,5 Millionen Mal pro Jahr allein in Deutschland. Gleichzeitig besitzen Fahrräder mit der Rahmennummer eine universelle, genormte Kennung, mit der sich ein Fahrrad identifizieren lässt. Wer Angst um sein Rad hat, kann die Rahmennummer bei der Polizei registrieren lassen und anschließend potenziellen Dieben durch einen Aufkleber signalisieren, dass sie besser die Finger von dem Rad lassen sollten.

Fahrradjäger ist eine Ergänzung zu dieser formalen Schutzmaßnahme. Denn eine Polizei-Registrierung bringt im Falle eines Diebstahls nur dann etwas, wenn das Fahrrad im Rahmen einer Polizeikontrolle aufgefunden wird. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist nicht sonderlich hoch. Fahrradjäger spannt andere Fahrradbesitzer in die Suche nach verschwundenen Rädern ein. Der Dienst ruft seine Nutzer dazu auf, in Verdachtsfällen - etwa bei einem am Wegesrand liegenden Rad oder wenn ihnen ein gebrauchter Drahtesel zum Kauf angeboten wird - nach dem in zwei Versionen angebotenen Fahrradjäger-Aufkleber Ausschau zu halten. Die auf diesem ersichtliche Rahmennummer können sie sofort in der mobilen Browser-App von Fahrradjäger eingeben und abfragen, ob das Rad von seinem Besitzer bei Fahrradjäger als gestohlen gemeldet wurde. Ist dies der Fall, ermöglicht der Service die umgehende Kontaktaufnahme mit dem Besitzer oder einen Anruf bei der Polizei.

Fahrradjäger kombiniert den mit der Präsenz des Aufklebers auf einem Fahrrad verbundenen Abschreckungseffekt mit einem Crowdsourcing-Ansatz, um Radler vor einem dauerhaften Verlust ihres fahrbaren Untersatzes zu schützen. Das offensichtliche Manko des Verfahrens ist die Möglichkeit für Diebe, den Sicherheitsaufkleber einfach zu entfernen oder anderweitig unkenntlich zu machen. Das Startup verweist diesbezüglich auf besonders starke Hafteigenschaften. Die Mecklenburger glauben zudem, dass allein das Vorhandensein des Aufklebers eine abschreckende Wirkung ausübt.

Der grundsätzliche Ansatz, zum Wiederfinden von gestohlenen Fahrrädern auf die Hilfe und Aufmerksamkeit von Radfahrern untereinander zu bauen, statt sich allein auf die durch begrenzte Ressourcen eingeschränkte Ermittlungsarbeit der Polizei zu verlassen, ist in jedem Fall sympathisch und angesichts einer latent vorhandenen Solidarität unter Radfahrern sicher nicht uneffektiv. Zumal Besitzer einen Finderlohn ausloben können. Neben der Frage nach der "Überlebensfähigkeit" des Aufklebers stellt auch die Akquisition von Nutzern eine Herausforderung für die Fahrradjäger-Macher dar - immerhin benötigt es hinreichend Mitglieder des Dienstes, um darauf hoffen zu können, dass ein anderer Fahrradjäger-User auf ein gestohlenes Bike aufmerksam wird. Allerdings bietet der Dienst im Rahmen des Meldeprozesses für ein gestohlenes Rad auch die Option, automatisiert einschlägige Onlinemarktplätze zu durchsuchen. Das optische Erscheinungsbild und die Benutzerführung von Fahrradjäger sind übrigens noch optimierungswürdig.

Als Erlösquelle dient Fahrradjäger in erster Instanz der Verkauf der Aufkleber für jeweils fünf oder neun Euro. Weitere kostenpflichtige Premiumfunktionen sind geplant.

Link: Fahrradjäger

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