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03.09.14

Bestätigt: Daimler übernimmt mytaxi komplett

Der erste und wichtigste Großinvestor von myTaxi, T-Venture, involvierte Business Angels sowie Daimler haben sich auf eine Komplett-Übernahme des Startups aus Hamburg durch die Daimler-Tochter moovel geeinigt. Zuerst wusste das ein altbekannter Aktivist der Taxilobby.

Taxi-MagazinUpdate: Die Übernahme ist bestätigt, die Meldung erweist sich als wahr: T-Venture und die anderen myTaxi-Investoren treten ihre Anteile an Daimer ab. myTaxi wird künftig von der Daimler-Tochter moovel betrieben. Ein Kaufpreis ist nicht bekannt. In einem Blogpost erläutert myTaxi die Hintergründe. /Update Ende.

Das deutsche Taxigewerbe führt gerade so etwas wie eine Gegen-Attacke gegen die ungeliebten Firmen aus dem Netz durch, die ihnen Regeln aufzwingen und Umsätze abnehmen wollen. Gestern erlebte die Branche mit dem deutschlandweiten Verbot von Uber per einstweiliger Verfügung durch das Landgericht Frankfurt einen Teilsieg (Uber will wie schon bei vorherigen, sich auf einzelne Städte beziehenden juristischen Beschlüssen einfach weitermachen).

Jetzt enthüllt einer der lautstärksten Uber-Kritiker, Clemens Grün vom Hamburger Taxenverband e.V., in einem Artikel auf seiner Website taxi-magazin.de eine angebliche Komplettübernahme des deutschen Taxi-Vermittlers myTaxi, durch Daimler.

Laut den Informationen, die Grün von einem Insider erhalten haben will, soll myTaxi-Großinvestor T-Venture seine Anteile an den zweiten schwergewichtigen myTaxi-Finanzier Daimler abgegeben haben. Dieser werde myTaxi nun unter dem Dach der Tochterfirma und car2go-Betreibern moovel weiterführen. Auf Anfrage wollte sich nach Beschreibung Grüns niemand aus dem Umfeld von myTaxi zu diesen Gerüchten äußern - auch ein Dementi habe es nicht gegeben.

Grün zeichnet in seinem ausführlichen Beitrag ein Bild von myTaxi, in dem das Unternehmen nach einer mehrjährigen Phase hart erarbeiteter Vertrauensbildung bei vielen Fahrern mit der Durchsetzung seines unpopulären Auktionsmodells Anfang des Jahres wieder in Ungnade fiel. Rund 1.000 Fahrer hatten dem Startup als Konsequenz den Rücken gekehrt, wie das Unternehmen damals selbst erklärte.

Es ist nicht schwer, sich eine gewisse Besorgnis seitens der Investoren vorzustellen - nicht nur wegen der Turbulenzen im Rahmen der Implementierung der schlechte Stimmung bei Fahrern schaffenden Neuerung, sondern auch, weil sich das einstmals als Innovationstreiber und “Disruptor” präsentierende Sartup aus Hamburg im Lichte des Aufstiegs von Uber plötzlich in einer Lage wiederfindet, in der es den nicht unbedingt kundenorientierten Bewahrern der alten Strukturen zur Seite stehen muss.

Andererseits ist Clemens Grün sehr befangen. Als lautstarker Verteidiger der existierenden Machtverhältnisse im Taxigewerbe und Verfasser von Protestbriefen gegen Uber hat er deutlich seine Intention gezeigt, gegen technologiegetriebene Anbieter vorzugehen, welche die Funktionsweise des Taxigeschäfts bedrohen. In einer Pressemitteilung, in der er auf seinen oben verlinkten Artikel aufmerksam macht, räumt er zudem ein, selbst an einer “gewerbeeigenen Alternative zu App-Angeboten rein renditegetriebener Start-Ups” zu arbeiten. Wenn myTaxi in der Presse als Dienst dargestellt wird, der Schwierigkeiten hat, seine Investoren zu halten, würde dies Grüns persönlichen Zielen eindeutig entgegen kommen.

Grün, der selbst Taxi fährt, betont jedoch, die Dienste von myTaxi seit 2010 bis heute zu verwenden. In einigen Kommentaren auf netzwertig.com zur Uber-Debatte präsentierte er sich als nicht kategorisch reformunwillig und - im Unterschied zu einigen anderen wutgetriebenen Uber-Verachtern - durchaus beherrscht.

Was Grün über die Ereignisse bei myTaxi erfahren haben will, muss also mit Vorsicht genossen werden. Sein Insider könnte ihm auch einfach einen Bären aufgebunden haben. Die Taxibranche "genießt" (zurecht) den Ruf, das ein oder andere schwarze Schaf zu beherbergen. Dennoch wird sich myTaxi zu den Gerüchten äußern müssen. Sollte nichts dran sein, dürfte ein klares Dementi ja nicht schwer fallen. Und ansonsten ist es jetzt wohl an der Zeit, die Karten auf den Tisch zu legen.

Wir haben myTaxi-Chef Sven Külper sowie den angeblich ausgestiegenen Investor T-Venture per Mail um eine Stellungnahme gebeten und aktualisieren diesen Beitrag, wenn es neue Erkenntnisse gibt. /mw

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