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09.10.10

Gartners Hype Cycle 2010: Internet-TV wird uns nochmals enttäuschen

Internet-TV, Augmented Reality und Cloud Computing stehen kurz vor dem Ende ihres Hypes, Microblogging sorgt für Enttäuschungen und virtuelle Welten werden zur Zeit kräftig unterschätzt - das sind einige der Erkenntnisse des diesjährigen Hype-Zyklus von Gartner.

 

Die Marktforscher von Gartner haben ihre jährliche Analyse über den Akzeptanz- und Aufmerksamkeitsgrad neuer Technologien veröffentlicht . Das von Gartner entwickelte Modell nimmt für sämtliche technologischen Trends eine Entwicklung an, bei der eine Innovation über einen individuellen Zeitraum zu einem Gipfel überzogener Erwartungen führt (Hype), anschließend aufgrund fehlender Erfüllung selbiger in ein Tal der Enttäuschung abfällt und erst danach ein angemessenes Niveau von Aufmerksamkeit erreicht.

Die diesjährige Ausgabe des Reports gibt Auskunft über den aktuellen Hype-Status einer ganzen Reihe von Trends und Technologien, die wir bei netzwertig.com auf dem Radar haben:

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Einige Anmerkungen zu den für uns besonders relevanten Themen:

  • Speech-to-Speech Translation, also die Echtzeitübersetzung von Sprache, sowie 3D-Printing gehören zu den ganz heißen Themen für die nächste Zeit.
  • Internet-TV, wozu sich beispielsweise Google TV zählen lässt, ist in den Augen der Gartner-Analysten noch nicht einmal über den Gipfel der überzogenen Erwartungen hinaus, geschweige denn durch das Tal der Enttäuschung geschritten. Und das, obwohl seit über zehn Jahren - vermutlich noch viel länger - von der Verschmelzung von TV und Internet die Rede ist. Erwartet uns tatsächlich noch mehr Ernüchterung? Persönlich hätte ich Internet-TV bereits auf dem Pfad der Erleuchtung gesehen (wobei unklar ist, wo der Unterschied zu "Interactive TV" liegt, das nach einigen Hype-Jahren bereits ein gesünderes Maß an Erwartungen und Aufmerksamkeit erreicht hat).
  • Augmented Reality wird in Kürze einen Einbruch von Aufmerksamkeit verspüren, nachdem die breite Erkenntnis Einzug gehalten hat, dass die Verknüpfung von realer und virtueller Welt unser Leben (vorerst) doch nicht revolutioniert. Das war zu erwarten, selbst wenn es mittlerweile spannende Anwendungsbereiche gibt.
  • Auch Tablets müssen sich laut Gartner bald vom aktuellen Hype verabschieden. Als äußerst zufriedener iPad-Besitzer kann ich das zwar nicht nachvollziehen, aber wenn man bedenkt, welch überzogenen Erwartungen speziell Medienunternehmen und Verlage in das Apple-Tablet gesteckt haben und wie sich die Konkurrenz schwer tut, überhaupt ernstzunehmende Kontrahenten ins Rennen zu schicken, dann klingt diese Einschätzung durchaus plausibel.
  • Jeder spricht vom Cloud Computing und immer mehr Unternehmen experimentieren damit. Enttäuschungen, die sich aus unerwarteten Schwierigkeiten bei der Implementierung, technischen Problemen oder Sicherheitslücken ergeben, sind da programmiert. Die entscheidende Frage lautet, wie lange die "Dürreperiode" dauern wird.
  • Auch Activity Streams werden in nächser Zeit etwas an Hype einbüßen, ist Gartner überzeugt. Auch das ist nicht verwunderlich, ruft man sich ins Gedächtnis, wie gefühlt jeder Social-Web-Dienst mittlerweile um einen Newsfeed von Nutzeraktivitäten zentriert ist. Enttäuschungen vor allem in Bezug auf eine Überflutung mit Informationen aufgrund schlechter Filter sind da wohl unausweichlich.
  • Microblogging sorgt gemäß des Hype-Zyklus gerade für eine gewisse Enttäuschung - stimmig, wenn man bedenkt, wie Twitters Wachstum bei weitem nicht mit dem von Facebook mithalten kann, und wie speziell die Zahl aktiver Nutzer nur sehr langsam ansteigt. Aus meiner persönlichen Sicht als Twitter-User kann ich hingegen sagen, dass ich nach wie vor mit viel Freude dabei bin dass Microblogging meinen (Internet-)Alltag bereichert.
  • Lesegeräte für E-Books sieht Gartner kurz vor dem Erreichen des absoluten Tiefpunktes und damit bereits jetzt auf einem Niveau, bei dem das zukünftige Potenzial der Reader eher unterschätzt als überschätzt wird. Damit stehen E-Books kurz vor ihrem baldigen, vom Hype befreiten Durchbruch. Diese Einschätzung stimmt zumindest mit meinem subjektiven Gefühl überein.
  • Virtuelle Welten verlassen dagegen bereits ihre Talsohle, nachdem sie vor allem in Form von Second Life vor drei bis vier Jahren den Gipfel übertriebener Erwartungen erreicht hatten. Steht uns ein Comback von virtuellen Welten auf breiter Front bevor?
  • User Generated Content ("Consumer Generated Media") liegt in der allgemeinen Wertschätzung laut Gartner unter seinem Potenzial und arbeitet sich gerade wieder zurück in das Bewusstsein der Menschen. Es leben die Klowände des Internets!
  • Mobile App-Stores sieht Gartner auf dem Pfad der Erleuchtung. Offen ist, was nach dem Erreichen des "Plateaus der Produktivität" kommen wird. HTML5-Browser-Apps vielleicht?
  • Auch Micropayment-Systeme nähern sich nach Ansicht der Analysten an ein gesundes Niveau an, was Erwartungen und Aufmerksamkeit betrifft. Tatsächlich wird gerade an vielen Fronten mit Micropayments experimentiert, nachdem die Vision, mit Kleinstbeträgen im Netz zahlen zu können, lange Zeit unerfüllbar schien.
  • Die Gartner-Marktforscher sehen Location Aware Applications nach gerade einmal zwei bis fünf Jahren schon nahe am Plateau der Produktivität, sprich, sie erhalten ein angemessenes Maß an Aufmerksamkeit und Akzeptanz. Dabei ist es doch erst wenige Monate her, dass die Ernüchterung Einzug hielt... Allerdings umfasst die Definition von Gartner vermutlich mehr als klassische ortsbasierte Social Networks, so z.B. auch die Auslieferung von Suchergebnissen abhängig vom aktuellen Standort etc...

Wie bewertet ihr die Gartner-Deutungen?

(Illustration oben: Wikimedia Commons, CC-Lizenz)

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