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26.03.13

Galileo berichtet über deutsche Startups: Die Kraft des Fernsehens

Im ProSieben-Wissensmagazin Galileo wurden die deutschen Startups WorkHub und Nachbarschaftsauto vorgestellt. Die Auswirkungen des plötzlichen Nutzerinteresses waren selbst bei uns massiv zu spüren.

WorkhubEinmal täglich werfe ich einen Blick auf die aktuellen Besucherzahlen. Ausgehend von Shares, Kommentaren und andere Netzreaktionen zu publizierten Artikeln weiß ich meist schon in etwa, welche Dimensionen die Seitenaufrufe haben werden. Doch als ich die Statistik vom gestrigen Montag einsah, war ich erstaunt: Rund 7.000 Unique Visitors mehr als erwartet steuerten gestern netzwertig.com an. Der überraschende Trafficmagnet: Dieser mehr als ein Jahr alte Artikel über das Berliner Startup Workhub . Dank einer Spitzenpositionierung des Textes bei Google kamen gestern Tausende Leser zu uns. Kurze Zeit später wusste ich, wieso: Dem Startup aus der Hauptstadt war es geglückt, im ProSieben-Wissensmagazin Galileo vorgestellt zu werden. In dem 13-minütigen, ab ungefähr 19:10 Uhr ausgestrahlten Beitrag wurde über drei Startups berichtet, mit denen Menschen nebenbei etwas Geld verdienen können. Abgesehen von WorkHub erhielten dabei auch der ebenfalls aus Berlin stammende P2P-Carsharing-Anbieter Nachbarschaftsauto sowie der finnische Service Scoopshot jeweils einige Minuten of Fame - und erlebten einen Andrang, dem ihre Server nicht gewachsen waren. Sowohl WorkHub als auch Nachbarschaftsauto waren während und kurz nach der Ausstrahlung des Berichts nur schwer bis gar nicht erreichbar. Da die jungen Firmen im Vorfeld von dem Beitrag wussten und sogar mitwirkten , konnten sie sich zwar auf den bevorstehenden Andrang vorbereiten. Aber ein Webangebot für eine halbe Stunde für zehntausende parallele Besucher hochzuskalieren, bleibt ein Kunststück. Für uns war der Ausfall von WorkHub durchaus positiv, immerhin recherchierten viele Galileo-Zuschauer bei Google nach dem nicht erreichbaren Dienst und stießen so auf unseren Artikel.

Für Startups sind Fernsehberichte das Nonplusultra der Medienaufmerksamkeit. Kein noch so umfangreicher Artikel bei einem besucherstarken Nachrichtenportal beschert eine derartige Menge an Neugierigen. Kein Wunder, schauen doch meist Hunderttausende oder sogar Millionen Menschen gleichzeitig zu. Bedenkt man, das mittlerweile 55 Prozent der TV-Zuschauer parallel zum Fernsehprogramm ein Notebook, Tablet oder Smartphone verwenden, so wird deutlich, welche enormen Auswirkungen die redaktionelle Vorstellung eines Startups in einem überregionalen, reichweitenstarken Sender haben kann.

Längere Startup-Porträts, die von einem Millionenpublikum verfolgt werden, sind nach wie vor eine Seltenheit. Dem ein oder anderen deutschen Service wurde eine solche Ehre in der Vergangenheit aber schon zu Teil. Stets mit der Folge von Serverzusammenbrüchen.

WorkHub-CEO David Link erklärte mir, dass das Unternehmen seit dem Launch komplett auf aktive PR-Arbeit verzichtet. Die Galileo-Präsenz kam durch die Anfrage eines unabhängigen Journalisten zustande, der auf WorkHub gestoßen war und einen Beitrag zum Thema Microjobs plante, welcher der Galileo-Redaktion zusagte.

Bedauerlich sind die Galileo-Porträts über WorkHub und Nachbarschaftsauto für die diversen Konkurrenten. Auch Streetspotr und Appjobber buhlen wie Workhub um die Zeit von Nutzern, die in Pausen kleine Microjobs erledigen möchten. Und die Vermietung von Privatautos, wie sie Nachbarschaftsauto ermöglicht, haben sich eine ganze Reihe anderer junger Webfirmen ebenfalls zum Ziel gesetzt, darunter tamyca, Autonetzer und rent-n-roll . Wahrscheinlich profitieren sämtliche einigermaßen gut bei Google platzierten Wettbewerber von dem durch Galileo geschaffenen Interesse für die Konzepte der Microjobs und des P2P-Carsharings. Dennoch sind WorkHub - das nach wie vor auf eine Warteliste setzt, um Angebot der Jobs und Nachfrage im Gleichgewicht zu halten - und Nachbarschaftsauto nun die deutlichen Nutznießer eines gestiegenen Userinteresses, welches sie im Idealfall in exponentielles Wachstum und damit einen Vorsprung vor dem Wettbewerb ummünzen können.

Update: Streetspotr ließ uns wissen, dass der Dienst im Juli 2012 ebenfalls bei Galileo vorgestellt wurde. Nach einer kurzen Überlastung der Server registrierten sich daraufhin 40.000 User innerhalb von 24 Stunden. Mit 170.000 registrierten Anwendern sehe man die neuerliche Berichterstattung über Microjobs nicht als bedauerlich sondern als förderlich für das generelle Interesse am Thema, zumal sich Streetspotr anders als Workhub ausschließlich auf Smartphone-Nutzer konzentriere. [Update Ende]

Gerade aufgrund des typischen Anstums ist ein TV-Bericht nicht für jedes junge Startup geeignet. Wenn die neugierigen Fernsehzuschauer aufgrund andauernder Performanceprobleme oder unausgereifter Funktionen nicht das bekommen, was sie sich erhoffen, dann lassen sie sich mit großer Wahrscheinlichkeit niemals wieder blicken.

Für Webangebote, die sich jedoch reif für das ganz große Rampenlicht halten, stellt ein Bericht im Fernsehen nach wie vor den heiligen PR-Gral dar. /mw

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