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09.04.12

Für eine Milliarde Dollar: Facebook übernimmt Instagram

Für rund eine Milliarde Dollar kauft Facebook die beliebte Foto-Sharing-Applikation Instagram. Es ist die bisher größte Übernahme des sozialen Netzwerks.

 

Erst vor wenigen Tagen skizzierten wir den einzigartigen Aufstieg der Foto-Sharing-Applikation Instagram. Innerhalb von anderthalb Jahren ist es dem Startup aus San Francisco gelungen, über 30 Millionen Menschen für sich zu begeistern - und zwar ausschließlich iPhone-Nutzer. Erst seit der vergangenen Woche wird Instagram auch für Android angeboten - und zählte innerhalb der ersten 24 Stunden ganze eine Million Downloads.

Was zu diesem Zeitpunkt jedoch kaum jemand geahnt haben wird: Das junge, gerade mal zwölf Mitarbeiter zählenden Unternehmen von der US-Ostküste verhandelte mit Facebook über eine Akquisition. Am Montagabend gaben beide Firmen bekannt, sich auf eine Übernahme geeinigt zu haben. Satte eine Milliarde Dollar, teilweise in Form von Aktien, legt das soziale Netzwerk für die Foto-App auf den Tisch.

Die Höhe des Kaufpreises ist trotz des kometenhaften Aufstiegs der App mehr als beachtlich - zumindest wenn man traditionelle Maßstäbe für Unternehmensakquisitionen anlegt. Denn bisher erwirtschaftet Instagram keine Umsätze sondern fokussiert sich ausschließlich auf das Nutzerwachstum. Zuletzt wurde der Dienst von Investoren mit 500 Millionen Dollar bewertet.Facebook wird bei der bereits vor der Akquisition engen Integration von Instagram in das soziale Netzwerk Vorsicht walten lassen und die Foto-App unabhängig weiterentwickeln, verspricht Mark Zuckerberg in einer Stellungnahme. Gleichermaßen sollen auch sämtliche Sharing-Funktionen zu anderen Social-Web-Diensten bestehen bleiben, so der Facebook-CEO. Wer will, wird auch weiterhin Instagram verwenden können, ohne Fotos bei Facebook zu publizieren.

Zuckerberg merkt an, dass Übernahmen in dieser Dimension eine Seltenheit bleiben werden. Aber da Fotos eines der Erfolgrezepte von Facebook darstellen, habe man sich in diesem Fall zum Kauf von Instagram entschieden. Om Malik von GigaOm sieht darin ein Eingeständnis, dass Facebook sich von Instagram bedroht sah. Laut New York Times soll das Unternehmen schon im Frühjahr 2011 bei Instagram angeklopft haben. Damals jedoch vergeblich.

Den Instagram-Gründern Kevin Systrom und Mike Krieger kommt der Deal sehr gelegen - denn nun wird ihnen die Last abgenommen, ein funktionierendes Geschäftsmodell für ihre App entwickeln zu müssen. Dass Startups mit dem Ziel eines Exits gegründet werden und deshalb zu lange mit der Schaffung von Erlösströmen warten, ist besonders im Social-Web-Segment ein verbreiteter Kritikpunkt. Instagram gießt Öl ins Feuer und zeigt gleichzeitig anderen Entrepreneuren, dass diese Rechnung noch immer aufgehen kann.

Bei den meisten Übernahmen, die Facebook in der Vergangenheit getätigt hat, ging es um das jeweilige Team. Nicht selten folgte daraufhin die Schließung des gekauften Dienstes, wie zuletzt im Falle von Gowalla. Die Kommunikation von Seiten Facebook und Instagram betont, dass es dieses Mal anders sein soll. Da das Social Network im Falle einer Schließung von Instagram rund 83 Millionen Dollar pro Instagram-Mitarbeiter hingeblättert haben würde, erscheint dieses Versprechen durchaus glaubwürdig. Zumindest vorerst.

Hat Facebook zu viel für Instagram bezahlt? Der Reflex, hier laut mit "ja" zu antworten, lässt sich nur schwer unterdrücken. Gleichzeitig gehört die Foto-App zu den am schnellsten wachsenden mobilen Diensten überhaupt. Dies hat schon seinen Wert - auch, weil die Konkurrenz leer ausgeht und Facebook sich nun keine Sorgen mehr darüber machen muss, dass Instagram zu einer Bedrohung werden könnte.

Eine Übernahme aus Furcht statt aus Überzeugung? Ein sympathisches Motiv für eine Milliarden-Akquisition ist dies nicht. Aber ein kluges? Vielleicht.

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