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12.03.10

frents: Berliner Startup launcht Social Network für Sachen

Social Networks basieren zumeist auf den sozialen Verbindungen ihrer Mitglieder. frents aus Berlin geht einen andere Weg und will Nutzer über die Dinge miteinander in Kontakt bringen, die sie besitzen.

Lange ist es her, dass wir ein neues soziales Netzwerk vorgestellt haben. Angesichts der Übermacht einiger weniger Anbieter, allen voran Facebook, besteht für Nutzer kaum noch ein Anreiz, sich bei einem anderen Network anzumelden, welches das gleiche macht wie die etablierten Dienste. Netzwerkeffekte eben.

Heute ist es nun doch einmal wieder Zeit für den Review eines Social Networks. Allerdings keines, bei dem es lediglich darum geht, sich mit alten und neuen Freunden zu verbinden. Die Rede ist von frents, einem Startup aus Berlin, welches das laut eigener Aussage "erste soziale Netzwerk für Sachen" betreibt.

 

Bei frents können Nutzer beliebige Dinge präsentieren, die sie besitzen, wie Bücher, DVDs, Spielkonsolen, Snowboards, Hifi-Zubehör oder Kameras, um einige Beispiele zu nennen. Alle Gegenstände, die sie bei frents einstellen, können sie auf Wunsch mit ihren frents-Kontakten teilen, aber auch mit allen anderen Menschen in ihrer Nähe. Im Gegensatz zu herkömmlichen sozialen Netzwerken bildet frents also nicht nur die Verbindungen zwischen Menschen ab, sondern auch die zwischen Menschen und ihren Sachen.

Wer Sachen auf seiner frents-Seite einstellen möchte, kann dies über die Eingabe von ISBN-, EAN- oder Amazon-Nummer machen - die entsprechenden Produktinformationen werden dann von Amazon importiert - oder ganz einfach einen Gegenstand mit eigener Beschreibung anlegen. Hinzugefügte Dinge können von anderen kommentiert werden und tauchen auch im Newsfeed der Freunde auf - ja, klassische Social-Network-Features wie Kommentare, Newsfeed, Statups-Updates und Geburtstagserinnerungen dürfen natürlich nicht fehlen. Zu einzelnen Sachen zeigt frents an, wer diese ebenfalls noch besitzt.

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Neben dem Zweck des Vorzeigens von Sachen, die man besitzt, und des damit verbundenen Auffindens von Gleichgesinnten, möchte frents seinen Mitgliedern die Möglichkeit geben, Dinge an andere zu vermieten - entweder kostenlos oder gegen Geld. Konditionen zur Miete werden auf dem Produktprofil angezeigt. Dadurch sollen sich beispielsweise PC-Spiele oder Bücher an (bestehende oder neu gewonnene) Freunde ausleihen lassen, die womöglich sonst nicht von deren Existenz erfahren hätten.

Der eigentlich Antrieb für das frents-Team, die Mietfunktion zu integrieren, war vermutlich, weil es auf diesem Weg gewerbliche Anbieter ins Bild bringen kann. Diesen bietet frents an, ebenfalls zur Vermietung befindliche Produkte und Gegenstände auf der Plattform einzustellen. Auf einer Google Maps erhalten Mitglieder einen Überblick über Sachen in der unmittelbaren Nähe - die von Freunden, anderen Nutzern sowie solche, die Unternehmen zur Vermietung anbieten.

Rein optisch hinterlasst frents einen recht positiven Eindruck. Es sieht gut aus, man findet sich zurecht, und wer keine Lust auf die Verwaltung einer weiteren Benutzername-Passwort-Kombination hat, der kann sich über Facebook Connect anmelden.

Was die funktionelle und konzeptionelle Seite betrifft, drängte sich mir nach einigem Ausprobierens jedoch der Eindruck auf, frents versuche, zu viel auf einmal zu sein. Ließ mich die Idee eines Social Networks für Sachen aufhorchen und weckte meine Neugier, verringerte sich mein Interesse, je mehr zusätzliche Funktionen ich entdeckte. Die Idee mit dem Vermieten von Sachen ist sicher nicht schlecht, aber wie groß ist tatsächlich das Bedürfnis der meisten Menschen, beliebige Gegenstände (an Fremde) zu vermieten?

Auch die Tatsache, dass Unternehmen Dinge vermieten können, sowie die zusätzliche Dienstleistungskomponente, bei der beispielsweise Nachhilfeunterricht, Umzugshilfe oder Hundesitting angeboten werden können, verstärkten mein Gefühl, dass frents krampfhaft als eierlegende Wollmilchsau positioniert werden soll, dabei aber eine ganze Menge Ballast mit sich herumschleppt. Das verwässert den eigentlichen Produktfokus und erschlägt von anderen Diensten an Einfachheit gewöhnte, potenzielle Neunutzer.

Der Gedanke, statt Menschen Gegenstände ins Zentrum eines sozialen Netzworks zu rücken - und sich dabei nicht auf eine spezifische Nische zu spezialisieren - hat seinen Reiz. frents zeigt gute Ansätze, könnte seine Ausgangsposition und Marktchancen mit einer Schlankheitskur aber deutlich verbessern.

Hier ein Video mit einer kurzen Selbstbeschreibung von frents:

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