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09.05.08

Freie protestieren gegen Springer

Jetzt auch in der Schweiz: Freie Journalisten sollen dem Axel Springer Verlag schriftlich weitgehende Nutzungsrechte ihrer Werke einräumen – Berufsverbände protestieren.

Für den Axel Springer Verlag in der Schweiz tätige freie Journalisten (Handelszeitung, Bilanz, Beobachter) erhalten dieser Tage die Aufforderung, eine neue Regelung für die weitere Zusammenarbeit zu unterschreiben. Damit sollen die Freien viele ihrer bisherigen Rechte abtreten. So soll der Verlag nach den neuen Regelungen Texte und Fotos beliebig oft verwenden und an beliebige Publikationen weiterverkaufen können.

 

"Interne Mehrfachverwendungen sollen entschädigungslos möglich werden. Und beim Weiterverkauf außer Haus ist zwar eine Entschädigung für die Journalisten vorgesehen, aber die Urheber haben keinen Einfluss darauf, wo ihr Werk noch überall erscheint – und zu welchem Preis", kritisiert Urs Thalmann vom Journalistenverband Impressum die Einschränkungen. Bei Impressum und der Mediengewerkschaft Comedia seien in den letzten Tagen eine ganze Reihe Beschwerden eingegangen. "Wir werden mit Springer in Kontakt treten und Verhandlungen verlangen", sagte Thalmann. Bis dahin wird freien Journalisten empfohlen, die neuen Bestimmungen nicht zu unterschreiben.

Kein Einzelfall

Springer ist kein Einzelfall. Auch andere Schweizer Verlage versuchen, immer weitgehendere Nutzungsrechte von ihren Autoren zu bekommen. "Als die Südostschweiz ähnliche Regelungen durchsetzen wollte, konnte das Schlimmste nur durch schlechte Presse abgewendet werden", sagt Thalmann. Dennoch werde weiter systematisch versucht, Freie zum Abtritt aller Rechte zu bewegen.

In Deutschland sollen die Freien umfangreiche Rechte bereits seit dem 1. Januar 2007 an den Axel Springer Verlag abtreten. Gegen diese Bedingungen gehen der Deutsche Journalisten Verband (DJV) und Freelens derzeit noch gerichtlich vor. Einen Teil der AGB hat das Landgericht Berlin bereits für unwirksam erklärt. Weitgehende Nutzungsrechte wie das Werberecht sollen aber weiterhin abgetreten werden. Beide Seiten sind in Berufung gegangen. Der DJV empfiehlt, auch gegen die neue Fassung der AGB Widerspruch einzulegen.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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