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13.02.14

Flying und Mileways: Alles, was Flugreisende brauchen, in zwei Apps

Die zwei deutschen Startups Flying und Mileways wollen alle für Flugreisende nützlichen Informationen in einer App vereinen. Es deutet sich ein interessanter Zweikampf an.

Flying &amp; Milesway

Für die meisten Menschen sind Flüge nur ein Mittel, um schnell von A nach B zu kommen und dabei große Distanzen zurückzulegen. Doch manche Reisende entwickeln eine Art Leidenschaft für das Fliegen. Sie sind sozusagen "aerophil". Im Mai vergangenen Jahres berichteten wir über das Hamburger Startup Flying, das genau diese Personen im Visier hat. Der bislang nur für das iPhone angebotene Dienst möchte zum unersetzlichen Begleiter für alle werden, die gerne und oft im Flugzeug sitzen, und kombiniert persönliche Fluginformationen mit einem sozialen Netzwerk.

Wer nun anzweifelt, dass es für eine solche Nische einen hinreichend großen Markt gibt, der wird überrascht sein, dass sogar noch ein zweites, ebenfalls aus Deutschland stammendes Jungunternehmen im gleichen Segment eine Etablierung anstrebt: Mileways aus München erblickte nur wenige Tage nach Flying offiziell das Licht der Welt. Der ebenfalls nur für das iPhone angebotene Service gleicht dem norddeutschen Wettbewerber konzeptionell, Unterschiede liegen im Detail.

Flying (links) & Mileways

Auf Dauer sind Flugfans als Zielgruppe zu klein

In ihrem aktuellen Stadium sind beide Services tatsächlich in erster Linie etwas für oben titulierte aerophile Personen. Denn Flüge hinzuzufügen, kostet etwas Zeit (Import aus E-Mail-Tickets wäre deshalb hilfreich Bei Flying ist der Import auch per E-Mail und aus einigen externen Diensten möglich) und liefert Usern derzeit noch einen geringen handfesten Mehrwert. Auf Dauer reicht es nicht, sich nur an passionierte Vielflieger zu richten, die sich an Listen ihrer bevorstehenden Flüge, Visualisierungen ihrer Flugrouten sowie Zählern der in der Luft verbrachten Kilometer ergötzen können.

Um den Nutzerkreis zu erweitern und funktionierende Geschäftsmodelle aufzubauen, müssen die Services ihren Nutzerkreis durch praktische, mit Flugreisen im Zusammenhang stehende Funktionen ergänzen. Ein Mittel dafür ist eine Option zur Abwicklung von Entschädigungs- und Ausgleichszahlungen im Falle von Ausfällen oder längeren Verspätungen. Gemäß EU-Richtlinie besitzen Fluggäste hier weitreichende Rechte, von denen sie aus Unkenntnis oder Bequemlichkeit oft nicht Gebrauch machen. Sowohl Flying als auch Mileways melden sich automatisch, sofern eine Unregelmäßigkeit im Flugplan die Anwender für Kompensationen berechtigt. Direkt über die Apps kann dann der entsprechende Problemfall übermittelt werden. Flying kooperiert hierzu mit flightright, Mileways nutzt die Dienstleistungen von AirHelp. Weiterhin sind beide Anwendungen in der Lage, Buchungscodes zu speichern, und sie schicken User direkt zum Online-Check-In der jeweiligen Airline.

Mileways ködert User mit Gutscheinen

Während Flying seine Social-Networking-Komponente deutlicher in den Mittelpunkt stellt und das Auffinden von Freunden einfacher macht, legt der Münchner Wettbewerber einen zusätzlichen Fokus auf das Sammeln von Airline-übergreifenden Bonuspunkten. Wer nach einem absolvierten Flug über die Mileways-Anwendung "auscheckt" und per GPS den Standort verifiziert, der sammelt Meilen, die anschließend in Gutscheine für Partnerunternehmen aus der Transport- und Tourismusbranche umgetauscht werden können. Für 1000 geflogene Meilen (1609,3 Kilometer) gibt es etwa einen 20-Eurogutschein für Airbnb, für 500 Meilen einen Zehn-Euro-Gutschein für Sixt und für 2000 Meilen einen 29 Euro-Guthaben für DriveNow. Laut Gründer Alexander Lueck existiert keine quantitative Begrenzung, allerdings gestatten Partner in der Regel nur das Einlösen eines Gutscheins pro Buchung.

Flying fehlt bislang ein monetärer Anreiz dieser Art . Da es ziemlich mühselig ist, Flüge bei beiden Apps einzutragen, dürften sich an diesem Anwendungstyp interessierte Nutzer für einen der beiden Anbieter entscheiden wollen. Mileways hat mit dem Belohnungssystem hier einen nicht unwesentlichen Vorteil. Auch optisch und von der Usability sagt mir Mileways mehr zu. Flying hat dafür den Community-Faktor auf seiner Seite. Zahlreiche meiner Twitter-Kontakte sind dort, einige auch sehr aktiv. Mileways synchronisiert Kontakte mit Facebook - bislang ist keiner meiner dortigen Freunde bei dem Dienst.

Da ich selbst relativ häufig und "bewusst" fliege (obwohl ich Flugreisen an sich gar nicht so angenehm finde), bin ich relativ leicht für eine App wie Flying oder Mileways zu begeistern. Ich glaube aber, dass ein derartiger Dienst selbst für Menschen mit nur ein paar Flugreisen pro Jahr nützlich sein kann, sofern er ihnen das komplette Informationsmanagement sowie die Tripplanung abnimmt. Und da im Zusammenhang von Reisen auch immer Geld fließt, bin ich optimistisch, dass sich von den Unternehmen nachhaltige Erlösquellen erschließen lassen. Warten wir ab, ob die zwei Firmen die richtigen Hebel dafür finden, und wer sich letztendlich durchsetzt. /mw

Links: FlyingMileways

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