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14.11.13

FlightCar: Wie ein US-Startup privates Carsharing clever weiterdenkt

Das US-Startup FlightCar will Flugreisende dazu bewegen, ihr Privatfahrzeug kostenfrei am Flughafen zu parken und während ihrer Abwesenheit zur Miete anzubieten. Eine clevere Idee!

FlightCar Carsharing zwischen Privatpersonen zählt zu den gewagteren Formen moderner Mobilitätskonzepte. Wenn mehrere Menschen sich ein stationsbasiertes, von einem Unternehmen bereitgestelltes Fahrzeug teilen, dann tragen Kunden kein höheres Risiko als bei einer herkömmlichen Mietwagenmiete. Stellen jedoch Privatpersonen ihre eigenen Fahrzeuge über Plattformen wie Autonetzer, Tamyca und Nachbarschaftsauto zeitweilig zur Miete bereit, dann müssen sich Mieter darauf verlassen, dass der Besitzer sein Kfz gut in Schuss hält. Vermieter dagegen zeigen sich damit einverstanden, ihren fahrbaren Untersatz in die Hände von Fremden zu geben. Die Aussicht auf einen kleinen Nebenverdienst wird bei vielen nicht ausreichenn, um ihr einige Tage oder Wochen ungenutztes Auto zum Carsharing anzubieten. Sonst hätten die genannten Sites deutschlandweit mehr als jeweils höchstes einige tausend Fahrzeuge anzubieten.

Doch was wäre, wenn man den finanziellen Vorteil des P2P-Carsharings mit einem praktischen Nutzen für Fahrzeugbesitzer kombiniert? Würden sich dann mehr Menschen dazu entschließen, ihr Auto aus den Händen zu geben, sofern sie es gerade nicht benötigen? Das seit Anfang des Jahres aktive US-Startup FlightCar sieht hier eine Nische in der Nische - allerdings eine wahrlich nicht unattraktive. Kostenfrei am Flughafen parken

Das junge Unternehmen aus San Francisco möchte Menschen animieren, ihre Privatautos zu vermieten, wenn sie berufliche oder private Flugreisen machen. Das durchdachte Konzept: Anstatt viel Geld in eine Taxifahrt zu investieren oder sich mit drei Koffern in Bus oder Bahn zu zwängen, fahren FlightCar-Nutzer mit ihrem eigenen Auto direkt zum Flughafen. Dort geben sie ihr Gefährt an einem vereinbarten Ort ab und werden von einer FlightCar-Limousine zu ihrem Terminal kutschiert. Unterdessen fährt ein FlightCar-Mitarbeiter das Auto zu einem nahegelegenen firmeneigenen Parkplatz, an dem es für eine Miete fit gemacht und zwischengeparkt wird. Ankommende Reisende auf der Suche nach einem günstigen Mietwagen können über die FlightCar-App die am Flughafen in die Hände des Startups gegebenen Autos zu vergleichsweise günstigen Konditionen mieten.

Nach ihrer Rückkehr werden die Fahrzeugbesitzer von FlightCar abgeholt und zu ihrem komplett gereinigten Kfz gebracht. Alternativ nehmen sie ein Taxi zum FlightCar-Parkplatz und bekommen die Kosten für den Trip erstattet. Sollte ihr Auto während ihrer Abwesenheit von FlightCar vermietet worden sein, erhalten sie ein Prämie, die von den gefahrenen Kilometern, von der Fahrzeugklasse sowie vom Fahrzeugalter abhängt. Die durchschnittliche Vergütung bei einer fünftägigen Vermietung liegt laut Firmenangaben bei 30 Dollar.

Bequemer, aber schlechter vergütet

FlightCar löst mit seinem Konzept mehrere Probleme bisheriger P2P-Carsharing-Ansätze: Denn Vermieter ersparen sich jede Abstimmung, Kommunikation sowie Schlüsselübergabe mit eventuellen Mietern. Gleichzeitig müssen sie sich keine Gedanken darüber machen, wie sie am einfachsten und dennoch kostengünstigsten zu ihrem Flieger kommen. Dauerparkplätze am Flughafen kosten schnell dreistellige Beträge. Im schlechtesten Fall erhalten Reisende bei FlightCar einen kostenfreien Dauerparkplatz und ein gereinigtes Farzeug. Im besten Fall drückt ihnen das Team des Unternehmens bei der Abholung ihres Autos noch einen Scheck in die Hand. Das Startup versichert Fahrzeuge bis zu einer Schadenssumme in Höhe von einer Million Dollar.

Wer allein auf das Umsatzpotenzial blickt, der fährt zwar mit der Direktvermietung über eine klassische P2P-Carsharing-Plattform besser, hat dafür aber deutlich mehr Aufwand - sowohl in Bezug auf die Abwicklung der Miete als auch hinsichtlich der Anfahrt zum Flughafen. Zumindest für Bequemlichkeit schätzende Menschen ist FlightCars Angebot lockender als die Alternativen.

Mieter will FlightCar mit nach eigenen Angaben deutlich günstigeren Mietpreisen als die Konkurrenz sowie einer Direktabholung vom Flughafen locken. Ein umfangreicher Versicherungschutz ist im Mietpreis inbegriffen - die bekannten Mietwagenfirmen fordern in den USA dafür oft erhebliche Zuschläge.

Ein Geschäftsmodell, das sich beweisen muss

Ob sich das Geschäftsprinzip von FlightCar für das Startup wirtschaftlich lohnt, wird es in den kommenden Monaten in Erfahrung bringen müssen. Anders als bei herkömmlichen Plattformen für das P2P-Carsharing ist der Personalaufwand größer, und durch die Funktion als physischer Mittler macht sich das Unternehmen für alle möglichen Konflikte angreifbar, die entfallen, wenn User den Carsharing-Prozess selbst organisieren. Andererseits zahlt FlightCar Vermietern weniger als die P2P-Wettbewerber, und die Kosten für das Parkplatzareal lassen sich je nach Verhandlungsgeschick des Startups drücken. Mehr als sechs Millionen Dollar an externer Finanzierung sollen der Firma aus San Francisco dabei helfen, die Zeit bis zum Break-Even zu überbrücken. Bislang kann der Dienst an den Flughäfen in San Francisco, Los Angeles und Boston genutzt werden.

Wie PandoDaily erwähnt, ist FlightCar der einzige bereits in mehreren US-Städten verfügbare Service dieser Art. Mit Hubber existiert ein weiterer ähnlicher Anbieter am Flughafen in Los Angeles, und mit RelayRides will seit neuestem auch ein herkömmlicher P2P-Carsharingservice die Flughafennische für sich reklamieren - bisher nur in San Francisco.

Das private Carsharing mit dem Flughafentransport-Szenario zu verknüpfen, halte ich aus Sicht der Plattformteilnehmer für eine clevere Idee. Wir sind gespannt, ob FlightCar & Konsorten daraus ein profitables Unterfangen machen können, das von Fahrzeugbesitzern sowie -mietern angenommen wird. Wer probiert es in Deutschland, Österreich und der Schweiz? /mw

Link:  FlightCar

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