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24.07.18

FinTech-Revolution geht weiter

Branche in Deutschland wird immer professioneller

Quelle: WebID Solutions

Ob Überweisungen, Versicherungen, Kredite oder Investmentprodukte – aufstrebende FinTechs drängen in alle Bereiche des klassischen Bankings. Etablierte Finanzdienstleister stehen dadurch enorm unter Druck. Doch dass sie vom Markt gefegt werden, ist weniger wahrscheinlich als es noch vor einiger Zeit erschien. Vielmehr wird es auf Zusammenarbeit und Koexistenz zwischen beiden Gruppen hinauslaufen. Dies ist die Einschätzung von Franz Thomas Fürst, Gründer und Geschäftsführer der WebID Solutions GmbH. Die WebID ist Identifikationsdienstleister und auf diesem Gebiet Marktführer in Deutschland. Zu ihren Kunden gehören insbesondere auch Banken und Finanzdienstleister, so dass sich Fürst über die vergangenen Jahre eine starke Expertise in punkto FinTechs erarbeitet hat.

Seiner Meinung nach wird es zwar weiter zu dramatischen Veränderungen in der Branche kommen – besonders hervorgerufen durch disruptive Technologien und veränderte Kundenwünsche. Doch insgesamt stellt er zwei parallele Entwicklungen fest: „Die Branchengrößen sind längst aufgewacht und haben inzwischen eigene Entwicklungsabteilungen gegründet, sind Kooperationen eingegangen oder haben kurzerhand Start-ups aufgekauft. Und gleichzeitig haben sich die FinTechs immer weiter perfektioniert. Der Markt ist erwachsen geworden – nun auch in Deutschland“, so Fürst.

Mit Creditshelf – ein Vorreiter bei der Kreditvergabe an kleine und mittlere Unternehmen über Online-Marktplätze – geht nun erstmals in Deutschland ein reines FinTech an die Börse.  15 bis 20 Millionen Euro peilt das Unternehmen an Emissionserlösen an, als erster Handelstag ist der 25. Juli geplant. Tim Thabe, CEO und Mitgründer von creditshelf, sagt: "Wir sehen, dass die Nachfrage nach unseren Produkten ständig steigt. Mit dem Erlös aus der Kapitalerhöhung wollen wir diesem dynamischen Wachstum unseres Geschäfts Rechnung tragen." Und dieses „dynamische Wachstum“ ist beeindruckend: Im ersten Quartal 2018 hat das Unternehmen Kreditanfragen über 251 Millionen Euro erhalten, ein Jahr zuvor lagen sie bei gerade einmal 66 Millionen, knapp einem Viertel. Für Experte Thomas Fürst ist dies ein Beleg für den großen Reifegrad der Branche: „FinTechs werden eindeutig zu großen Playern. Das merken wir auch an unserem Kundenstamm. Alteingesessene Dienstleister, die inzwischen die Zeichen der Zeit erkannt haben, werden dort immer mehr von Newcomern ergänzt.“ 

Luft nach oben ist jedoch noch da. Laut Daniel Bartsch, Chief Operating Officer und Mitgründer von Creditshelf, hat der „wenig durchdrungene Markt“ bei kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland ein Potenzial von sage und schreibe 39 Milliarden Euro. Creditshelf möchte von diesem Kuchen ein Stück abbekommen, gibt sich aber bescheiden: Kredite über 500 Millionen Euro sollen über die Plattform jährlich vermittelt werden. Erreicht werden soll diese Größenordnung durch den Wesenszug von FinTechs – der alles entscheidenden neuen Technologie. Nach eigener Aussage verfügt das Unternehmen über ein „umfangreiches Know-how im Bereich der automatisierten und datengesteuerten Kreditanalyse.“ Und diese Analyse soll durch die Erlöse aus dem Börsengang noch genauer und effizienter gestaltet werden, um die Prozesskosten weiter zu senken.

Wie in einem Brennglas zeigt das Beispiel Creditshelf die Treiber und Effekte der FinTech-Revolution“, so WebID-Geschäftsführer Fürst. „Das Geld fließt verstärkt in Forschung und Entwicklung – hier ist es ein datengesteuerter Risikoanalyse-Algorithmus. Dann wird das Produktportfolio erweitert und schließlich möchte das Unternehmen Kooperationen mit Banken eingehen. Das zeigt, ohne die erfahrenen Marktteilnehmer geht es nicht. Befruchtende Zusammenarbeit ist eher das Gebot der Stunde.“

Was innerhalb der Finanzwirtschaft offenbar hervorragend funktioniert, klappt außerhalb noch nicht so gut, nämlich bei den potenziellen Kunden der FinTechs: Nur 8,5 Prozent der deutschen Unternehmen beziehen FinTechs bei der Digitalisierung ihrer finanzwirtschaftlichen Prozesse als potenzielle Partner ein, wie die aktuelle Studie "FinTechs im Firmenkundengeschäft" des Beratungshauses Syracom zeigt. Erste Anlaufstelle, wenn Firmen ihre finanzwirtschaftlichen Prozesse digitalisieren, sind demnach etablierte Softwarehäuser. Deutlich seltener werden klassische Banken genannt, wenn es um Lösungsanbieter für Digitalisierungsprojekte geht. „Sonstige Dienstleister“ folgen, und an innovative junge Unternehmen denkt nicht einmal jeder Zehnte. „Ein großer Fehler, der sich rächen könnte!“, meint Fürst. „Gerade die Technologien sind doch die Kernkompetenz der FinTechs. Dort sind sie höchst professionell – und sie haben die richtigen Leute, die mit Begeisterung bei der Arbeit sind.“

Auch das Beispiel seines eigenen Unternehmens zeige, dass man jeden Tag hart an neuen Lösungen arbeite. „Ständig entwickeln wir unsere Methoden und Arbeitsprozesse weiter – oder aber wir adaptieren sie: Für unsere Expansion in die USA haben wir unsere bewährten Abläufe und Dienstleistungen noch einmal weiterentwickelt und an die dortigen Marktgegebenheiten angepasst“, unterstreicht Fürst die stetige Professionalisierung der Branche und ihrer Dienstleister.

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