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16.03.12

Filme wandern in die Cloud: UltraViolet und iCloud konkurrieren um Inhalte und Nutzer

Filmstudios und Internetunternehmen arbeiten an Lösungen, um das Kaufen von Filmen im digitalen Zeitalter wieder attraktiv zu machen. Zumindest im US-Markt zeichnet sich ein Konkurrenzkampf zwischen der Brancheninitiative UltraViolet und Apples iCloud ab.

 

DVD und Blu-Ray stehen vor der Ablösung durch neue cloudbasierte Filmformate. Erst vor kurzem wurde bekannt, dass die nächste Generation der XBox wohl kein optisches Laufwerk mehr beinhalten wird. Sie befindet sich in guter Gesellschaft: ob iPad, Smartphone, Ultrabook oder MacBook Air - alle diese Geräte verzichten auf ein optisches Laufwerk und verwenden entweder USB-Speicher oder das Internet, um Inhalte abzuspielen. Diese Entwicklung stellt Studios und Nutzer gleichermaßen vor Herausforderungen. Einerseits führt sie zu der Frage, wie Filme auf diese Geräte kommen, und andererseits zu der, wie sich bereits gekaufte DVDs und Blu-Rays auf diesen Geräten nutzen lassen.

Momentan wird das Zugangsproblem meistens über Video-on-Demand-Angebote gelöst, die Filme über das Internet auf die Geräte streamen. Die Nutzer wiederum haben sich selbst geholfen und kurzerhand ihre DVDs digitalisiert oder die auf der Blu-Ray enthaltenen digitalen Kopien auf den PC und dann auf ihre mobilen Geräte übertragen. Trotzdem ist dieser Zustand für beide Seiten suboptimal. Das "Rippen" der DVD-Sammlung kostet Zeit und bringt rechtliche Problemen mit sich. Die Dominanz der VoD-Angebote hat gleichzeitig geringere Umsätze für die Studios zur Folge.

Der Filmkauf soll wieder attraktiv werden

So verwundert es nicht, dass Studios und Internetunternehmen mit Hochdruck an Lösungen arbeiten, um das Kaufen von Filmen wieder attraktiv zu machen. Die Idee ist simpel: Ein zentraler "Cloud-Locker" verwaltet alle Streifen des Nutzers und erlaubt den geräte- und formatunabhängigen Zugriff auf die Inhalte über Apps, Streaming oder Download. Nutzer können entweder gezielt digitale Kopien für den Cloud-Locker erwerben, oder sie geben einen der Blu-Ray oder DVD beiliegenden Code an, um den Film für die Cloud freizuschalten. Doch es wäre nicht die Filmindustrie, wenn sich nicht auch bei diesem Übergang ein Formatkampf à la Betamax vs VHS oder Blu-Ray vs HD-DVD entwickeln würde.

UltraViolet vs iCloud

UltraViolet ist eine zentrale Rechteverwaltung und speichert als solche sämtliche Filmlizenzen des Nutzers. Diese haben über ihren UltraViolet-Account jederzeit Zugriff auf alle ihre Filme, wobei das Abspielen, der Download und der Verkauf der Filme über verschiedene Partner erfolgen kann. Hinter UltraViolet steht das Who-is-Who der Film- und Online-Video-Industrie, von Adobe und Samsung bis Lionsgate und WarnerBros. Die Studios erlauben über UltaViolet eine flexible Nutzung ihrer Filme. So können diese auf bis zu zwölf Geräte heruntergeladen werden und simultan auf bis zu drei Clients gestreamt werden. Die US-Einzelhandelsriese WalMart hat sich zudem des Problems der existierenden DVD- und Blu-Ray-Sammlungen angenommen: Gegen eine Gebühr von zwei bis vier Dollar je Film können Kunden ihr physisches Film-Archiv im Laden für UltraViolet freischalten lassen. Damit entfällt das Rippen. Die Sammlung wird sofort auf allen Geräten verfügbar.

In der langen Liste von UltraViolet-Partnern fehlen jedoch zwei wichtige Unternehmen: Disney und Apple. Apple verfolgt hier wie so oft seine eigene Strategie. Schon seit längerem liegen DVDs und Blu-Rays Codes für eine digitale iTunes-Kopie bei. Doch erst seit dem letzten AppleTV-Update nimmt die iCloud-Strategie für Filme konkrete Formen an. Mit der neuen Version werden die per Code eingelösten digitalen Kopien mit iCloud synchronisiert und sind somit nicht mehr auf die lokale Datei angewiesen. Apple bietet quasi ein iTunes Match für Filme ohne zusätzliche Kosten. iCloud entwickelt sich so zum zentralen Cloud-Locker für Filme, auf den von jedem Apple-Gerät aus zugegriffen werden kann.

Ein kurzer Blick auf Amazon zeigt, dass der Format-Kampf wohl nicht einfach aufzulösen sein wird: Den meisten neueren Filmen liegen sowohl Codes für iTunes als auch für UltraViolet bei, so dass eine Entscheidung für oder gegen eine Cloud-Lösung wahrscheinlich noch eine Weile auf sich warten lässt.

Während in den USA UltraViolet und iCloud konkurrieren, warten wir im deutschsprachigen Raum noch auf die ersten UltraViolet-Angebote. Auch ist eine breite Verfügbarkeit von DVDs und Blu-Rays mit digitalen Kopien für iTunes noch nicht gegeben. So bleibt wohl vorerst nur das Rippen von DVDs als Lösung, um die Filmsammlung auch auf Post-PC Geräten zu konsumieren.

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