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11.09.13

Figo: Das eigene Bankkonto als Schlüssel für clevere Finanzdienste

Figo will per Push-Nachricht über Aktivitäten auf dem unserem Bankkonto informieren. Mit einer eigenen API wollen die drei Gründer aber noch weit höher hinaus: Sie wollen uns die Angst nehmen, unser Konto mit anderen Online-Diensten zu verbinden.

Figo_LogoEs ist Alltag geworden auf einem Smartphone: Wir verbinden unsere E-Mail-, WhatsApp- oder Facebook-Konten mit dem Telefon und erhalten auf Wunsch Push-Notifications, wenn etwas Neues passiert. Wenn sich aber um unser Bankkonto geht, dann zieren wir uns und loggen uns lieber selbst ein und schauen nach Neuigkeiten. Figo will uns die Angst nehmen, unser Bankkonto mit anderen Diensten zu verbinden. Gelingen soll das mit einer minimalistischen iPhone-App, die Sicherheit verspricht und so gar nicht nach Bankenwesen aussieht.

"Wir wollen, dass die Informationen über alle Konten zum Kunden kommen, nicht umgekehrt", sagt mir Mitgründer André Bajorat am Telefon. "Aus Pull soll Push werden." Wer Figo nutzen will, muss - natürlich - sein Bankkonto mit der App verbinden. Hohe Sicherheitsstandards sollen aber dafür sorgen, dass die Daten sicher verschlüsselt und verwahrt werden. Es ist eine Hemmschwelle, aber Figo will Mut machen, diese zu überwinden. Wer die App benutzt, kann sich darüber benachrichtigen lassen, wenn Geldbeträge ab einer bestimmten Summe ein- oder abgehen. Wenn also etwa das lange erwartete Urlaubsgeld endlich da ist oder wenn eine größere Summe das Konto verlässt, erfährt der Nutzer es sofort, nicht erst, wenn er sich in sein Bankkonto einloggt.

 

Figo steht für "Finance to Go": Neben mehreren Bankkonten lassen sich mit der App auch PayPal, Kreditkarten, Miles&More-Karten oder Wallets verwalten und auf dem Smartphone immer im Blick behalten. Und das ist es im Grunde auch schon. "Unsere App hat bestimmt weniger Funktionen als Finanzblick und andere", sagt mir Bajorat. Ziel sei es gewesen, die Funktionen auf das Wesentliche zu reduzieren.

Das dürfte mit Figo gelungen sein. Die App hat ein augenfreundliches Layout und beschränkt sich inhaltlich tatsächlich nur auf Benachrichtigungen, die sich individuell einstellen lassen: Unterschreitet der Kontostand die 0-Euro-Marke, kommt Geld hinein, geht welches ab, wird mehr ausgegeben als eingenommen? Darüber hinaus wertet Figo das Konto mit einer Einnahmen-Ausgaben-Rechnung oder einem "Gesundheits-Label" aus. Mehr nicht. Überweisungen, Depotverwaltungen, Fondshandel, Geldanlagen - alles nicht möglich mit der Figo-App. Dafür muss man praktisch nichts mehr machen, wenn man Figo einmal eingerichtet hat. Die App meldet sich beim Benutzer, wenn etwas passiert. Sie taugt allerdings auch recht gut dafür, um unterwegs einmal einen Blick auf den eigenen Kontostand und die letzten Buchungen zu werfen.

Services mit hohen Sicherheitsstandards

Damit niemand Anderer Zugriff auf das Konto hat als der Inhaber selbst, setzt die App den Anbietern zu Folge FinTS und HBCI+ ein, spezifizierte Schnittstellen der Kreditwirtschaft. Die Verbindung zwischen Figo, Bank und Rechenzentrum laufe immer verschlüsselt ab, versichern die Gründer. Persönliche Daten werden beim Anbieter noris network gespeichert, wo jeder Nutzer eine Art virtuelles Schließfach erhält, auf das nur er mit einem speziellen Schlüssel zugreifen kann. Daten auf dem iPhone selbst werden in einer verschlüsselten Datenbank abgelegt, auf die man nur mit einem Entsperrcode Zugriff hat. Kundendaten und Zugangsdaten werden getrennt voneinander in der Cloud gespeichert. Figo will Vertrauen schaffen durch ein ausgeklügeltes Sicherheitskonzept.

Figo benachrichtigt über Konto-Aktivitäten per Push-Nachricht. Figo benachrichtigt über Konto-Aktivitäten per Push-Nachricht.

Das untermauert auch die langfristigen Absichten des Startups: Die Figo-App soll erst der Anfang einer Reihe von Services sein, die man mit Hilfe der eigenen API realisieren will: Figo Connect macht das eigene Bankkonto zum Schlüssel für andere Finanzservices, etwa digitale Sparschweine, Angebots- und Rechnungsverwaltungen, Buchhaltungssysteme und Haushaltsbücher. Damit weitere Apps Figo einbinden können, stellen die Gründer außerdem ein Entwicklerkit zur Verfügung. Die Idee ist clever: ein hilfsbereiter, einfacher Dienst mit hohen Sicherheitsstandards legt den Grundstein. Der Kunde schöpft das notwendige Vertrauen, hat sein Bankkonto hier ja längst sicher eingebunden und in der Folge weniger Scheu, es mit anderen Services zu verbinden.

Geld einnehmen wollen die drei Gründer Bajorat, Markus Lüdemann und Michael Haller über ein Freemium-Modell: die Basis-Version der Services ist kostenlos, Premium-Dienste werden Geld kosten. Darunter fällt auch die Verbindung zu anderen Apps. Außerdem ist die Nutzung der API nicht kostenlos: Drittanbieter, die einen Zugang dazu wollen, müssen laut Figo "für den geschaffenen Mehrwert einen fairen nutzungsabhängigen Preis" zahlen. Nüchtern betrachtet funktioniert das Geschäft also so: Figo nimmt den Nutzern die Scheu, ihr Bankkonto für andere Dienste zu öffnen. Kostenlos erhalten sie dafür eine App mit Basisfunktionen. Wollen sie mehr Services nutzen, zahlen sie dafür einen Monatsbeitrag. Drittanbieter haben den Vorteil, dass sie potenzielle Kunden nicht mehr selbst überreden müssen, ihr Bankkonto zu öffnen; auch der Aspekt Sicherheit wurde da schon von Figo übernommen. Für diesen Komfortservice zahlen sie Geld.

Für Figo steht und fällt das Geschäftsmodell nun natürlich damit, dass Kunden sich durch Schlichtheit, Sicherheit, gutes Design und clevere Services und nicht zuletzt auch vertretbare Preise für das Premium-Paket anlocken lassen. Die App macht aber einen frischen und sicheren Eindruck, so dass das durchaus gelingen kann.

Link: Figo

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