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15.05.08

Fernsehzeitschriften: Wozu denn noch?

Harter Wettbewerb und sinkende Auflagen sind nicht das einzige Problem der Programmzeitschriften: Jugendliche holen sich ihre Infos kostenlos aus dem Internet – und die Sendung gleich mit.

FernsehzeitschriftenÜber 30 Programmzeitschrift liegen in Deutschland am Kiosk – soviel wie in keinem anderen europäischen Land. Jeder Zweite wird von einer Fernsehzeitschrift erreicht, 41,23 Millionen Menschen. Kein anderes Zeitschriftensegment kommt auch nur in die Nähe dieser Reichweite. Kein Wunder, sieht doch jeder rein rechnerisch 211 Minuten Fernsehen am Tag. Die Auswahl ist groß: Über Antenne können durchschnittlich 27 Sender empfangen werden, über Kabel 51 und über Satellit 86. Macht 2064 Stunden Programm an einem Tag. Da braucht es Orientierung. Dankbar greifen die Zuschauer zur unverzichbaren Programmzeitschrift. Wer mit einer Werbekampagne möglichst schnell möglichst viele Deutsche erreichen will, inseriert automatisch in Fernsehzeitschriften. Es könnte alles so schön sein.

 

Aber die Auflagen vieler Programmzeitschriften kennen seit Jahren nur einen Trend: Abwärts. Für 20 Titel sind die IVW-Zahlen aus dem ersten Quartal 2007 und dem ersten Quartal 2008 verfügbar. Das Ergebnis tut richtig weg: Bis auf vier Titel verlieren alle, einzelne Hefte über zehn Prozent. Darunter sind Bauers ?TV klar?, Springers ?TV neu?, Gongs ?TV 4x7?. Und der Wettbewerb wird härter: Immer neue Formate lancieren die Verlage, Pocketformat, billige Hefte ohne störende Zusatzinformationen, das Programm für eine Woche, für zwei oder gleich für den ganzen Monat?

Vier große Verlage beherrschen den Markt: Bauer (44 Prozent der verkauften Auflage), Springer (26%), Burda (12%) und die WAZ-Gruppe (12%). Knapp über einen Euro kostet im Durchschnitt eine Ausgabe, das Programm für die nächsten 14 Tage gibt es bereits für 45 Cent am Kiosk.

Oder kostenlos im Internet, mit der Tageszeitung, der Post-Werbesendung ?einkauf aktuell? oder über den elektronischen Programmführer im digitalen Antennenfernsehen. Wozu also noch eine extra Zeitschrift kaufen?

Diese Frage stellen sich anscheinend auch immer mehr Leser. Vor allem Jugendliche informieren sich immer öfter im Internet. Zu Zeitschriften greifen sie nur noch selten. Von dieser Entwicklung sind auch die Programmzeitschriften betroffen Denn auch Fernsehen steht in der Gunst der Jugendlichen nicht mehr an erster Stelle. Sie nutzen das Internet mit rund 100 Minuten pro Tag genau so lange wie das Fernsehen. Dabei verkommt der Flimmerkasten immer mehr zum Hintergrundmedium, wie sich aus der aktuellen ARD-ZDF-Online-Studie ablesen lässt.

Die Nutzung von Videoangeboten im Internet nimmt dafür nach einer Langzeitstudie von ARD und ZDF weiter zu. Videos im Internet werden regelmäßiger und häu?ger angesehen. Vor allem zeitversetzte Angebote, also Videos auf Abruf, werden konsumiert. Ein Viertel der Internet-Nutzer rufen regelmäßig Videos ab, bei den 14 bis 19-jährigen ist es schon die Hälfte. 15 Prozent der Internet-Nutzer haben im vergangenen Jahr im herkömmliche Fernsehen ausgestrahlte Sendungen zeitversetzt online angesehen. Vor allem bei jüngeren Nutzern steigt die Nutzung stark an, um sieben Punkte auf 39 Prozent bei den 14 bis 19-Jährigen, um 13 Punkte auf 28 Prozent bei den 20 bis 29-Jährigen.

Jugendliche lesen weniger Zeitungen und Zeitschriften, informieren sich häu?ger im Internet und nutzen das Netz schon jetzt genau so häu?g wie das Fernsehen (jeweils rund 100 Minuten) – das zunehmend zum Hintergrundmedium wird, während sie häu?ger auf zeitversetzte Video-Angebote im Internet zurückgreifen.

Wo bleiben denn da die Programmzeitschriften?

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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