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16.04.14

Fernsehstreaming: Live TV will den Etablierten einheizen

Der Markt für legale Dienste, die TV-Sender über das Web auf mobile Geräte streamen, kommt endlich auch in Deutschland in Bewegung. Mit dem Münchner Startup Live TV will noch ein Neuling mitmischen. Sein Alleinstellungsmerkmal ist die Aufbereitung basierend auf Echtzeit-Quoten.

Live TVAuch wenn sich über die Zukunft des linearen Fernsehens streiten lässt - derzeit blüht das Ökosystem digitaler Dienste, die Fernsehsender legal ins Netz übertragen, in Deutschland auf. Zattoo hat nun endlich auch von ProSiebenSat.1 grünes Licht für das Streaming des Programms erhalten und bietet damit im (ab jetzt teureren) Premium-Angebot alle wichtigen Sender an. Mit Magine betritt gerade ein gut finanzierter Dienst aus Nordeuropa den hiesigen Markt und kann ebenfalls ein recht vollständiges Angebot vorweisen. Kürzlich kündigte außerdem der Dresdner Social-TV-Service Couchfunk einen Einstieg in den Live-Streaming-Sektor an. Doch dabei soll es nicht bleiben: Mit der für iOS, Android, Mac und Kindle Fire verfügbaren App Live TV will ein weiterer Anbieter in dem aufstrebenden Segment mitmischen. Hinter der Anwendung steht die im vergangenen Jahr gegründete Münchner Live TV GmbH, die sich der Entwicklung von Diensten zur Schaffung modernerer TV-Erlebnisse verschrieben hat. Die Firma entstand als Spin-Off des ebenfalls in der bayerischen Landeshauptstadt angesiedelten Softwarehauses equinux.

Sofern man Live TV und die eingangs aufgeführten Anbieter Zattoo und Magine gegenübereinstellt, muss man einen Punkt fairerweise erwähnen: Die App der Münchner zeigt nur von solchen Sendern Livestreams, die diese frei im Internet verfügbar machen, während die Konkurrenten dank vertraglicher Abmachungen auf eine Direkteinspeisung von den Quellen setzen können. Daraus resultieren nicht nur gewisse Begrenzungen bei der Bildqualität der Live TV Streams, sondern auch eine Beschränkung auf Kanäle vorrangig aus der Sphäre der öffentlich-rechtlichen Anbieter.

Live TV

Die Abstriche in Sachen Streamqualität und -vielfalt versucht Live TV mit der Aufbereitung der Inhalte wett zu machen. Die Bayern haben sich dabei für einen innovativen Ansatz entschieden: Anstatt einfach eine schnöde statische Liste des aktuellen Fernsehprogramms zu präsentieren, liefert die App Live-Quoten, nach denen die Senderliste in Echtzeit sortiert wird. Wer die App öffnet und den Menüpunkt Live Ratings wählt, sieht damit auf einen Blick, was gerade bei den Zuschauern besonders hoch im Kurs steht.

Als Datenquelle hierfür dient eine Stichprobe aus 5.000 eindeutigen Nutzern pro Tag, die digitales Fernsehen über einen TV-Stream, über Antenne oder Kabel nutzen, und bei denen dafür Live TV oder die von der Muttergesellschaft vertriebenen smarten TV-Geräte "tizi" und dazugehörigen Apps zum Einsatz kommen. Zwar zeichnet dieses Verfahren nicht gerade ein repräsentatives Bild, schon weil es zu einer logischen Bevorteilung der Sender kommt, die in der Live-TV-App per Stream integriert sind. Dennoch handelt es sich um eine sehr erfrischende Art der Sortierung von Streams, die bequemen Zuschauern ohne spezifische Ansprüche an das Programm bei der Wahl eines Senders behilflich ist. Ganz generell gibt sich die Live TV-App sehr ansehnlich und bedienerfreundlich.

Neben der auf Streams fokussierten Anwendung bietet das Unternehmen auch eine auf die zeitgemäße Darstellung des Fernsehprogramms spezialisierte App namens TV Pro. Nach den Worten von Geschäftsführer Christian Dallmayer haben die Münchner mit den zwei mobilen Angeboten nicht gerade kleine Ambitionen. TV Pro werde in der neuesten Version "den Markt für Programmies zerstören", kündigt er siegesgewiss an.

Die Live TV-App wird derzeit kostenfrei für Android angeboten. Für die iOS-App werden 0,99 Euro fällig, für die Mac-App 4,99 Euro. Werbung bleibt Nutzern dafür erspart. /mw

Link: Live TV

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