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25.10.11

Feedbackrunden mit zeitversetztem Veröffentlichen: latershare will typische Kommunikations-Probleme lösen

latershare ermöglicht parallele Feedbackrunden ohne Registrierung. Der Münchner Dienst soll in beruflichen und privaten Situationen eine Alternative zur oft problematischen dialogischen, sequentiellen Kommunikation bieten und dafür sorgen, dass alle zu Wort kommen.

 

Wer schon einmal in einem Team oder einer Projektgruppe gearbeitet hat, wird vermutlich folgendes Szenario wiedererkennen: Einzelne Mitglieder brillieren mit ihren Ideen, Vorschlägen und Lösungsansätzen, während andere sich mit Meinungen und Kommentaren zurückhalten und lieber zustimmend nicken, statt eigene Gedanken hervorzubringen oder der eingeschlagenen Richtung zu widersprechen.

Diese ist eine der den Arbeits- oder Studienalltag verkomplizierenden Situationen, die Jens Hoppe mit seinem Dienst latershare entschärfen will. Hoppes vielseitiger, in München ansässiger Onlinedienst für zeitversetzte Feedbackrunden geht am heutigen Dienstag im öffentlichen Beta-Stadium offiziell an den Start und soll dafür sorgen, dass alle Teilnehmer einer Arbeitsgruppe oder Besprechung zu einem Zeitpunkt auf dem identischen Informationsstand sind und gleichermaßen zu Wort kommen.

Die Idee zu latershare hatte Gründer Hoppe, als er erkannte, dass in bestimmten Lagen das "direkt", "sofort" und "jetzt" der Kommunikation kontraproduktiv ist. Das eingangs erwähnte Dilemma ist genauso ein Beispiel dafür wie die Erkenntnis, dass die erste Antwort auf eine Frage stets das beeinflusst, was in Folge von anderen dazu gesagt wird. Ebenfalls nachteilig ist die Echtzeit-Kommunikation, wenn niemand etwas zuerst sagen möchte - beispielsweise, wenn der Chef anwesend ist und dessen unterirdischer Vorschlag zur Lösung eines Problems ehrlich kommentiert werden soll.

latershare soll Abhilfe schaffen: Auf der auf Deutsch und Englisch angebotenen Site kann jeder kostenlos und ohne Registrierung eine Feedbackrunde anlegen. Fragen bzw. Briefings können Dateianhänge, Beschreibungen und Dokumente beinhalten und an eine begrenzte oder offene Zahl an Teilnehmern gerichtet sein.

Nachdem eine Feedbackrunde angelegt wurde, erhalten alle partizipierenden Nutzer eine Mail mit dem Link zu ihrer persönlichen Antwortseite (Initiatoren können den Link auf Wunsch auch eigenhändig verschicken). Auf dieser tragen sie je nach Fragestellung ihre Kommentare und Anmerkungen ein. Diese sind nicht sichtbar und werden anderen Teilnehmern als versiegelte Umschläge visualisiert.

Je nach Voreinstellung des Feedbackrunde-Erstellers werden die verschiedenen Antworten sichtbar, wenn alle berücksichtigten Personen ihr Statement abgegeben haben, oder wenn ein bestimmter, als Countdown dargestellter Zeitpunkt erreicht wurde.

[photos title="latershare in Bildern"]

latershare-Macher Jens Hoppe will sein Startup als bisher erste Plattform verstanden wissen, die statt der sonst üblichen dialogischen und sequentiellen auf eine parellele, voneinander unabhängige Kommunikation baut und zeitversetztes Veröffentlichen erlaubt (hierzu hat er eine sehenswerte Matrix zu unterschiedlichen Kommunikationstypen erstellt). Auf dieser Seite listet Hoppe weitere Anwendungsbereiche, in denen sich der Einsatz von latershare seiner Ansicht nach anbietet: von Agentur-Pitches und Umfragen über Input-Sammlungen im Vorfeld von Besprechungen bis hin zum "Herauskitzeln" von klaren Meinungen und Rate- sowie Geschwindigkeits-Spielen (auf Wunsch kann das Posting-Datum sichtbar gemacht werden).

Neben Hoppes innovativem, tatsächlich in einer Vielzahl von Situationen einsetzbarem Konzept kann auch die optische Aufmachung sowie die Benutzerführung überzeugen. Der Ablauf der Feedbackrunde sowie die notwendigen Schritte sind gut erklärt und Initiatoren stehen zahlreiche Optionen zur Verfügung, um den Prozess an die eigenen Wünsche anzupassen.

Ein Nachteil könnte Hoppe daraus entstehen, dass der Ansatz von latershare relativ einfach nachzuahmen ist, und dass er als alleiniger Gründer gegen ein mehrköpfiges Team zwangsläufig den Kürzeren ziehen würde, was das Entwicklungstempo angeht.

Die Entwicklung von latershare hat Hoppe, der auch im Management des Content-Management-Spezialisten CONTENS sitzt, bisher aus eigener Tasche finanziert. Eine externe Kapitalspritze will er für die Zukunft aber nicht ausschließen.

Die Monetarisierung des in der Basisversion kostenfreien Dienstes soll über in Planung befindliche kostenpflichtige Firmen-Premium-Accounts und kundenspezifische Design-Oberflächen erfolgen. Auf der Roadmap stehen auch ein Mitgliederbereich (derzeit funktioniert latershare nur ohne Registrierung) sowie mobile Clients.

Könntet ihr euch vorstellen, latershare für Feedbackrunden einzusetzen? Welche Anwendungsszenarien fallen euch noch ein?

Link: latershare

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