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16.09.14

Feature Overload: Spotify sollte seine App entbündeln

Die Ausgliederung einzelner Funktionen in separate Apps ist derzeit in Mode und kommt bei Nutzern nicht immer gut an. Im Bereich der Musik-Streaming-Apps aber wäre eine solche Strategie für alle involvierten Parteien eine Bereicherung.

SpotifyÜber den Sinn und Unsinn der momentan verbreiteten Ausgliederung einzelner Funktionen in separate Apps, die sogenannte Entbündelung, kann man sich vorzüglich streiten. Zwar profitieren User manchmal vom schnelleren Zugriff auf Kernfunktionalität. Gleichzeitig aber machen sich immer mehr App-Icons auf der begrenzten Fläche des Smartphone- und Tablets-PCs breit. Zudem stören sich viele Anwender daran, dass sie urplötzlich von einem Dienst wie Facebook zum Download des Messengers gezwungen werden, um mit Freunden chatten zu können - war dieses Feature doch zuvor Teil der Original-Facebook-App.

Doch obwohl sich der Nutzen der Entbündelungs-Welle aus User-Sicht unterm Strich in Grenzen hält, gibt es ein App-Segment, in dem sich eine Multi-App-Strategie auch für Anwender richtig lohnen würde. Musik. Ich wünsche mir von Spotify den Launch verschiedener Applikationen, die einzelne Features sowie musikalische Themenbereiche in einfach zugänglicher Form verfügbar machen. Der Grund für meinen Wunsch einfach: Spotify und andere bekannte On-Demand-Musikservices wie Rdio oder Deezer bieten Zugriff auf über 20 Millionen Titel. Doch wie Statistiken zeigen, werden viele davon nur selten abgerufen. Die Verteilung der angehörten Musikstücke folgt dem klassischen Muster des Long Tails. 20 Prozent der Titel im Spotify-Fundus wurden gar noch nie konsumiert (Stand 2013). Daran zeigt sich, dass die Musik-Startups große Versäumnisse haben, was das Empfehlen und Kuratieren von weniger bekannten Songs und Alben angeht. Und das ist auch kein Wunder, bedenkt man, wie Spotifys App mit Funktionen überladen ist. Allein um zu den selbst kompilierten Playlisten zu gelangen, ist das “Klicken” durch verschiedene Menüpunkte notwendig. Viele Optionen sind schwer zu finden.

Ich halte es daher für im Interesse aller involvierten Parteien - Künstler, Hörer und Spotify selbst - wenn die primäre App des Dienstes eine Reihe von Schwester-Anwendungen zur Seite gestellt bekäme, die sich auf einzelne Elemente des Musik-Streamings fokussieren. Hier einige Vorschläge:

  • Spotify Radio: Eine minimalistische Radio-App, die lediglich einen Play-Button besitzt und auf Basis der Playlisten und Aktivitäten einen personalisierten Stream an Titeln abspielt. Es würde sich hierbei um eine Ausgliederung der Radio-Komponente handeln, die dann zum Einsatz käme, wenn es darum geht, ohne die Notwendigkeit zur aktiven Auswahl und ohne großes Herumswippen schnell musikalische Beschallung zu schaffen.
  • Spotify Playlists: Eine App, die sofortigen Zugriff auf sämtliche selbsterstellten Playlisten erlaubt.
  • Genrespezifische Apps, die kuratierten Zugriff auf neue und alte Produktionen bestimmter Genres bieten, beispielsweise Spotify Rock, Spotify Electronic, Spotify Pop etc.
  • Themenspezifische Apps, die kuratierten Zugriff auf Produktionen geben, die zu bestimmten Ereignissen (Weihnachten, Sommerurlaub) oder zu spezifischen Alltagssituationen (Jogging, Entspannen, Party) passen.

Spotify bietet zwar eine Schnittstelle, auf deren Basis Drittanbieter entsprechende Applikationen erstellen könnte. Die App Forgotify nutzt diese beispielsweise, um Zugang zu den noch nie abgerufenen Titeln zu geben. Ich glaube aber, dass Spotify hier selbst Hand anlegen und die Resultate auch entsprechend in den kommunikativen Mittelpunkt stellen sollte. Interessant wäre dies auch aus unternehmerischer Sicht, weil auf diese Weise ein neuer Kanal zur Konvertierung von Gratis- in Bezahlmitglieder entstünde. Free-Mitgliedern könnte für eine monatliche Pauschale, die preislich unter dem vollwertigen Premium-Zugang liegt, unbegrenzter Streaming-Zugriff für die Stücke eingeräumt werden, die über die jeweilige App abrufbar sind. Haben sie erst einmal die Bezahlhürde passiert, dürfte es anschließend leichter sein, sie zu einem Upgrade auf Spotify Premium zu bewegen.

Die nach wie vor ungebrochene Popularität von linearen Fernsehprogrammen zeigt, dass Konsumenten trotz aller internetbasierter On-Demand-Angebote die passive, von ihnen wenig eigene Entscheidungen erfordernde Mediennutzung zumindest ab und an sehr schätzen. Dieser Faktor erklärt auch die enorme Beliebtheit der personalisierten Musik-Radio-App Pandora in den USA. Spotify und anderen On-Demand-Services fehlen effektive Mechanismen, um Usern die mitunter als mühsam empfundenen Entscheidungen abzunehmen. Die oben beschriebenen Apps würden, einmal installiert, dieses Dilemma beseitigen. /mw

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