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15.09.11

Facebooks neuer "Abonnieren"-Button: Ein kleiner Knopf mit großer Wirkung

Facebook erlaubt es Nutzern schon länger, öffentliche Status Updates von Nicht-Kontakten zu abonnieren. Eine neue Schaltfläche rückt diese Funktion jetzt ins Zentrum und unterstreicht Facebooks Bestreben, der Konkurrenz das Wasser abzugraben.

 

Im Gegensatz zu den verbesserten Kontrollmöglichkeiten rund um das Teilen von Inhalten sowie den dieser Tage nach und nach alle Nutzer erreichenden "smarten Freundeslisten" beinhaltet eine weitere, am Mittwochabend von Facebook verkündete und scharf geschaltete Neuerung eigentlich nur das Hinzufügen eines zusätzlichen, scheinbar harmlosen Buttons zu Nutzerprofilen.

Und tatsächlich macht der neue zentrale "Abonnieren"-Knopf zwischen dem Button für Freundesanfragen und dem zum Versenden einer Nachricht eigentlich nichts, was nicht zuvor auch schon möglich war: nämlich alle öffentlichen Status-Updates eines Mitglieds zu abonnieren, das nicht zu den bestätigen Facebook-Freunden gehört. Doch bisher erreichte man dies allein durch eine nicht erwiderte Freundschaftsanfrage, was die Bekanntheit des Features im Promillebereich angesiedelt haben dürfte.

Eine bereits bestehende Funktion rückt ins Rampenlicht

Der Abonnieren-Knopf (auf Englisch "Subscribe") ist damit die Formalisierung einer bestehenden Funktionalität, die nun von dem sozialen Netzwerk ins Rampenlicht befördert wird.

Mit dem Anzeigen des fakultativen Abo-Buttons ( der hier per Opt-In für das eigene Profil aktiviert werden kann ) können Facebook-Anwender nun auch von ihnen nicht als Freunde akzeptierten Personen die Gelegenheit geben, ihre Inhalte im Newsfeed zu sehen - vorausgesetzt, sie markieren zumindest gelegentlich Status-Updates als öffentlich einsehbar. Wer bei Facebook lediglich Freunden Zugriff auf die eigenen Inhalte einräumt, kann sich folglich auch die Aktivierung des Abo-Buttons auf dem eigenen Profil sparen.

Der Abo-Button fungiert auch als Filter-Werkzeug

Eine echte funktionelle Erweiterung bringt die Schaltfläche aber doch noch mit: Sie dient gleichzeitig als nutzerspezifischer Filter, wie viele Updates einer Person man im eigenen Newsfeed sehen möchte. Zur Wahl stehen "Alle Aktualisierungen", "Die meisten Aktualisierungen" sowie "Nur wichtige Aktualisierungen". Auch können einzelne Inhaltstypen abbestellt werden.

Dies soll sowohl für abonnierte User als auch für alle bestätigten Freunde funktionieren. Auf den Profilen sämtlicher Kontakte taucht der Knopf also für einen automatisch auf, egal ob diese das neue Feature eingeschaltet haben. Eine derartige Feinabstimmung der Frequenz dargestellter Aktualisierungen für einzelne User bot Facebook bisher nicht als Option an.

Facebook, Twitter und Google+ werden sich ähnlicher

Der Abonnieren-Button - mit dem Facebook schon länger zu experimentieren scheint - ist Facebooks Äquivalent zu Twitters Follow-Funktion sowie zum Abonnieren von Nutzer-Updates bei Google+. So lange man bei dem Google-Netzwerk nicht vom Gegenüber ebenfalls in einen der "Kreise" einsortiert wird, erhält man ebenfalls lediglich die als öffentlich markierten Status-Updates. Ähnlich wie die zwei Anbieter möchte Facebook Nutzern ebenfalls Vorschläge servieren, welche anderen Anwender sie abonnieren könnten. Informationen über gewählte Abos erscheinen außerdem im Newsfeed der Kontakte.

Jüngst beschrieb ich noch, wie Facebook Anwender durch erweiterte Kontrollmöglichkeiten zum Teilen von Inhalten mit spezifischen Gruppen nicht mehr länger dazu animiert, am besten einfach alles öffentlich zu publizieren. Der jüngste Schritt jedoch ist ein klarer Aufruf an die über 750 Millionen aktiven Nutzer, Inhalte wenigstens gelegentlich für jeden zugänglich zu machen - zumindest wenn man Funktionen wie das Abo-Werkzeug verwenden möchte.

Interessant vor allem für "Power User" - die auch bei Twitter und Google+ sind

Gleichzeitig scheint man in der neuen Firmenzentrale des Social Networks im kalifornischen Menlo Park aber nicht davon auszugehen, dass Facebook-Mitglieder nun in Scharen das Abo-Feature aktivieren. Selbiges sehe man vorerst als Ergänzung primär für "Power User".

In der Tat dürfte der Abonnieren-Button zu Beginn vor allem für diejenigen von Interesse sein, die ohnehin schon bei Twitter und anderen Plattformen ihren Social-Media-Anhang um sich versammeln und mehr zu berichten haben als für Fremde kaum interessante Erzählungen aus dem Privatleben. Insofern ist Facebooks Vorgehen durchaus als (weitere) Kampfansage gegen den Langzeit-Kontrahenten Twitter (der so noch deutlicher zu einer Konkurrenz wird) sowie den jungen Wettbewerber aus dem Hause Google zu sehen.

Facebook könnte mit der Abonnement-Funktion den zwei Kontrahenten tatsächlich in die Quere kommen und durch ihr Vorhandensein vor allem sicherstellen, dass weniger Facebook-Nutzer auf die Idee kommen, sich unnötig lange und intensiv mit den zwei anderen Services zu beschäftigen. Damit dies jedoch nicht nur eine theoretische Aussage bleibt, ist eine aktive Nutzung und Verbreitung der Abo-Funktion Voraussetzung.

Ich versuche seit jeher, Facebook als privates Kommunikationsmittel mit Freunden und "physischen" Bekannten zu verwenden, während Twitter und Google+ eher im professionellen Kontext zum Einsatz kommen. Bei dieser Aufteilung bleibe ich vorerst auch, weshalb sich Twitter zumindest in meinem Fall nicht um eine sukzessive Abwanderung meiner öffentlichen Status-Updates zur blau-weißen Konkurrenz sorgen muss.

Dennoch: Facebook unterstreicht deutlicher denn je, dass es die vollständige Aufmerksamkeit der Nutzer beansprucht und neben sich keinen Platz für alternative, soziale Netzwerke zur öffentlichen Informationsverbreitung sieht. Eine Strategie, die uns die Gewissheit verschafft, dass die nächsten Monate nicht langweilig werden.

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