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22.04.11

Facebooks Like-Button: Der ultimative Lock-In-Effekt

Facebooks Like-Button wird heute ein Jahr alt. Auf 2,5 Millionen Websites tauchen er und die anderen Plugins des sozialen Netzwerks mittlerweile auf. Mit ihnen hat Facebook den ultimativen Lock-In-Effekt geschaffen.

 

Exakt ein Jahr ist es her, dass wir über die Veröffentlichung von Facebooks Like-Button berichteten. Die kleine Schaltfläche, die mittlerweile von vielen Websites kaum noch wegzudenken ist, feiert heute ihren ersten Geburtstag. Nur, möchte ich hinzufügen - denn rein vom Gefühl her und in Anbetracht der extremen Verbreitung des Buttons im Netz hätte ich ihn spontan (ohne nachzudenken) für deutlich älter geschätzt.

Der Like-Button und die anderen, parallel veröffentlichten Social Plugins von Facebook (zuvor gab es lediglich "Connect"), die eine Verknüpfung von externen Websites mit Facebook und dem Social Graph der Nutzer erlauben, sind eine der größten Erfolgsgeschichten des Social Networks, das sich gerade mit großen Schritten der Marke von 700 Millionen aktiven Usern nähert.

Laut der offiziellen Facebook-Statistik haben mittlerweile 2,5 Millionen Websites den Like-Button oder andere Social Plugins integriert, darunter mehr als die Hälfte der laut ComScore weltweit 100 meistbesuchten Onlinepräsenzen. Inside Facebook zufolge sind in den USA die zehn führenden Sportsites, neun von zehn führenden Nachrichtenportalen, neun von zehn tonangebenden Entertainment-Plattformen und 18 der 25 führenden Onlinehändler auf diese Weise an das soziale Netzwerk angeschlossen.

Dieser Trend sorgt für enorme Abhängigkeiten. Genau deshalb sind die Social Plugins eine so unglaublich wichtige Funktionalität für Facebook. Sie schaffen den ultimativen Lock-In-Effekt, der das US-Netzwerk fast unangreifbar durch direkte Konkurrenten macht.

Selbst wenn es eines Tages hypothetisch zu einer Abwanderungswelle bei Facebook käme, in deren Rahmen negative Netzwerkeffekte einsetzen und sich Millionen von Nutzern immer seltener bei dem Dienst blicken lassen würden, befänden sich noch immer auf mehr als 2,5 Millionen Websites die Login- und Like-Möglichkeit via Facebook.

Dies stellt einerseits sicher, dass Anwender jeden Tag an das Netzwerk erinnert und permanent mit der Frage konfrontiert werden, ob sie sich nicht doch mal wieder dort blicken lassen sollen, und garantiert auch, dass Personen selbst im Falle einer abnehmenden Popularität von Facebook noch einen Nutzwerk in ihrer Mitgliedschaft bei dem Dienst sähen: nämlich dessen Tauglichkeit als Identitätsanbieter (wie es mittlerweile auch LinkedIn anstrebt).

Ein weitflächiger Popularitätsverlust von Facebook bei seinen Anwendern hätte natürlich auch Auswirkungen auf die Bedeutung und Relevanz der Social Plugins. Denn diese basieren darauf, dass Nutzer eine ihren aktuellen Präferenzen und sozialen Kontakten entsprechende Personalisierung beliebiger Websites erhalten. Sind die über Facebook bezogenen Informationen nicht mehr aktuell, verringert dies die Qualität der Personalisierung.

Damit aber Website-Betreiber in großer Zahl ihre Facebook-Integrationen entfernen, müsste es zu einer radikalen Massenabwanderung kommen. Dass diese in nächster Zeit eintritt, ist unwahrscheinlich. Die meisten Publisher werden somit ihre Like- und Login-Buttons beibehalten, da sie dadurch ordentlich Traffic einheimsen. Und wenn Millionen von Websites ihre Verbindung zu Facebook aufrecht erhalten, gibt es weniger Gelegenheiten für Nutzer der Plattform, ihr dauerhaft den Rücken zu kehren.

Facebook hat mit seinen Social Plugins ein für das Unternehmen geniales Konstrukt und den ultimativen Lock-In-Effekt geschaffen. Dies erklärt einmal mehr, warum der einzige Weg, um als Startup dem kalifornischen Giganten eines Tages gefährlich werden zu können, subtil und durch die Hintertür erfolgen muss.

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