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18.03.11

Facebook vs Groupon: Buhlen um die Schnäppchenjäger

Facebook will in dem vom US-Unternehmen Groupon dominierten Markt der zeitlich und örtlich begrenzten Rabatte wildern. Damit werden die zwei zur Zeit am schnellsten wachsenden Webfirmen zu direkten Wettbewerbern.

 

In der Netzwirtschaft scheint sich gerade eine neue Frontlinie zwischen zwei der global momentan angesagtesten Internetfirmen anzudeuten: Groupon, der eindeutige Marktführer unter den Anbietern für zeitlich und lokal begrenzte (Gruppen-) Rabatte, und Facebook, das größte soziale Netzwerk der Welt (außerhalb Chinas, sollte man vorsichtshalber hinzufügen).

Bisher kamen sich die zwei Wachstumsunternehmen kaum in die Quere. Doch im November vergangenen Jahres lancierte Facebook für US-amerikanische Nutzer ein so genanntes Deals-Feature, das es Händlern und Gastronomen erlaubt, Personen für ihre Check-Ins über Facebooks Location-Dienst Places ("Orte") mit Sonderangeboten und Rabatten zu belohnen. Seit Ende Januar gibt es Facebook Deals auch in Deutschland und einigen anderen Ländern - allerdings derzeit nur für eine begrenzte Zahl von Partnerunternehmen.

Mit diesem Schritt begann das soziale Netzwerk aus dem kalifornischen Palo Alto (das demnächst ins benachbarte Menlo Park umzieht), erstmalig im Terrain von Groupon zu wildern - wenn auch gebundenen an Check-Ins und somit unter anderen Voraussetzungen.

In dieser Woche nun enthüllte Facebook ein zweites Produkt mit dem Namen "Deals" und sorgte damit für eine gewisse Verwirrung. Denn der neue Dienst, an dem man auf dieser Seite sein Interesse bekunden kann, hat (vorerst) nichts mit der an Facebook Places gebundenen Deals-Funktion zu tun. Stattdessen plant das über 600 Millionen aktive Nutzer zählende Social Network nun tatsächlich ein waschechtes Groupon-Pendant:

User können das demnächst in ausgewählten US-Städten startende Feature für ihren jeweiligen Wohnort abonnieren und sich per Newsfeed über spezifische Rabattaktionen und Sonderangebote informieren lassen. Dies geschieht losgelöst von einem Check-In und damit unabhängig davon, ob man sich in der Nähe des jeweiligen Händlers befindet oder gerade den Mount Everest besteigt - solange man sich für den Erhalt von Deals aus der gewählten Metropole entschieden hat, erscheinen diese im persönlichen Facebook-Stream.

Anfänglich will Facebook von lokalen Einzelhändlern und Gastronomen für die Teilnahme am neuen Deals-Programm kein Geld verlangen - Groupon erhält von über die Plattform um Schnäppchenjäger buhlenden Unternehmen in der Regel 25 bis 50 Prozent des generierten Umsatzes. Auf welchem Niveau sich die von Facebook nach der Einführungsphase verlangte Umsatzprovision einpegeln wird, ist noch unklar.

Abgesehen von Facebooks enormer Nutzerbasis besitzt das kalifornische Unternehmen zwei entscheidende Vorzüge, die Groupon verwehrt bleiben: Es kann die Sichtbarkeit von Deals im Newsfeed der Nutzer durch Justierungen des Algorithmus selbst bestimmen und so die Konversionsrate stetig optimieren. Außerdem besitzt es die Option, Nutzer über die hauseigene Währung Facebook Credits für Deals bezahlen zu lassen. Credits werden im Prepaid-Verfahren aufgeladen und können unter anderem zum Erwerb von virtuellen Gütern in Social Games wie FarmVille oder CityVille verwendet werden. Weitere Einsatzgebiete (wie z.B. das Bezahlen für Medieninhalte) sind zu erwarten.

Groupon erreicht seine etwa 70 Millionen Nutzer vorrangig über E-Mail-Newsletter. Zumindest auf dem Papier klingt die Bekanntmachung von Deals per Facebook-Newsfeed nach einer zeitgemäßeren und effektiveren Methode.

Unbeantwortet bleibt vorerst die Frage, wieso die neue Funktion den selben Namen trägt wie das vor einigen Monaten vorgestellte Verfahren von Belohnungen und Sonderangeboten für Check-Ins.

Die Auswirkungen eines Vorstoßes von Facebook in den Groupon-Markt (in dem es mit LivingSocial und diversen nationalen/lokalen Nachahmern von kleineren Konkurrenten nur so wimmelt) lassen sich heute nur schwer beurteilen und hängen maßgeblich davon ab, wie ernst es Mark Zuckerberg mit dem Vorhaben ist.

Groupon selbst wächst unterdessen unaufhaltsam weiter. Investor Ben Horowitz rechnet für 2011 mit "mehreren Milliarden Dollar" Umsatz, weshalb das vor gut zwei Jahren in Chicago gegründete Unternehmen für seinen noch für dieses Jahr geplanten Börsengang eine Bewertung von sagenhaften 25 Milliarden Dollar anstrebt - schneller als Groupon ist noch kein Internetstartup gewachsen. 5.000 Personen sind mittlerweile für den Coupondienst rund um den Globus tätig.

Facebook und Groupon sind die zwei Firmen aus der Onlinebranche, die mit ihren im Wochentakt steigenden Bewertungen am ehesten die Kriterien für eine sich andeutende Überhitzung des Marktes erfüllen. Ein direkter Wettbewerb der zwei Unternehmen wird daran wenig ändern.

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