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11.07.12

Facebook: Immer Ärger mit der Nachrichtenfunktion

Facebook lässt keinen Zweifel an seinem Bestreben, die E-Mail ablösen zu wollen. Doch so, wie sich das derzeitige Nachrichtensystem präsentiert, wird dies nichts.

Mein primäres Einsatzszenario von Facebook ist die private Kommunikation über Nachrichten - sowohl mit einzelnen Gesprächspartnern als auch mit Gruppen. Speziell letzteres Feature ist praktisch, um mit in verschiedenen Städten und Ländern verstreuten Freunden und Bekannten in Verbindung zu bleiben. Im Gegensatz zu den zahlreichen anderen Chat- und Messagingservices - von WhatsApp über Skype bis hin zu Moped - ist im Prinzip jeder meiner Kontakte bei Facebook und somit auch über das soziale Netzwerk erreichbar. Und das plattformübergreifend - vom Notebook ebenso wie vom Smartphone oder Tablet. Zumindest sollte es so funktionieren. Leider lässt die Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit des Nachrichtenfeatures seit einiger Zeit extrem zu wünschen übrig.

Hätte Facebook nicht im vergangenen Jahr eine eigene, vom restlichen Social-Network-Ballast befreit Messenger-App veröffentlicht, wäre ich vermutlich bereits mehrfach aus purer Frustration über die beschwerliche User Experience der Nachrichten-Funktion explodiert. Vielleicht kennt ihr das ja: Ihr steuert Facebook im Browser an, seht in der oberen Navigationsleiste, dass neue Mitteilungen eingetroffen sind, ihr klickt auf das Sprechblasen-Icon - und dann wartet ihr. Mal einige Sekunden, mal auch deutlich länger, bis ihr endlich die Liste der Konversationen vor euch habt.

Facebook ist ohnehin nicht bekannt für Geschwindigkeitsrekorde. Etwas, das sich für Europäer hoffentlich mit der Eröffnung des ersten Rechenzentrums auf dem alten Kontinent ändert. Doch gerade der Nachrichtenbereich scheint besonders behäbig zu arbeiten. Das ist problematisch, denn nicht selten haben die Gespräche dort den Charakter von Instant ("Sofort") Messages (auch bei deaktivierter "Facebook Chat"-Erweiterung). Doch hat man Zeit, einen Spaziergang ums Haus zu machen, bevor die letzten Nachrichten des Gegenüber erscheinen, dann bleibt vom Sofort-Gefühl wenig übrig.

Noch schlimmer ist Facebooks ganz generell mangelhafte iOS-Applikation. Während eigentlich konstant eine rote Benachrichtigung auf neue Mitteilungen von Facebook-Freunden hinweist, vergeht häufig eine Ewigkeit, bis die beim Klick über dem Feed gelagerte Messaging-Übersicht die jüngsten Nachrichten lädt. Manchmal geschieht dies auch einfach gar nicht. In anderen Fällen erhält man zwar Zugriff auf die aktuellsten Mails, doch bleibt die Benachrichtigung über ungelesene Messages hartnäckig an ihrem Platz oder bezieht sich auf ältere Nachrichten, die man über den Desktop längst gelesen hat. Was ebenfalls eintritt: Der Hinweis über nicht geöffnete Nachrichten verschwindet während des Manövrierens in der Facebook-iOS-App und kommt dann kurze Zeit später wieder. Obwohl sich im Ordner der Nachrichten gar nichts getan hat.

Die mäßige Performance des Messaging-Werkzeugs ist nicht nur angesichts der zentralen Bedeutung für die 900 Millionen aktiven Facebook-Mitglieder peinlich, sondern auch, weil das soziale Netzwerk in letzter Zeit alles dafür tut, um Facebook-Nachrichten als E-Mail-Ersatz zu etablieren. Der dafür zuletzt gewählte Vorstoß war nicht nur kontrovers, sondern erscheint zudem verfrüht: Denn solange Facebooks Nachrichtensystem bei Usern keinen uneingeschränkten Wow-Effekt hervorruft, schneidet sich das soziale Netzwerk ins eigene Fleisch, drängt es Nutzer noch mehr in dieses unausgegorene Tool.

Auch die für iOS und Android angebotene Messenger-App ist nicht perfekt, aber läuft zumindest weitestgehend rund und ermöglicht eine echte Direktkommunikation im Instant-Messenger-Format. Mittlerweile könnte die Lancierung einer eigenständigen Messenger-Anwendung fast als Eingeständnis von Facebook gedeutet werden, das Nachrichtensystem als Teil des Social Networks bis zum nächsten Relaunch aufgegeben zu haben. Dieser kommt hoffentlich früher als später. Immerhin: Noch in diesem Monat will Facebook eine deutlich schnellere iPhone-Applikation veröffentlichen. Es ist unklar, ob sich die Beschleunigung auch auf die Nachrichtenfunktion auswirken wird. Sofern das kalifornische Unternehmen aber ernsthaft bestrebt ist, E-Mail abzulösen - und das nicht nur bei Teenagern - dann muss das Mitteilungsfeature nicht nur schneller werden, sondern allgemein leistungsfähiger und zuverlässiger. Was das führende soziale Netzwerk bisher in dem Bereich abliefert, wird den großen Ambitionen in keiner Weise gerecht.

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