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08.10.08

Facebook bei amiando: Buffet mit Zuckerberg

Der Eventservice amiando ist der erste europäische Partner für Facebooks "Connect"-Programm. Bei einem Besuch in München stellten Facebook-Gründer Mark Zuckerberg und amiando-CEO Felix Haas das erste Ergebnis der Zusammenarbeit vor.

Zu einer Abendveranstaltung in kleinem Rahmen hatte man Startup-Szene und Journalisten geladen, in die erst kürzlich bezogenen neuen Büros von amiando im Münchner Schlachthofviertel. Auf dem Programm: Welcome Drinks, 30 Minuten Zuckerberg - die er allerdings zu zehn Minuten verkürzte -, amiando-Showcase, Questions & Answers, Buffet.

Auf T3N hat Jan Tißler anlässlich von Zuckerbergs Berlin-Besuch treffend dargestellt, welchen unscharfen Eindruck der Facebook-Gründer bei öffentlichen Auftritten hinterlässt: Hier der 24-Jährige in Jeans und North-Face-Jacke, der unsicher sein Publikum anschaut, als es über seine Bezeichnung "the Studi-Guys" für StudiVZ lacht, dort der von PR-Mitarbeitern gedrillte Unternehmer, Milliardär auf dem Papier, der auf jede denkbare Frage eine verbindlich-unverbindliche Antwort im "Corporate Speech" parat hat. In seinem Vortrag beschränkte sich Zuckerberg dann auch auf ein paar warme Worte über die eigene Plattform:

Die bereits in Berlin verkündeten Nutzerzahlen in Deutschland nannte er noch in Millionen (1,26), die Reichweite in anderen Ländern dann nur noch in "Prozent der Onlinebevölkerung" (50 Prozent in Chile markieren das derzeit obere Ende) - ein Detail, bei dem sich das angriffslustige Unternehmen hinter den jugendlichen Gesichtern der Mitarbeiter zeigt.

Felix Haas, CEO von amiando, führte anschließend eine Live-Demo von "Viral Tickets" vor, dem ersten europäischen Angebot, das auf Facebook Connect aufbaut. Dass amiando dieser erste europäische Partner sein würde, wusste man bereits seit Juli. Auch die Viral Tickets selbst sind schon seit dem Sommer bekannt. Das Prinzip: Nachdem man bei amiando Eintrittskarten für eine Veranstaltung gekauft hat, erhält man einen Rabattcode für den Kauf weiterer Tickets, den man Freunden zur Verfügung stellen kann. Der "Geworbene" spart Geld durchs vergünstigte Ticket, der "Werber" verdient durch Provision. Das soll Besucher zu Unterhändlern machen und den viralen Effekt von der reinen Werbung durch Mundpropaganda auf den Verkauf ausdehnen.

Die Anbindung an Facebook läuft so: Nachdem man auf der amiando-Plattform ein Ticket gekauft und den entsprechenden Rabattcode erhalten hat, kann man ihn mit einem Klick im eigenen Facebook-Profil veröffentlichen. Dazu muss man sich - noch immer in der amiando-Umgebung - noch bei Facebook einloggen. Single-Sign-On gibt es also noch nicht, sei aber für die Zukunft durchaus angestrebt, so amiando-CTO Armin Bauer.

Facebook-Einbindung bei amiando (anklicken für vollständige Ansicht)

Der wegweisendere Teil der Kooperation war erst danach kurz zu sehen: Nach der Anmeldung bei Facebook zieht amiando bestimmte Informationen aus dem Facebook-Profil - am augenfälligsten: das Userbild - und füllt damit das Profil bei amiando auf. Das ermöglicht etwa, ganz oben auf der Teilnehmerliste eines Events die Facebook-Kontakte anzuzeigen.

Über das Connect-Programm fließen also Teile des "Social Graph" aus dem Facebook-Profil in Drittanwendungen. Das soll ebenso offen gestaltet werden wie die "Facebook Open Platform", es wird also mittelfristig keine speziellen Partnerschaften wie die mit amiando mehr geben. Das ist auch der Grund, weshalb nicht der ganze Vorgang des Ticketkaufs direkt bei Facebook stattfindet. Damit würde man sich an einen Partner binden und andere ausschließen. Die Strategie ist klar: Wenn ich mein gut gepflegtes Facebook-Profil bei vielen externen Diensten verwenden kann, statt immer alle Daten neu einzugeben, steigt dessen Wert.

Der anschließende Questions-and-Anwers-Teil blieb unspektakulär. Zu sehr ist Zuckerberg Profi, unvorsichtige Antworten wird man ihm höchstens noch im persönlichen Interview entlocken können.

  • "Hopefully" werde man auch mal ein Büro in Deutschland eröffen, wenn das Wachstum weiter so erfreulich sei;
  • "Privatsphäre und Datenschutz spielen natürlich eine große Rolle bei uns" auf die Frage, ob man denn kontrollieren könne, welche Teile des Facebook-Profils mittels Connect angezapft würden;
  • und "Wir wollten sie nicht verklagen", sondern "suchen nach einer freundschaftlichen Lösung" zum juristischen Streit mit Holtzbrincks StudiVZ.

Die Wachstumsstrategie liege, natürlich, in der Weiterentwicklung der attraktiven Plattform, nicht im Verklagen von Wettbewerbern. Nach drei, vier Fragen zur deutschen "Clone Site" StudiVZ lenkte Felix Haas schließlich die Fragerunde wieder auf das Connect-Programm. Mark Zuckerberg selbst schien das Thema überhaupt nicht gestört zu haben.

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