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21.04.10

f8: Facebook übernimmt das Netz

Facebook hat auf seiner Entwicklerkonferenz f8 wie erwartet eine Reihe neuer Funktionen vorgestellt. Die Strategie des Social Networks ist klar: Es will auf jede Website.

Aktualisiert

Die Erwartungen an Facebook waren nicht zu hoch - zumindest was die Tragweite der anstehenden Neuerungen betrifft. Auf seiner Keynote zur Eröffnung der Entwicklerkonferenz f8 hat CEO Mark Zuckerberg einen Einblick in das gegeben, was Facebook in nächster Zeit Entwicklern, Usern und Websites anbieten möchte.

Im Kern handelt es sich um drei neue Produkte, die das Social Network in wenigen Stunden starten wird. Hier eine erste Übersicht:

1. Social Plugins

Social Plugins ist der neue Sammelbegriff für verschiedene Widgets und Funktionen, die Websitebetreiber mit minimalem Programmieraufwand in ihre Site einbauen können.

Dazu gehört unter anderem ein Like-Button, über den Benutzer einzelne Seiten oder Artikel favorisieren können, was dann entsprechend von Facebook zur Kenntnis genommen und in den Newsfeed der Nutzer übernommen wird. Wie das in freier Wildbahn aussieht, kann man hier sehen.

Auch ein Recommendations Plugin wird es geben, mit dem Websites ihren Besuchern Inhalte empfehlen lassen können, basierend auf den Informationen, die Facebook über den jeweiligen Nutzer erfahren hat.

Ein weiteres Werkzeug ermöglicht das Anzeigen der Profilbilder von Freunden, die sich bereits mit der Site verbunden haben, unter dem Facebook Connect-Button.

Mit Social Bar bietet Facebook zukünftig auch die Möglichkeit der Integration einer Art Taskleiste mit verschiedenen Plugins am unteren Rand einer Website.

Ein fünftes Plugin ist der Activity Stream mit einem Strom von Status Updates rund um die jeweilige den Stream integrierende Site.

Weitere Plugins werden hier beschrieben. Eine der ersten großen Websites aus dem deutschsprachigen Raum, die Social Plugins aktiviert hat, ist der Eventmanagement-Service amiando.

2. Open Graph Protocol

Das Open Graph Protocol erlaubt eine engere Verständigung zwischen einer Website und Facebook, um auf Aktionen außerhalb des Social Networks gewisse Konsequenzen innerhalb von Facebook folgen zu lassen.

Wenn beispielsweise ein User bei IMDb über den Like-Button deutlicht macht, einen bestimmten Film zu mögen, dann versteht Facebook, dass es sich bei dieser Aktion um das Favorisieren eines Films handelt, und kann diesen direkt im Profil des Users in die Sektion "bevorzugte Filme" legen.

Zum Start werden 30 Partner das Open Graph Protocol nutzen. Nachdem ein User auf dem eben beschriebenen Weg bei IMDb sein Interesse für den Film signalisiert hat, räumt Facebook IMDb außerdem das Recht ein, fortan Updates rund um diesen Film im Newsfeed des Nutzers unterzubringen.

Weitere Details zum Open Graph Protocol bei Inside Facebook.

3. Graph API

Die Graph API ist eine neue Schnittstelle, die Entwicklern leichteren Zugang zu Objekten innerhalb von Facebook gibt. Auf verschiedene Arten von Streams und Daten kann in Echtzeit zugegriffen werden, was es einem Unternehmen beispielweise ermöglicht, auf der eigenen Site anzuzeigen, wie viele Anwender bei Facebook sich öffentlich zu einer bestimmten Marke geäußert haben.

Weiterhin hat Facebook angekündigt, fortan den neuen, sicheren Authentifizierungsstandard Oauth 2.0 zu unterstützen.

Fazit

Die Entwicklerkonferenz wird noch bis in die Nacht unserer Zeit andauern, es können also noch weitere Neuerungen hinzukommen. Schon jetzt und trotz der Unklarheit über Details zu den einzelnen Produktlaunches wird deutlich, worum es Facebook geht: Es möchte in jeden Winkel des Internets und sich dort in Form von Like-Buttons, Toolbars und anderen Widgets festsetzen. Und es will sämtliche Aktivitäten seiner Anwender im Netz zur Verfeinerung des Benutzerprofils einsetzen.

Mark Zuckerberg hat mehrmals an Beispielen beschrieben, wie Social Plugins funktionieren und einen Facebook-Nutzer erkennen, ohne dass dieser jemals zuvor auf dieser Site war. Update: Leser Matthias Pfefferle weist darauf hin, dass Social Plugins bei Facebook gehostet und über einen iFrame eingebunden werden. So erhalten bei Facebook eingeloggte Besucher personalisierte Social Plugins auf den Seiten Dritter, ohne dass die Websitebetreiber Zugang zu diesen Informationen bekommen. Diese Lösung ist somit zumindest harmloser als ursprünglich angenommen. Facebook erfährt dadurch allerdings genau, auf welchen Sites sich User herumtreiben.

Momentan bin ich etwas sprachlos ob all dieser weitreichenden, einerseits beeindruckenden und andererseits etwas beunruhigenden Änderungen. Das letzte Wort zu diesem Thema ist mit Sicherheit noch nicht gesprochen.

Links rund um f8:

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