<< Themensammlung Netzwertig

Unter netzwertig veröffentlichen wir in unserem Blog Einschätzungen zu aktuellen digitalen Geschäftsmodellen und IT-Trends, Meldungen, Analysen, Reviews und Specials.

18.12.13

EyeEm und Readmill: Tapferer Kampfeswille, während bei den Nachbarn die Lichter ausgehen

Bei vielen auf die Vernetzung von Menschen ausgerichteten Berliner Startups gingen 2013 die Lichter aus. EyeEm und Readmill dagegen kämpfen tapfer. Speziell bei EyeEm trägt dies Früchte.

EyeEm und ReadmillBerlin und Social-Web-Startups - diese Kombination verträgt sie bislang nicht sonderlich gut. Zwei Firmen, die zum Höhepunkt der Gründungswelle in dem Segment das Licht der Welt erblickten, könnten diesem Trend jedoch etwas entgegensetzen oder ihn gar brechen: Die Foto-App EyeEm und der Social-Reading-Service Readmill.

Beide Jungunternehmen fielen zwar bisher im globalen Markt - dem im Social-Bereich auf Dauer entscheidenden Maßstab - nicht als Nutzermagneten auf, die es dauerhaft mit den großen US-Anbietern aufnehmen können. Doch passend zum Sprichwort "Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen" schaffen es beide Hauptstadtfirmen, sich in einem Umfeld zu behaupten, in dem einst gefeierten Mitstreitern wie Amen, Moped oder Gidsy die Puste ausgeht, und gemächlich, aber bestimmt eine aktive, internationale Community um sich zu scharren. EyeEm hat zehn Millionen registrierte Nutzer

EyeEm, gestartet im Herbst 2011, verkündete gegenüber Forbes.com gerade stolz, die magische Marke von zehn Millionen Nutzern erreicht zu haben. Damit gehört es bereits zu den erfolgreichsten, auf die soziale Interaktion ausgelegten Angeboten aus Berlin überhaupt. Noch im Januar sah auch der Foto-Service und Instagram-Konkurrent eher nach einem Wackelkandidaten aus. Dann jedoch fiel er einer Gruppe Instagram den Rücken kehrender US-Nutzer auf, überflügelte den gerade zuvor von Facebook aufgekauften Kontrahenten kurzzeitig im App Store und konnte seitdem seine Anwenderzahl verzehnfachen.

Mittlerweile platziert sich EyeEm bei den Downloads in allen Märkten zwar wieder weit hinter Facebooks Fotoanwendung und man muss davon ausgehen, dass von den zehn Millionen registrierten Anwendern nur ein Bruchteil wirklich aktiv ist. Eine Twitter-Suche zeigt aber, dass im Minutentakt Fotos über EyeEm publiziert werden. Insofern scheinen die Berliner mit ihrem Fokus auf ernsthafter (Hobby-)Fotografie und einer Monetarisierung über einen Fotorechte-Marktplatz anstelle von Werbung einen nachhaltigen Wachstumspfad gefunden zu haben. Dass sie auf Dauer unabhängig, als irgendwann börsennotiertes Unternehmen bestehen können, ist damit zwar keineswegs garantiert (und meiner Meinung nach unwahrscheinlich). Aber bei einem eventuellen Verkauf dürfte nun durchaus eine nette Summe rausspringen, zumal EyeEm nur vergleichsweise beschauliche rund fünf Millionen Euro externes Kapital aufgenommen hat.

Readmills Produktinitiativen auf dem Weg zum Tipping Point

Readmill, ein zeitgleich mit EyeEm gestarteter sozialer, mit der Cloud integrierter E-Book-Reader, hat bis heute keine Aktivitätszahlen verkündet. Doch eine Menge Produktneuigkeiten der letzten Zeit deuten darauf hin, dass das Unternehmen trotz bislang ausgebliebener medientauglicher Meilensteine optimistisch in die Zukunft blickt: Kooperationen mit externen E-Book-Plattformen, der Launch von Versionen für iPhone und Android (zuvor gab es Readmill lediglich für das iPad), die Einführung einer Volltextsuche innerhalb von Büchern sowie immer mehr externe Entwickler, die von der Readmill-API Gebrauch machen, zeichnen das Bild eines umtriebigen, alle Register ziehenden Unternehmens. In den ersten anderthalb Jahren kam von dem Hauptstadt-Startup deutlich weniger.

Das Ausbleiben offizielerl Erfolgszahlen - was Startups sich spätestens ab einer Million Nutzern nicht nehmen lassen - suggeriert, dass Readmill bislang anders als EyeEm noch nicht von viralem Userwachstum profitieren konnte. Auch zur Umsatzentwicklung ist nichts bekannt, eine Anfrage blieb unbeantwortet. Sich in einem Markt zu behaupten, der vom Koloss Amazon dominiert wird, und in dem sich ansonsten viele kleine Akteure auf die verbliebenen Krümel stürzen, ist offensichtlich eine Herausforderung. Durch die Ausweitung des Dienstes auf Android und die Platzierung des "Zu Readmill senden"-Buttons in immer mehr E-Book-Läden schaffen Readmill-Gründer Henrik Berggren und seine Kollegen aber die Voraussetzung für exponentielle Zuwächse.

2014 wird für beide Unternehmen ein interessantes Jahr. Bei EyeEm entscheidet sich, ob hier das Flickr des mobilen Zeitalters entsteht, oder ob sich Team und Investoren am Ende doch mit kleineren Brötchen zufrieden geben. Readmill muss beweisen, dass tatsächlich ein hinreichend großes Interesse für einen schön gestalteten E-Book-Reader abseits des Mainstreams existiert, der das Teilen von Kommentaren und Zitaten mit anderen erlaubt - und dass damit auch Geld verdient werden kann. /mw

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer