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03.04.14

Ein halbes Jahr nach Debüt des iPad-Blogaggregators: Blogbox zieht Bilanz und verrät, wie es weitergeht

Im Herbst 2013 veröffentlichte das Münchner Startup Blogbox sein innovatives iPad-Blogmagazin. Mittlerweile können darin über 350 Blogs aus dem deutschsprachigen Raum gelesen werden. Nun rückt die Erhöhung der Reichweite sowie die Monetarisierung in den Vordergrund.

BlogboxVor einem halben Jahr schickten die Münchner Studenten Moritz Orendt, Bernhard Hering, Samy Ateia und Marco Eisenack mit Blogbox eine iPad-App ins Rennen. Das Quartett hatte sich zum Ziel gesetzt, die Reichweite deutschsprachiger Blogs zu erhöhen und Nutzern beim Entdecken interessanter Publikationen und Lektüre zu helfen. Sechs Monate später und kurz vor der Veröffentlichung einer rundum erneuerten Version 2.0 ziehen die Macher eine erste Bilanz: Die größte Überraschung war für sie der enorme Ansturm von Bloggern, die mit ihren Inhalten in der kostenfreien Anwendung vertreten sein wollen. In 6 Monaten von 52 auf 350 Blogs

Zum Launchtag erhielten User über Blogbox Zugriff auf 52 Blogs, unterteilt in zwölf als "Leidenschaften" bezeichnete Ressorts. Mittlerweile machen über 350 Blogs aus Deutschland, Österreich und der Schweiz mit, unterteilt in 27 Themenbereiche, erklärt Mitgründer Moritz Orendt. Täglich kämen neue hinzu. Der anfängliche Bearbeitungsstau beim Prüfungsprozess der Bloggeranmeldungen sei mittlerweile abgearbeitet worden. "Zu Beginn waren wir einfach überfordert", gesteht Orendt, der wie seine Mitstreiter nicht mit einer derartig positiven Resonanz der Blogosphäre gerechnet hatte. Bis zu 100 Bewerbungen von Blogs seien abgelehnt worden, weil sie die gestern von dem Startup noch einmal näher erläuterten Relevanzkriterien nicht erfüllen konnten. Seit neuestem kümmert sich eine Praktikantin ausschließlich um die Bearbeitung der Bewerbungen und die Akquise weiterer Blogs. Von den rund 100.000 bis 200.000 deutschsprachigen Blogs könnten 10.000 bis 20.000 hinsichtlich inhaltlicher Qualität und Relevanz zu Blogbox passen, schätzt Orendt. Bis zum Jahresende möchten die jungen Gründer gerne die Marke von 1.000 in der Applikation vertretener Blogs durchbrechen.

Reichweitenaufbau ist schwierig

Zu Nutzerzahlen wollen sich Moritz Orendt und Bernhard Hering im Gespräch nicht im Detail äußern, was soviel heißt wie, dass sie nicht voll zufrieden sind. Zwar garantiert die rege Beteiligung der Blogs einen Grundstock an App-Usern. Darüber hinaus die gewünschte Sichtbarkeit zu erreichen, habe sich aber als schwierig herausgestellt. Aufgrund ihrer begrenzten Mittel betrachten die Süddeutschen die Auffindbarkeit im App Store als wichtigste und effektivste Quelle für die Akquisition neuer User. "Wir dachten, mit einer soliden App-Store-Optimierung würden wir uns einen guten Platz erarbeiten können", sagt Orendt. Doch dann erkannten er und seine Kollegen ein Problem: Niemand sucht im App Store nach Blogs. Und im Ranking der Kategorie "Nachrichten" hat Blogbox gegen die bekannten deutschen Medienmarken sowie namhaften Social-Reading-Apps wie Flipboard denkbar schlechte Karten.

Themenapps als möglicher Trafficmotor

Doch die Münchner glauben, eine Lösung für das Dilemma gefunden zu haben: Zusätzlich zur Primär-App werden sie einzelne Interessengebiete in eigenen, schlanken, auf dem Fundament von Blogbox fußende Applikationen anbieten. Den Anfang macht in Kürze eine Yoga-App . Durch die Verwendung oft gesuchter Schlüsselwörter im Namen sowie die klare thematische Positionierung glauben die Gründer, deutlich bessere Downloadzahlen erreichen zu können. Zwei zweitere Special-Interest-Apps sollen folgen, vorzugsweise zu noch spitzeren inhaltlichen Komplexen. Für diese Anwendungen sei erstmalig auch die Lancierung für Android vorgesehen. Etwas, wovon Blogbox bislang trotz zahlreichen Bittens von Nutzern absehen musste. Hier zeigt sich wieder das Problem von unterfinanzierten Startups, die aufgrund knapper Ressourcen zu Prioritätensetzungen gezwungen werden, die sich unmittelbar negativ auf das Wachstum auswirken.

Immerhin müssen die Blogbox-Gründer die Entwicklung nicht mehr aus eigener Tasche bezahlen: Seit November und für ein Jahr beziehen sie das Exist-Gründerstipendium und damit eine Art monatliches "Gehalt", das ihre Lebenshaltungskosten deckt. Bis zum Ablauf dessen hoffen sie, eine erfolgreiche Monetarisierungsstrategie vorweisen und damit den Betrieb von Blogbox selbst tragen zu können. Das aktuell implementierte freiwillige Zahlungssystem, über das Leser sich bei in Blogbox präsenten Blogs mit einem Obolus bedanken können, dient komplett als Umsatzquelle für die Publikationen. Große Summen werden derzeit aber noch nicht bewegt, wobei dies zum Teil eine nachgelagerte Folge der nicht optimalen Reichweite der App darstellt.

Blogbox

Blogbox 2.0, in wenigen Tagen im App Store

Blogbox 2.0 wartet auf Apple-Freigabe

Parallel zum Bau der ersten Themen-App haben die Münchner in den letzten Wochen eine rundum erneuerte Version von Blogbox entwickelt, die gerade zur Freigabe an Apple übermittelt wurde. Verbesserungen betreffen die Benutzerführung, Übersicht sowie die Performance.

Insgesamt bringt die Errichtung eines Blogaggregators also einige Herausforderungen mit sich. Das allerdings konnten die Blogbox-Initiatoren von Anfang an erwarten. Mit der wirklich beachtlichen Zahl an Blogs, die ihre Inhalte vollständig über den Dienst darstellen lassen, haben die Bayern zumindest eine kritische Disziplin gemeistert, nämlich das zu Beginn spärliche Contentangebot auf ein Level gebracht, bei dem nun für jeden und jede etwas Lesenswertes dabei ist. Nun gilt es, mehr Menschen auf dieses zweifellos attraktive Angebot aufmerksam zu machen, um im nächsten Schritt die Hoffnung der beteiligten Blogger auf Einnahmen zu erfüllen und dann die wirtschaftliche Tragfähigkeit von Blogbox zu sichern.

Keine Unterstützung beim Reichweitenaufbau sowie dem Erschließen von Erlösquellen erwarten die selbstbewusssten Entrepreneure von den hiesigen Verlagen. Bislang habe es keinerlei formelle oder informelle Kontaktaufnahmen durch Medienhäuser gegeben, so Orendt. /mw

Update 6. April: Die neue Version von Blogbox ist jetzt verfügbar.

Link: Blogbox

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