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28.06.11

egoArchive: Persönliche Browserchronik in der Cloud

Das Wiener Startup egoArchive zeichnet über ein Browser-Plugin die besuchten Webseiten eines Nutzers auf und macht deren Inhalt daraufhin über eine Online-Oberfläche durchsuchbar.

 

Internet-Intensivnutzer - mutmaßliche 99,9 Prozent derjenigen, die diesen Artikel lesen - bekommen jeden Tag derartig viele Webseiten zu Gesicht, dass es zu einem höchst komplizierten Unterfangen werden kann, eine davon zu einem späteren Zeitpunkt gezielt wiederzufinden.

Das Wiener Startup egoArchive hat einen Onlineservice entwickelt, der dieses Problem lösen soll: egoArchive speichert jede von einem User besuchte Seite automatisch und macht sie nachträglich über eine Weboberfläche auffindbar und durchsuchbar - in etwa so, wie es Last.fm mit seiner Scrobble-Funktion für Musik erlaubt.

Wer den gerade in geschlossener Beta-Phase gestarteten Dienst ausprobieren möchte und eine Einladung ergattern konnte (siehe Artikel-Ende), muss im ersten Schritt ein Browser-Plugin installieren. Dieses steht für Chrome, Firefox, Safari und Internet Explorer zur Verfügung.

Ist dies erledigt, zeichnet egoArchive fortan jede angesteuerte Seite auf und listet sie im persönlichen egoArchive-Konto zusammen mit einem Textanriss sowie einem zoombaren Screenshot. Alle Einträge der Browser-Historie sind grundsätzlich privat, können aber auf Wunsch über die gängigen Social-Media-Kanäle geteilt werden. Außerdem lassen sich einzelne Objekte favorisieren, woraufhin sie unter dem spezifischen Menüpunkt "My Favorites" erscheinen.

Die zentrale Suchefunktion, die über die Browser-Erweiterung sowie die persönliche egoArchive-Oberfläche zur Verfügung steht sowie im Kontext einer Google-Suche eventuelle Ergebnisse auflistet, erlaubt die Volltextsuche aller seit dem Beginn der egoArchive-Nutzung besuchten Sites und funktionierte in meinen Tests recht gut. Nachdem ich eine Seite im Browser aufgerufen hatte, tauchte sie etwa eine Minute später in meiner egoArchive-Chronik auf.

Als zusätzliche Leistung bietet der Service aus Österreich auch die Möglichkeit zur Verknüpfung des Kontos mit dem eigenen Twitter-, Facebook- und Delicious-Account. egoArchive indexiert dann sämtlichen Content, der dort von Kontakten und einem selbst veröffentlicht wird (z.B. sämtliche Status-Updates der Facebook-Freunde und Tweets derjenigen, denen man bei Twitter folgt). Als persönliche Cloud-Suchmaschine unterstützt  Greplin allerdings mehr Dienste.

Das Herzstück des Startups aus Wien ist in jedem Fall die Aufzeichnung des Browserverlaufs. Dies kann offensichtlich nur dann funktionieren, wenn User das Gefühl erhalten, dass sie sich durch die Einwilligung des (nicht öffentlichen) Mitschnitts ihrer besuchten Websites keinen Sicherheitsrisiken aussetzen.

egoArchive funktioniert aus diesem Grund nur für Seiten, die man nicht über eine sichere Verbindung besucht. Für https-Verbindungen (z.B. Onlinebanking oder Facebook) ist das Browser-Plugin automatisch deaktiviert. Auch bleibt es inaktiv, wenn der Inkognito-Modus des Browsers eingeschaltet ist. Als zusätzliche Option lassen sich ganze Domains oder einzelne Websites auf eine Blacklist setzen (sowohl über die Website als auch die Erweiterung), was sie ebenfalls von der Aufzeichnung via egoArchive ausklammert. Die aufgezeichneten Daten werden zudem grundsätzlich per SSL zu den von egoArchive eingesetzten Amazon-Servern übertragen.

Was Tools betrifft, die mein Nutzungsverhalten eigenständig aufzeichnen, gehöre ich eher zu der Gruppe vorsichtiger Nutzer. Die von egoArchive getroffenen Maßnahmen erscheinen mir jedoch angemessen, um den Service mit gutem Gewissen verwenden zu können. Letztlich geht es darum, die Blacklist so zu definieren, dass keine sensiblen Informationen (z.B. Einträge von Mitgliederbereichen) bei egoArchive lagern. Kommt es dann zum "Worst Case", ist der Schaden gering.

Die egoArchive-Gründer Max Kossatz und Gerald Bäck wollen ihre bisher selbstfinanzierte Entwicklung mittelfristig über ein Freemium-Modell monetarisieren. Für die Zukunft geplant sind eine mobile Variante des Dienstes sowie die Bereitstellung von Statistiken über das eigene Surfverhalten (nochmals analog zu Last.fm). Auch zusätzliche Suchfeatures, u.a. durch Einbezug von Location-Aspekten sowie multimedialen Inhalten, stehen auf der Roadmap.

egoArchive gehört zur Kategorie von Webdiensten, bei dem die endgültige Bewertung des tatsächlichen Nutzwerts einen längerfristigen Einsatz erfordert. Grundsätzlich löst egoArchive aber ein Problem, das zumindest mir häufiger begegnet: Irgendwann einmal aufgerufene Inhalte nicht mehr wiederzufinden. Und mit den angekündigten Surfstatistiken könnte das junge Unternehmen, das seine Produkt kürzlich beim Next Elevator Pitch präsentierte (ich muss es verpasst haben), sogar einen gewissen Unterhaltungswert bekommen.

Wer egoArchive ausprobieren möchte, benötigt derzeit eine Einladung. Wir haben 50 davon. Folgt dazu diesem Link und verwendet als Invite Key "netzwertig01".

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