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01.10.07

eBay im Sinkflug, Zennström tritt zurück: Was wird aus Skype?

So schnell kann's gehen im Internet-Business: Gerade noch war die allgegenwärtige Auktionsplattform eBay der unangefochtene König des eCommerce. Viele waren der Meinung, dass eBay nicht nur Online-Verkäufe, sondern die ganze Weltwirtschaft revolutioniert hat bzw. noch revolutionieren wird.

Ein paar Monate später sieht es schon wesentlich düsterer aus: eBays Besucherzahlen zumindest in den USA befinden sich im Sinkflug. Im Januar benutzten noch 80.7 Mio. User die Plattform, im August waren es noch 79.7 Mio. -- während gleichzeitig die Zahlen der Konkurrenz deutlich stiegen. eBay musste gar Platz 5 im amerikanischen Ranking an Fox Interactive (u.a. MySpace) abgegeben.

Die Experten rätseln über die Gründe: Hat eBay den Anschluss verpasst und hätte früher ins Social Networking einsteigen sollen (denn mit seinen unzähligen treuen Usern wäre eBay da hervorragend positioniert gewesen)? Hätte man die antiquitiert wirkende Website früher auffrischen sollen? Oder sind die User einfach auktionsmüde geworden und kaufen sich lieber wieder was auf konventionellem Weg?

Und jetzt auch das noch: Heute ist Niklas Zennström zurückgetreten, der Gründer und bisherige CEO des von eBay vor zwei Jahren aufgekauften Internet-Telefonieanbieters Skype. Zennström wird sein Ausscheiden bei Skype (ausser in finanzieller Hinsicht) wohl kaum gross stören, er ist sowieso schon lange voll bei seinem neuen Startup engagiert, der Video-Plattform Joost .

Skype hatte es in letzter Zeit nicht leicht. Einem massiven Systemausfall im August folgen nun offenbar enttäuschende Geschäftszahlen. Die ursprünglichen Skype-Gründer und -Investoren bekommen vom Earn-Out, der zum Zeitpunkt der Akquisition auf maximal $1.7 Mia. festgelegt wurde, nur $530 Mio. Immer noch nett, aber weit von den erhofften Resultaten entfernt. eBay macht ausserdem eine Abschreibung von $1.4 Mia. auf Skype, fast 2/3 des ursprünglichen Cash-Kaufpreises. Die genauen Umsatzzahlen für Skype hat eBay noch nicht bekanntgegeben, aber man darf angesichts der Umstände davon ausgehen, dass sie nicht schön sein werden.

Wenn eBay da nicht aufpasst, könnte Skype in die Geschichte eingehen als typische Bubble-Firma: Viele User, viel Begeisterung, hohe Bewertung, aber leider kein Businessmodell, das dazu passt. Disruption ist prima. Aber wenn man sein Hauptprodukt gratis weggibt, bleibt immer die Frage, wie man am Schluss als Firma überlebt. Das mussten schon Netscape und unzählige Web-1.0-Firmen erleben.

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