<< Themensammlung Netzwertig

Unter netzwertig veröffentlichen wir in unserem Blog Einschätzungen zu aktuellen digitalen Geschäftsmodellen und IT-Trends, Meldungen, Analysen, Reviews und Specials.

09.02.12

Eardex: Globale Datenbank über lokale Preise

Das Kölner Startup Eardex hat sich zum Ziel gesetzt, eine Datenbank über die Lebenshaltungskosten an jedem Ort dieser Welt aufzubauen. Dazu benötigt es die Hilfe der Nutzer.

 

Jedes Mal, wenn ich Gesprächspartnern aus dem deutschsprachigen Raum erzähle, dass ich in Stockholm wohne, ist es bis zum Kommentar "Dort ist das Leben teuer, oder?" nur eine Zeitfrage. Meist antworte ich dann etwas in der Art "Das kommt darauf an. Im Vergleich zu Berlin ja, aber zu München und Zürich eher nicht". Doch natürlich basiert meine Aussage lediglich auf subjektiven Beobachtungen.

Mit Eardex gibt es seit drei Monaten einen Onlineservice, der mir und anderen Menschen bei der objektiven Bewertung des tatsächlichen Preisniveaus in bestimmten Regionen hilft. Auf der Website des Startups aus Köln können Nutzer die durchschnittlichen Preise von 45 Produkten in Städten und Ländern rund den Globus abrufen und mit eigenen Angaben dazu beitragen, den Preis-Produkt-Index zu erweitern.

Eine Art Wikipedia für Preise

Eardex, das von Fabian Walker und Steffen Schmeißer aus eigenen Mitteln gegründet wurde, ist damit soetwas wie eine Wikipedia für Preise, ohne aber im uniformen Wiki-Look zu erstrahlen. Zur Kernzielgruppe gehören Touristen, Geschäftsreisende, Backpacker, Auswanderer, Expats und alle, die mit Freunden, Bekannten oder Kollegen darüber diskutieren, wo das Bier, die Hotelübernachtung oder die Taxigebühren am günstigsten sind.

Über das zentrale Suchfeld können Nutzer die Namen von Städten oder Ländern eingeben, über deren Lebenshaltungskosten sie sich informieren möchten - oder die Weltkarte verwenden, um eine spezifische Region auszuwählen.

Jeder gelistet Ort verfügt über eine mit vielen Zahlen und Daten gespickte Profilseite, die auf einen Blick die Durchschnittspreise von zehn besonders "wichtigen" Produkten/Dienstleistungen listet - von der Schachtel Malboro über einen Lite Coca Cola bis zu einer Fahrt mit dem Öffentlichen Nahverkehr. Eine dargestellte Schätzung des benötigten Tagesbudgets soll Backpackern und Touristen auf einen Blick einen Eindruck vermitteln, welches Budget sie für einen Tag in der Region ungefähr einplanen müssen.

Wem dieser kompakte Überblick nicht reicht, der kann darunter im Detail die Preise für 45 Produkttypen aus den Kategorien "Markenprodukte", "Supermarkt", "Gastronomie", "Wohnen", "Tourismus/Reisen", "Alltagsprodukte" und "Specials" (hier finden sich die Kosten für Schwarzfahrer, Kopfschmerztabletten, Kondome und Tampons) abrufen. Diese stehen allerdings nur registrierten Nutzern zur Verfügung - der Login mittels Facebook ist möglich.

Maßeinheiten und Währungen werden umgerechnet

Neben der Notwendigkeit des Anhäufens einer signifikanten Anzahl an Preisinformationen pro Produkt für tausende Städte und Regionen stellen unterschiedliche Währungen und Maßeinheiten die wohl größte Herausforderung für das vierköpfige Eardex-Team dar. Das Ziel ist, Anwendern das Umdenken zu ersparen, egal aus welchem Winkel dieser Erde sie kommen. Zu jedem Produkt lassen sich verschiedene Maßeinheiten und zugehörige Größen wählen, die Umrechnung erfolgt dann automatisch. Preise können in vielen Dutzend Währungen dargestellt werden.

Vergleich von zwei Orten

Eardex bietet auch eine Funktion, um die Lebenshaltungskosten an zwei Orten miteinander zu vergleichen. So richtig aussagekräftig sind diese Informationen derzeit angesichts des frühen Stadiums und des damit verbundenen begrenzten Datenbestands noch nicht. Aber immerhin: IKEAs berühmtes Bücheregal Billy ist in Zürich nur rund fünf Euro teurer als in Berlin.

Eardex ist ein ambitioniertes Vorhaben, das mit Sicherheit auf Interesse stoßen wird. Der Erfolg steht und fällt jedoch mit der Quantität und Qualität der von Anwendern eingetragenen Preise. Wikipedia hat gezeigt, dass Menschen bereit sind, ohne direkte Gegenleistung ihr Wissen und ihre Zeit der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen.

Allerdings steht hinter dem Onlinelexikon eine Non-Profit-Organisation. Als gewinnorientiertes Unternehmen, das mit der Vermarktung seiner rund 120.000 einzelnen Seiten Geld verdienen will, muss Eardex gute Argumente liefern, um dennoch zehntausende User dazu zu bringen, ihre Preisbeobachtungen hinzuzufügen. Andererseits reicht mitunter schon der attraktive Gedanke einer umfassenden globalen Preisdatenbank, um einzelne Anwender zur Partizipation zu bewegen. Zumal der mit dem Eintrag einzelner Preise verbundene Aufwand deutlich geringer ist als das Anlegen oder Bearbeiten eines Wikipedia-Eintrags.

Eine zweite mögliche Erlösquelle sieht das Startup in Partnerschaften mit externen Websites wie beispielsweise Reiseportalen, die Eardex-Daten per Widget integrieren könnten. An dieser Stelle sei angemerkt, dass zumindest für die nicht-kommerzielle Nutzung eine offene API sinnvoll und wünschenswert wäre.

Die Kölner sind nicht die einzigen mit der Vision, die Lebenshaltungskosten rund um den Globus transparent zu machen. Auch Expatistan.com und Numbeo verfolgen dieses Ziel, wirken vom äußeren Erscheinungsbild jedoch etwas weniger "wissenschaftlich" - ob das ein Vor- oder Nachteil ist, sei an dieser Stelle dahingestellt.

Link: Eardex

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer