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03.09.10

E-Books: Warum es von jedem Fachbuch eine digitale Version geben sollte

Anders als Unterhaltungsliteratur dienen Fachbücher nur einem Zweck: Wissen zu vermitteln. Leider geschieht dies heutzutage noch immer primär in Papierform.

 

Wir haben in den Kommentaren zu diesem und diesem Artikel ausgiebig über das Potenzial und die Probleme von E-Books diskutiert. Selbst wenn es mir schwerfällt, dem gedruckten Buch als Massenprodukt noch mehr als 15 Jahre zu geben, kann ich verstehen, dass der Aspekt der Haptik sowie die geringe Störanfälligkeit und hohe Flexibilitiät eines Printprodukts in den Augen mancher Konsumenten eine sehr große Bedeutung haben.

Was Unterhaltungsliteratur betrifft, scheint ergo der Wunsch verbreitet zu sein, auch in Zukunft noch Papierbücher erwerben zu können, da es um mehr geht als nur um die nüchterne Aneinanderreihung von Buchstaben zur Vermittlung von Zusammenhängen. Ob dieser Wunsch am Ende von Autoren und Verlagen immer erfüllt wird, ist damit zwar nicht garantiert, aber so lange eine hinreichend große Nachfrage nach Literatur auf Papier besteht, wird das Printbuch wohl nicht zum Museumsstück werden.

Keinerlei Verständnis für ein prinzipielles Festhalten an Print habe ich jedoch, was den Bereich der Fachbücher betrifft. Momentan muss ich selbst feststellen, was es bedeutet, auf spezifisches Lehrmaterial nicht in elektronischer Form zugreifen zu können.

In Kürze beginne ich ein berufsbegleitendes Fernstudium im Masterstudiengang "Informationslogistik". Für den ersten Kurs benötige ich fünf Bücher, die sich alle um den Themenkomplex Projekt-/Informationsmanagement drehen. Leider gibt es nur zwei davon als E-Book im Netz.

Das Problem: Ich reise momentan häufiger und will die Literatur mitnehmen, aber durch fünf dicke Wälzer nicht sofort mein maximales Gepäcklimit am Flughafen ausreizen - ganz davon abgesehen, dass es auch überhaupt keinen Spaß macht, mehr Gewicht mit sich herumzutragen als notwendig.

Wenn ich nun anmerke, dass mir die Haptik und der Papiergeruch bei Sach- und Fachliteratur erst recht völlig egal sind, dann hat das vermutlich nur wenig Überzeugungskraft, immerhin befürworte ich E-Books ja ohnehin. Aber ich vermute, dass auch Print-Fürsprecher bei Literatur, die nicht der Unterhaltung sondern der Bildung dient und damit andere Anforderungen erfüllen muss, dem E-Book gegenüber sehr viel offener eingestellt sind.

Auch meine Freundin studiert momentan per Fernstudium. Anders als ich hat sie jedoch überhaupt keine Probleme, sämtliche für ihre Kurse relevanten Materialen in elektronischer Form zu beschaffen, da sie eine IT-Richtung gewählt hat und in diesem Sektor zumindest im englischsprachigen Raum mittlerweile offenbar fast alle Titel auch als E-Books publiziert werden.

Nun ist die Frage nach Print- oder elektronischem Buch aus Lesersicht kein Wunschkonzert, immerhin wollen Autor und Verlag Geld verdienen. Aber gerade hier liegen ja die Vorteile von E-Books, die sich zu deutlich niedrigeren Kosten veröffentlichen lassen. Meine Ansprüche sind derartig gering, dass ich mich mit einer ganz simplen, grafisch anspruchslosen PDF-Datei abfinden würde. Die Mehrarbeit für den Verlag wäre minimal, ich jedoch würde mir nicht den Kopf darüber zerbrechen müssen, wie ich nun an die drei nicht als E-Book existierenden Bücher gelange.

Laut diesem Bericht ist es in Japan mittlerweile üblich, seine eigene Büchersammlung manuell einzuscannen, um sie anschließend in digitaler Form lesen und überall hin mitnehmen zu können. Angeblich haben 20 Prozent der japanischen iPad-Besitzer dies schon mindestens einmal getan.

Auch ich überlegte kurz, ob ich nicht ein Unternehmen aufspüren soll, dem ich die drei nicht in digitaler Form erhältlichen Bücher schicken könnte, um sie anschließend eingescannt als PDF oder EPUB-Dokument in Empfang zu nehmen. Aber abgesehen von der Frage nach der Legalität würde dies ziemlich teuer werden.

Mein Studium wird voraussichtlich zwei Jahre dauern. Ich hoffe, dass ich in dieser Zeit erlebe, wie Lehrmaterialien noch stärker als heute als E-Books angeboten werden. Rund jedes zweite Fachbuch erscheint derzeit auch in elektronischer Form. Es besteht also noch deutlicher Verbesserungsbedarf.

Mit PaperC existiert ein sehr spannendes deutsches Startup, das Fachbücher kostenlos im Internet zur Verfügung stellt. Gegen Bezahlung lassen sich Titel, Kapitel oder Seiten herunterladen oder als Print-on-Demand-Buch nach Hause schicken . Auch der auf Fachbücher spezialisierte US-E-Book-Shop CourseSmart sieht sehr vielversprechend aus, selbst wenn ich dort dieses Mal nicht fündig wurde. Und dann ist ja da noch Amazons Kindle Store...

Für mich steht fest, dass (neue) Literatur, deren Zweck darin besteht, Wissen zu vermitteln, in gedruckter Form keine Chance mehr hat. Studenten sind in der Regel jung, mobil und offen für neue Technologien. Ein erster Schritt wäre es, wenn alle Verlage für Fachliteratur grundsätzlich eine gedruckte und eine elektronische Variante ihrer Publikationen vertreiben würden. Papierliebhabern ermöglicht dies, eine physische Kopie zu erwerben und darin Notizen und Anmerkungen machen zu können, und Menschen wie mir hilft es, unnötigen Ballast von sich fern zu halten und das Material in der Cloud zu speichern, um von beliebigen Geräten und Orten darauf Zugriff zu haben.

(Foto: stock.xchng)

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