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14.02.14

Ende des Traums vom papierlosen Büro: Doo gibt auf und startet neu

Das Bonner Dokumenten-Startup Doo hat heute Nachmittag das Ende vom bisherigen Geschäftskonzept und gleichzeitig einen Neustart angekündigt. Mit der Idee eines strukturierten Dokumenten-Systems zur Aufbewahrung ist man, wie alle Player auf dem Markt, gescheitert.

Verabschiedung und Neuanfang von Doo

Sie waren einst angetreten, um das papierlose Büro wahr werden zu lassen, doch mittlerweile zeigt sich, dass keins der zuletzt mit dieser Mission angetretenen deutschen Startups mit dieser Vision Erfolg hatte. Zumindest nicht im ersten Schritt. Smarchive benannte sich in Gini um, brachte erst drei Jahre nach dem Start eine schlankere App heraus und will sich nun auf ein eigenes Ökosystem konzentrieren. Doctape startete als Dropbox-Alternative mit automatischer Medienkonvertierung neu. Um fileee wurde es zuletzt ruhig und auch Doo hat jetzt die Notbremse gezogen.

In einer Mail, die das Bonner Startup heute verschickte, kündigte das Team um die drei Gründer Frank Thelen, Marc Sieberger und Alex Koch den Abschied von der Dokumenten-App ab. Allerdings nicht vom Startup-Business und auch nicht von Doo selbst. Das Unternehmen soll als Cloud-Lösung mit neuen Diensten weiter machen. Welche, das will man in den nächsten Wochen bekannt geben.

 

"Mussten es einsehen"

Auf der Website verkündet man derzeit das Ende. Ein Blogpost führt die Gründe auf:

"Nach dem Start unserer App auf allen wichtigen Plattformen, in dem wir unsere Kernfunktionen angeboten und kontinuierlich an besserer Performance und Stabilität gearbeitet haben, hat sich gezeigt, dass wir trotzdem nicht das notwendige Wachstum und eine entsprechende Nutzeraktivität generieren konnten. Wir mussten es einsehen. Entweder war unsere Annahme falsch, dass die Nutzer uns brauchen oder wir haben es nicht geschafft, das Produkt so zu gestalten, dass es ein Problem löst. Wir schienen einfach nicht die Bedürfnisse einer kritischen Nutzerschaft zu erreichen."

Die Server sollen nun am 17. März abgeschaltet werden. Die Apps für Mac und Windows sollen bestehen bleiben, aber nicht mehr mit der Cloud synchronisieren. Doo in dieser Form ist gescheitert.

Das Chaos nicht gebändigt

Ich begleite die Geschichte des Startups bereits seit mehreren Jahren aufgrund einer Mischung von Lokalpatriotismus (ich lebe in Bonn) und Interesse am papierlosen Büro und habe zumindest alle Mac-Versionen seit der Beta-Phase gesehen. Wie die meisten Nutzer stand ich oft davor, lobte das Design und war mir am Ende doch unschlüssig, was ich nun damit anfangen soll.

Website verkündet das Ende der ersten Version.

Die Timeline, in der die Dokumente anhand eines Zeitstrangs sortiert werden, hat mir gut gefallen, war aber in jüngsten Versionen immer mehr in den Hintergrund geraten. Neben Dokumenten sortierte Doo auch einen erstaunlichen Wust aller möglichen anderen Dateitypen aus meinem verbundenen E-Mail-Postfach mit ein. So zeigte mir Doo Rechnungen neben Facebook-Freundeseinladungen oder Benachrichtigungen über neue Twitter-Follower an. Die textsicheren Algorithmen, auf die Doo hingearbeitet hatte, haben bei mir effektiv nie so funktioniert wie gewünscht. Ironischerweise hat Doo damit nicht die gewünschte Struktur in den Papierkrieg gebracht, sondern das Chaos nur verlagert.

Von Anfang an Schwierigkeiten

Trotzdem erstaunt es mich, dass Doo derartige Schwierigkeiten hatte, eine starke Nutzerbasis zu generieren. Als Windows 8 vor gut einem Jahr herauskam, war Doo dank einer Kooperation mit Microsoft bereits auf zahlreichen neuen PCs vorinstalliert. Im vergangenen Sommer auf dem European Pirate Summit in Köln gab Gründer Frank Thelen zu, dass sich bis dahin erst rund 250.000 Nutzer die Doo-Software heruntergeladen haben und er sich deutlich mehr versprochen hatte. Er hoffte auf den Durchbruch mit der dort neu startenden (aber im wesentlichen kaum veränderten) Version Doo 2.0.

Steffen Reitz, Gründer des Doo-Konkurrenten Gini, sagte uns kürzlich im Interview, es reiche nicht, der digitale Leitz-Ordner zu sein. Gewinnen könne ein solcher Dienst nur über Extra-Services wie eine automatische Zahlung einer Rechnung. Er dürfte damit Recht behalten haben. Es ist gut denkbar, dass auch Doo versucht, in diese Richtung zu gehen. Die Idee, mit einem gut sortierten Dokumenten-Speicher alleine Millionen von Nutzern weltweit auf die eigene Seite zu ziehen, ist zumindest für keins der Unternehmen aufgegangen. Jetzt gilt es, die Scherben aufzusammeln und daraus etwas für den nächsten Schritt zusammen zu kleben. Der Traum vom papierlosen Büro und der Steuererklärung in fünf Minuten ist noch immer nicht verwirklicht. Doo könnte trotz allem dabei sein.

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