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13.03.17

Digitalisierung

Neue Studie zur Digitalisierung: Deutschland hinkt weiter hinterher

Wie gut sind deutsche Unternehmen für die Digitale Transformation gewappnet? Wo stehen sie im Vergleich zu US-Firmen? Eine neue Studie zeigt: Es gibt zwar einen Bewusstseinswandel in, doch die Wirtschaft muss noch deutlich aufholen.


(Bild: Fotolia) 

Deutsche Unternehmen: Wie weit sind sie mit der Digitalisierung?

Die Digitalisierung ist wichtig, aber noch nicht angekommen“ – das war das Fazit, das wir im Herbst 2016 zogen, als verschiedene Erhebungen zeigten, wie weit die deutschen Unternehmen in Sachen Digitalisierung sind. Wie ist die Lage nun? Hat sie sich mittlerweile verbessert? Nein, anscheinend nicht. Das zeigt die neue Studie „Digitale Transformation und Zusammenarbeit mit Startups in Großunternehmen in Deutschland und den USA“, die Etventure zusammen mit YouGov und der GfK durchführte. Hierzu wurden rund 300 Entscheider in Unternehmen mit mehr als 250 Millionen Dollar Jahresumsatz befragt.

Die von Etventure in Auftrag gegeben Studie zeigt, welche deutlichen Unterschiede es links und rechts des Atlantiks gibt. Aber sie offenbart auch, dass die der Themenkomplex Digitalisierung die Unternehmer antreibt und beschäftigt.

Die Digitalisierung kommt in Deutschland an – aber nur zögerlich

Die Bedeutung des digitalen Wandels wird 2017 in den deutschen Führungsetagen mittlerweile überwiegend erkannt: In jeder dritten Firma ab 250 Millionen Euro Umsatz (35 Prozent) wird der Prozess inzwischen direkt durch die Geschäftsleitung gesteuert. 2016 war dies laut der vorangegangenen Etventure-Studie lediglich bei 24 Prozent aller Unternehmen der Fall. Darüber hinaus zählt die digitale Transformation nun auch in exakt 50 Prozent der Großunternehmen zu den Top drei der Firmenziele (2016: 41 Prozent).

Zeitgleich zeigt sich aber ein deutlicher Rückstand zu den USA: Zum einen wird der digitalen Transformation dort eine grundsätzlich höhere Bedeutung beigemessen. So ist die Digitalisierung in den USA bereits bei zwei Dritteln der Großunternehmen (66 Prozent) unter den Top-Drei-Zielen. Inzwischen sehen sich dort mehr als doppelt so viele Firmen wie hierzulande schon „sehr gut“ oder „gut“ darauf vorbereitet (USA: 85 Prozent, Deutschland: 35 Prozent). Darüber hinaus erachtet mit 90 Prozent die überwiegende Mehrheit der amerikanischen Unternehmen ihre Mitarbeiter für qualifiziert für den digitalen Wandel – anders als in Deutschland (42 Prozent).

US-Konzerne legen auch ein anderes Tempo in der Umsetzung vor: Die Hälfte aller US-Konzerne erwartet bereits in weniger als einem Jahr Effekte der digitalen Transformation auf Marktanteile oder Umsatz – in Deutschland sagen das lediglich sechs Prozent.

Fehlende Erfahrung als große Hürde

„Die Studie zeigt: 2017 ist die Frage in deutschen Chefetagen nicht länger, ob die digitale Transformation ‚wichtig’ oder ‚sehr wichtig’ für das eigene Kerngeschäft ist – eine sehr positive Erkenntnis für den deutschen Markt“, erklärt Philipp Depiereux, Gründer und Geschäftsführer von Etventure. „Allerdings gelingt es den hiesigen Unternehmen meist noch nicht, dieses Wissen auf die gesamte Kernorganisation zu übertragen und die Mitarbeiter für die Digitalisierung zu motivieren. Mit Blick auf den Rückstand auf die USA bei der Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle ist dies ein gefährlicher Zustand.“

Tatsächlich bezeichnet sich laut der Erhebung jedes dritte Großunternehmen hierzulande (31 Prozent) als zu unflexibel und zu langsam gegenüber den Anforderungen der digitalen Transformation. In den USA sind es nur sieben Prozent. Mit 63 Prozent sehen die meisten aller befragten Großunternehmen in Deutschland außerdem die „fehlende Erfahrung bei nutzerzentriertem Vorgehen“ als Haupthemmnis (2016: 52 Prozent). In den USA sagen dies nur 14 Prozent. Die „Verteidigung bestehender Strukturen“, 2016 mit 65 Prozent noch das mit Abstand meistgenannte Hemmnis hierzulande, wird 2017 zwar weniger oft genannt, ist aber noch immer in jedem zweiten deutschen Unternehmen ein Problem (USA: 28 Prozent).

„Dass in den USA interne Widerstände deutlich seltener als Problem gesehen werden, lässt sich teilweise damit erklären, dass mehr als jedes zweite Großunternehmen in den USA (57 Prozent) schon heute eine digitale Geschäftseinheit besitzt“, so Philipp Depiereux. „In Deutschland ist es nur ein Drittel (33 Prozent).

Amerikaner erwarten Jobwunder durch die Digitalisierung

Tatsächlich befürchtet hierzulande auch jeder fünfte Konzern, dass im Zuge der Digitalisierung Arbeitsplätze abgebaut werden. In den USA sagt das mit vier Prozent nahezu keines der befragten Großunternehmen.

Vielmehr erwarten sechs von zehn US-Firmen (59 Prozent) einen Zuwachs von Arbeitsplätzen durch die Digitalisierung – in Deutschland sind es nur zwei von zehn (19 Prozent). „Daraus lässt sich auch ableiten, dass in Deutschland mit der Digitalisierung vor allem Prozessoptimierung und Effizienzgewinne verbunden werden, in den USA aber auch Wachstum durch neue digitale Geschäftsmodelle“, so Philipp Depiereux. „Hinzu kommt, dass in den USA mehr als doppelt so viele und mit 90 Prozent nahezu alle Großunternehmen ihre Belegschaft als qualifiziert für die Herausforderung der Digitalisierung sehen. Hierzulande sagen das lediglich 42 Prozent. Eine Mehrheit von 58 Prozent geht damit von Defiziten bei notwendigen Kompetenzen aus."

Dabei sind sich US-Unternehmen der Auswirkungen der Digitalisierung auf die Mitarbeiter durchaus bewusst: Dass sich Maßnahmen zur digitalen Transformation auf mehr als die Hälfte der Mitarbeiter im Konzern auswirken werden, sehen sie deutlich häufiger als hiesige Großunternehmen (USA: 66 Prozent, Deutschland: 44 Prozent). Um diese Kompetenzlücken zu schließen, setzen die Unternehmen in beiden Ländern klar auf Weiterbildungsmaßnahmen. Das ist wohl auch bitter nötig: Wie schon die Studie „Deutsche Industrie 4.0 Index“ der Staufen AG zeigte, sind bei den unqualifizierten Mitarbeiter besonders die Entscheider ein großes Problem - sie stellen das größte Hindernis für den Digitalen Wandeln dar. 

Infografik: Die Studie zum Digitalen Wandel auf einen Blick


(Bild: Etventure)

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