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01.11.12

Filme und Serien im Netz: Fragmentierung des Angebots als Bremsklotz

Die Zahl der legal im Netz verfügbaren Filme und Serien wächst stetig. Doch die Fragmentierung des Angebots bremst die Akzeptanz bei den Konsumenten.

Piraterie ist nicht die Folge einer grundsätzlich fehlenden Zahlungsbereitschaft und angeblichen "Kostenlosmentalität", sondern des Mangels an zeitgemäßen, umfangreichen und uneingeschränkt verfügbaren digitalen Angeboten - diese Erkenntnis ist zwar noch lange nicht bei allen Urhebern angekommen, wird aber durch den durch On-Demand-Musikdienste wie Spotify ausgelösten Rückgang illegaler Downloads, das Übertrumpfen des Bittorent-Traffics durch den vom legalen Filmdienst Netflix verursachten Datenverkehr sowie nicht zuletzt auch durch persönliche Anekdoten belegt.

Wer dennoch nicht richtig glauben möchte, dass die Schwächen auf der Angebotsseite - insbesondere im Filmsegment - eine essentielle Ursache für das Problem von Urheberrechtsverstößen und Piraterie im Netz darstellen, der sollte einen Blick auf eine Untersuchung des US-Aggregators für Filme und Serien, Fanhatten, werfen. Danach dürften keine Zweifel mehr daran bestehen, wieso ein schneller Torrent-Download für viele die naheliegendste Option darstellt, obwohl sie eigentlich gerne eine legale, kostenpflichtige Alternative bevorzugen würden.

Das Fanhatten-Team hat die Verfügbarkeit von 2.300 stream- oder downloadfähigen Horrorfilmen bei 14 kostenpflichtigen US-amerikanischen Videodiensten analysiert , darunter so bekannte wie iTunes, Hulu Plus, Netflix und Amazon Prime. Die Ergebnisse sind ernüchternd: 71 Prozent der Titel fanden sich lediglich bei einem einzigen der 14 untersuchten Anbieter wieder und mehr als 22 Prozent konnten bei nur zwei Diensten abgerufen werden. Weniger als sieben Prozent der unter die Lupe genommenen Streifen stehen gruselwilligen Nutzern bei drei oder mehr Videodiensten zur Verfügung. Gerade einmal sieben Filme lassen sich von vier oder mehr legalen Quellen gegen Bezahlung streamen oder herunterladen.

Ein weiteres Ergebnis der Überprüfung: Von den 100 von der Fanhatten-Redaktion auserkorenen Top-Titeln des Horrorgenres sind 65 Prozent nur bei einer Quelle erhältlich, 25 Prozent nur von zwei. Die Fragmentierung des Contentangebots im Filmsegment beschränkt sich damit nicht nur auf den Long Tail, sondern auch auf ganz große Klassiker. Einzige Einschränkung wäre an dieser Stelle, dass Horrorfilme für sich genommen eine Nische darstellen. Dennoch sind die Resultate der Fanhatten-Analyse symptomatisch für die generelle Situation des digitalen Contents: Die Zahl der Akteure, die diese auf Basis unterschiedlicher Geschäftsmodelle und Preiskonzepte anbieten, wächst zwar. Doch damit ist nicht unbedingt ein Komfortgewinn für die Nutzer verbunden. Diese können sich grundsätzlich nicht darauf verlassen, den gewünschten Film oder den angestrebten Serienabschnitt bei einem bestimmten Streaming- oder Downloadanbieter vorzufinden. Ärgerlich ist das besonders dann, wenn sie wie bei Netflix eine monatliche Pauschale zahlen, und dann dennoch gezwungen sind, auf einen anderen Anbieter auszuweichen.

Fanhatten hat auch festgestellt, dass nicht selten die verschiedenen Teile einer Filmserie oder Staffeln einer Serie über unterschiedliche Video-on-Demand-Dienst verstreut sind. Wer an einem Wintertag einen Freddy-Krüger-Marathon plant (um beim Genre zu bleiben), dessen Spaß wird mitunter dadurch getrübt, dass die verschiedenen Filme erst einmal im Netz zusammengesucht werden müssen - und dass im schlimmsten Fall für jeden Streifen eine zusätzliche "All you can eat"-Filmflatrate abgeschlossen werden muss. Der Verlockung, alle Titel der Reihe in einer sorgfältig gepackten Torrent-Datei herunterzuladen, wird dadurch nicht gerade kleiner.

Zwar blickt Fanhatten in seiner Zusammenstellung lediglich auf die USA - aber diese ist im Vergleich zum deutschsprachigen Markt sogar noch fortschrittlicher, da die auf der anderen Seite des Atlantiks besonders erfolgreichen, mit einem reichhaltigen Angebot ausgestatteten Aboservices wie Netflix oder Hulu Plus hier bisher durch ihre Abwesenheit glänzen.

Der Grund für die aus Kundensicht vollkommen unerträgliche Fragmentierung liegt in der komplizierten Rechtesituation und den hohen Kosten für die Akquisition der Inhalte. An dieser Sachlage wird sich erst etwas ändern, wenn die führenden Filmstudios gemeinsam einsehen, dass eine Verringerung der von ihnen verursachten Komplexität am Ende für alle Beteiligten die bessere Lösung darstellt.

Der Tag, an dem die 2.300 Horrorfilme, die Fanhatten im "legalen US-Internet" verteilt auf 14 unterschiedlichen Services vorgefunden hat, bei einem einzigen Anbieter und über beliebige Plattformen und Geräte angeschaut werden können - entweder im Abomodell mit monatlicher Pauschale oder als Pay-per-View-Fim - wäre auch der Tag, an dem Piraterie auf einen Schlag unattraktiv wird.

Bis dahin bleibt Usern, die sich von illegalen Angeboten fernhalten möchten, nichts anderes übrig, als viel Zeit für die Recherche aufzuwenden oder Anbieter wie Fanhatten in den USA oder Tweek in Deutschland zu konsultieren. Diese informieren darüber, wo einzelne Filmen und Serien im Netz abrufbar sind.

via ReadWrite

 

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