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23.09.14

Die Zukunft von Apple TV: Der Fernseher ist tot, es lebe das Smart Home

Apple-Chef Tim Cook erinnert Fernsehen nach eigenem Bekunden an die 70er Jahre. Die Anzeichen mehren sich, dass Apples Ambitionen im TV-Bereich darauf hinauslaufen, den Fernseher zur multifunktionellen Steuerungseinheit des Smart Home zu machen.

Smart HomeIn einem Interview im amerikanischen Fernsehen gab Apple-Chef Tim Cook kürzlich folgende Feststellung zu Protokoll: “Denkt darüber nach, wie sehr sich das Leben verändert hat. Geht man aber in das eigene Wohnzimmer und schaut Fernsehen, fühlt sich das fast an, als betritt man eine Zeitmaschine und dreht die Uhr zurück”. TV stecke in den 70er Jahren fest, so die Ansicht des 53-Jährigen.

Über Apples Ambitionen, im großen Stil in das TV-Segment einzusteigen, wird seit Jahren spekuliert. Doch anstatt dass das von manchen prognostizierte Apple-Fernsegerät erschien, beschränkte sich das Unternehmen bislang darauf, seine als “Hobby” (Steve Jobs) gestartete Settop-Box Apple TV sukzessive auszubauen. Diese Strategie ergibt Sinn, denn in Kombination mit iOS-Geräten lässt sich damit nahezu jeder einigermaßen moderne Fernseher in einen Smart TV mit Zugang zum Apple-Ökosystem verwandeln. Die Firma ersparte sich auf diese Weise den Einstieg in ein recht unattraktives, weil margenschwaches und aufgrund der üblichen Maße von TV-Apparaten logistisch anspruchsvolleres Segment. Lieber verkauft sie eine günstige TV-Box sowie mit dieser perfekt harmonierende margenstarke, vergleichsweise einfach zu transportierende Smartphones und Tablets, die noch dazu häufiger von Kunden erneuert werden. Die "große Vision" hinter Apple TV

Die jüngste Äußerungen von Cook verfestigen den Eindruck, dass Apple nicht einfach einen hochpreisigen Fernseher mit Apple-Logo und eingebauten Apple-TV-Features veröffentlichen und damit den Fernseh-Markt aufmischen möchte (selbst wenn das mittelfristig eine ergänzende Komponente darstellen könnte). Hört man Cook genau zu, ruft sich seine Charakterisierung einer “großen Vision” in Bezug auf Apple TV aus dem vergangenen Jahr in Erinnerung und berücksichtigt ein aktuelles Software-Update für Apple TV, das der Box Unterstützung für Apples im Juni präsentierte Smart-Home-Initiative HomeKit spendiert, dann entsteht ein interessantes, vielsagendes Bild: Apple verwandelt den Fernseher in die zentrale Steuer- und Unterhaltungseinheit des vernetzten Hauses.

Das Ende des Fernsehers, wie wir ihn kennen

Dass Fernsehen aus seinem von Cook beschriebenen altertümlichen Zustand zu befreien, bedeutet gemäß dieser Philosophie, sich komplett von der Vorstellung der Rolle des Bildschirms als Monotask-Projektionsfläche für lineare oder zeitunabhängige Bewegtbildinhalte zu befreien. Abgelöst wird das Konzept Fernseher durch ein smartes Betriebssystem, das in der Lage ist, verschiedenste Formen von Aktionen über unterschiedliche angeschlossene Einheiten auszuführen. Die Bereitstellung von wunschgemäßem Mediencontent ist dabei nur einer von vielen Leistungsaspekten. Die Kontrolle von anderen smarten Geräten via HomeKit ist eine andere. An verschiedenen Orten in einer Wohnung aufgestellte Displays fungieren als visuelle Interfaces für das Smart-Home-System. Im Hifi-Segment wurde eine vergleichbare Lösung bereits erfolgreich umgesetzt und etabliert, vor allem von Sonos.

Aktuell deutet einiges darauf hin, dass die Apple TV-Hardware das Herzstück dieses smarten Hauses darstellen wird. Laut Branchengerüchten befindet sich eine neue Version in Planung. Da die Begriffe Fernsehen beziehungsweise Television in Anbetracht des massiv erweiterten Funktionsumfangs der Produktkategorie antiquiert sind und für viele unpassende Assoziationen sorgen, kann ein Namenswechsel, beispielsweise zu Apple Home, nicht ausgeschlossen werden

Apple ist mit seinen Ambitionen freilich nicht alleine. Amazons Fire TV, Sonys PlayStation, Microsofts Xbox und Googles Nest sowie Android TV kämpfen alle um die Hoheit in den Wohnzimmern und auf dem “First Screen”. Durch die Kombination aus Apple TV und HomeKit allerdings besitzt die Firma aus Cupertino einen entscheidenden Vorsprung gegenüber der Konkurrenz, bei der bisher keine Konvergenz von Smart Home und Fernsehen zu erkennen ist.

Enormes Umsatzpotenzial

Die um Apple TV zentrierte Übernahme des Smart Home verspricht für Apple massives direktes und indirektes Erlöspotenzial: Neben Hardware-, Content- und App-Verkäufen winken Einnahmen aus der Lizensierung von Smart Devices für Apple HomeKit (deren Höhe Apple geheim hält, die angeblich bei 4 Dollar pro Gerät liegen sollen) sowie die Option, eigene Hardware zu entwickeln, die unter Apple Brand mitunter gar im Luxussegment positioniert wird. Mit der Apple Watch, die unter anderem in einer vergoldeten Variante zu einem geschätzten Preis im vierstelligen Bereich angeboten werden soll, zeigt das Unternehmen erstmals die Bereitschaft, sich mit einzelnen Produkten gänzlich an ein exklusives Klientel zu richten.

Zwar enthält diese Analyse einiges an Spekulation. Tim Cook wird aber nicht in einem vielbeachteten Interview die Rückständigkeit des Fernsehens anprangern und dann außer On-Demand-Konsum von Content, wie es Apple TV derzeit erlaubt, nichts zu bieten haben. Dass Apple TV zum Mittelpunkt des Smart Home gemacht wird und nebenbei den Fernsehkonsum ins 21. Jahrhundert befördert, sieht momentan nach der wahrscheinlichsten Option aus. Der Fernseher ist tot, es lebe das Smart Home. /mw

Grafik: Led Tv. against white background, Shutterstock

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