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11.10.13

Die IT-Welt feilt am ewigen Leben: Über den Zusammenhang zwischen Unsterblichkeit und Massenüberwachung

Tech-Größen unterstützen Projekte zur Verlängerung des Lebens. Der unsterbliche Mensch rückt in greifbare Nähe. Doch dies animiert zu noch mehr Sicherheitsstreben.

UnsterblichGute Nachrichten: Wer diese Zeilen liest und es schafft, noch 40 Jahre lang zu leben, der wird die Möglichkeit bekommen, unsterblich zu werden. Das zumindest prognostiziert der Aktivist und Futurist Peter Holmes auf Basis aktueller technischer Fortschritte. So ganz abwegig mag diese Prophezeiung nicht sein, bedenkt man, dass mittlerweile selbst IT-Giganten wie Google Ressourcen in die Verlängerung der Lebensdauer investieren . Schon länger engagieren sich Web-Milliardäre wie Sergey Brin und Mark Zuckerberg oder der russische Tech-Investor Yuri Milner bei Initiativen, um Alterskrankheiten zu bekämpfen und das Altern zu verlangsamen. Ausgehend von den enormen Schritten, die Technologie in den vergangen 20 Jahren gemacht hat, ist an der Schnittstelle von Informatik, Gentechnik und Biomedizin mittlerweile alles vorstellbar. Doch während der Kampf gegen das Altern und gegen die damit verbundenen, unangenehmen Nebenwirkungen für einzelne Individuen erstrebenswert ist, existiert ein bedenkenswerter Zusammenhang zwischen dem Streben nach Unsterblichkeit und der aktuellen Überwachungsdebatte.

Wenn es nämlich gelingt, die durchschnittliche Lebensdauer des Menschen nennenswert in den dreistelligen Jahresbereich zu erhöhen, avanciert der Tod immer weiter zu einem Ausnahmeereignis. Schon heute hat die westliche Gesellschaft ihre Probleme im Umgang mit dem Ableben ihrer Mitglieder. Vielen ist das Thema so unangenehm, dass es tabuisiert wird. Entwickelt sich Unsterblichkeit oder eine zumindest deutlich längere Lebensdauer als heute zum Standard, dann bekommt der Tod endgültig den Status einer Rarität. Umso "störender" für das System sind dann die Fälle, in denen doch eine Person von uns geht. Erst recht, wenn zuvor große Summen in deren genetische Manipulation investiert wurden und das Ableben unvorhergesehen passiert, wodurch nicht nur die Angehörige schockiert werden, sondern auch Aufwand für zahlreiche Akteure und Organisationen entsteht, die sich in vertraglichen oder kommerziellen Beziehungen zu diesen Menschen befanden.

Unsere DNA lässt sich vielleicht beliebig manipulieren und "verbessern". Die physische Verwundbarkeit bleibt jedoch bestehen. Wenn durch ewiges Leben der volkswirtschaftliche Wert eines Individuums immer weiter steigt, wird parallel die Bereitschaft zunehmen, dieses Leben um jeden Preis vor dem Eingriff durch Dritte zu schützen. Dieser Preis wird noch stärker als heute ein Opfer der individuellen Freiheit und der persönlichen Grundrechte sein. Denn nur eine flächendeckende, systematische Überwachung könnte überhaupt in die Nähe des Zieles einer kompletten Verhinderung jedweder Disruption eines durch technisch-biologische Ingenieurskunst perfektionierten Lebens kommen.

Bisher war Unsterblichkeit nur ein Traum einiger Science-Fiction-Enthusiasten. Bald könnte sie Wirklichkeit werden. Doch der Preis dafür ist hoch. /mw

(Illustration: Super hero with computer circuit, Shutterstock)

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