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18.01.12

"Die GEMA ist schuld": Grooveshark schließt für Nutzer aus Deutschland - simfy übernimmt

Grooveshark, die "Schurkenseite" unter den Musikstreamingdiensten, ist für Nutzer aus Deutschland nicht mehr zugänglich. Verantwortlich macht der US-Dienst die hiesige Verwertungsgesellschaft GEMA. Eine Partnerschaft mit simfy soll die Nutzer entschädigen.

 

Aktualisiert: Stellungnahmen von simfy und der GEMA am Artikel-Ende.

In den Augen der Musikindustrie ist der US-Dienst Grooveshark seit langem das schwarze Schaf der Streamingdienste und das derzeitige Ziel juristischer Attacken durch die Plattenfirmen. Anders als Konkurrenten wie simfy, Rdio oder Spotify besitzt Grooveshark keine Lizenzverträge mit Labels und Verwertungsgesellschaften, weshalb es der Branche ein Dorn im Auge ist.

Bisher war Grooveshark im Gegensatz zu den Konkurrenten von überall auf der Welt aus abrufbar (eventuelle Ausnahmen inbegriffen), da es sich nicht in jedem Land neu an den Verhandlungstisch mit den involvierten Parteien begeben musste. Doch neuerdings bleibt der On-Demand-Zugriff auf die bei Grooveshark angebotene Musik Besuchern mit einer deutschen IP-Adresse verwehrt.

 

"Aufgrund unverhältnismäßig hoher Betriebskosten stellt Grooveshark den Zugriff aus Deutschland ein", heißt es in einer Meldung auf der Homepage, in der die Verwertungsgesellschaft GEMA für den Schritt verantwortlich gemacht wird: "Wir hoffen, eines Tages zurück zu kommen. Wenn Sie die Betriebskosten für Anbieter wie Grooveshark herabsetzen wollen, können Sie eine höfliche Nachricht an die GEMA zu schicken". Dazu wird eine E-Mail-Adresse der GEMA angegeben.

Zudem präsentiert die Seite eine Berliner Postanschrift in der Bayreuther Straße 37 sowie eine lokale Telefonnummer - beides gehört - wie auf den ersten Blick nicht deutlich wird - zum Berliner Büro der GEMA.

Bei Nutzern aus Deutschland beliebt

Als Ausweichlösung für Grooveshark-Fans aus Deutschland wird mit warmen Worten simfy empfohlen: "Wir hoffen, dass Sie unserer Empfehlung folgen und den populären Musikservice simfy ausprobieren". Das Kölner Startup bietet als einziger On-Demand-Service in Deutschland fünf Stunden kostenfreies Streaming pro Monat.

Update: simfy hat uns gerade darüber informiert, dass es eine Partnerschaft mit der Grooveshark-Betrieberfirma Escape Media Group eingegangen ist, in deren Rahmen deutsche Nutzer auf das simfy-Angebot verwiesen werden. Siehe Pressemitteilung am Artikelende.

Bisher waren es die großen Plattenfirmen, die Stimmung gegen den US-Anbieter gemacht haben, weil ihnen und den bei ihnen unter Vertrag stehenden Künstlern Lizenzeinnahmen entgingen. Aber auch der GEMA, die als größte Verwertungsgesellschaft der Welt gilt, und Verwertungsgesellschaften in anderen Ländern wird es missfallen, dass sie von Grooveshark nicht die von kostenfreien, interaktiven Musikdiensten eingeforderten Lizenzgebühren erhalten, die anschließend an Autoren und Komponisten abgeführt werden.

Warum sich Grooveshark nun ausgerechnet in Deutschland zu einer selbstinitiierten Sperrung entschlossen hat und nicht die Labels sondern die GEMA als Sündenbock präsentiert, ist zum aktuellen Zeitpunkt unklar. Bei der GEMA in Berlin heißt es nur "Kein Kommentar" - dort wird man sich gerade über die Masse an Beschwerden ärgern, die sich per E-Mail und telefonisch über sie ergießt. Wir haben Anfragen an die beteiligten Parteien geschickt und aktualisieren diesen Beitrag, sofern weitere Erkenntnisse auftauchen.

Update: Hier die englischsprachige Stellungnahme von simfy, die im Laufe des Tages verbreitet wird:

January 18, 2012. Cologne, Germany. simfy AG today announced a transatlantic collaboration with US-based Escape Media Group and its music streaming service Grooveshark.  In response to Germany's music streaming regulatory environment, Grooveshark.com has begun referring visits from German IP addresses to simfy.de.  The goal of the agreement is to provide German music fans with continued streaming access to the songs and artists they love.

“We are excited to share our service with Grooveshark users in Germany and provide an uninterrupted stream of great music," said simfy CEO Gerrit Schumann.  "That opportunity comes with great responsibility to delight users and we're committed to do just that.”

Gegenüber heise online distanzierte sich Geritt Schumann unterdessen von Groovesharks Schuldzuweisungen.

Update 2: Hier das offizielle Statement der GEMA , die in ihrer Pressemitteilung auf diesen Beitrag und meine halbironische Bezeichnung "Schurkenseite" (ein Term, der im Kontext von SOPA fällt) verweist:

Der Anbieter Grooveshark hat seinen Dienst in Deutschland - entgegen seiner Angaben - nicht wegen unverhältnismäßig hoher Betriebskosten eingestellt.

Vielmehr weigert sich Grooveshark grundsätzlich, den von ihm betriebenen Dienst überhaupt in irgendeiner Form zu vergüten.

"Grooveshark, die 'Schurkenseite' unter den Musikstreamingdiensten", wie netzwertig.com den Dienst bezeichnet, sieht sich daher aktuell bereits mit Klagen z.B. von Universal Music, Warner Music und EMI Music konfrontiert.

Auch Google und Apple haben kürzlich die Grooveshark-Apps aus dem Android-Market und dem Appstore verbannt.

Anlass der Schließung des Dienstes in Deutschland ist damit nicht, wie durch den Infotext auf der Website von Grooveshark fälschlicher Weise suggeriert wird, eine Uneinigkeit über die Vergütungshöhe, sondern die generelle Tatsache, dass Grooveshark Urheber und andere Rechteinhaber an seinen Umsätzen beteiligen muss.

Falls Ihnen als User von Grooveshark finanzieller Schaden entstanden ist, wenden Sie sich mit Ihren Beschwerden bitte direkt an den Betreiber des Dienstes:

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