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25.10.13

Die enge Partnerschaft ist Vergangenheit: Spotifys Emanzipation von Facebook

Einstmals setzte Spotify alles auf die Facebook-Karte und lagerte selbst Teile seiner Funktionalität an das soziale Netzwerk aus. Seit einiger Zeit aber arbeitet es an seiner Unabhängigkeit. Das Ziel: ein eigenes Social Network rund um Musik.

Es gab mal eine Zeit, da sah es so aus, als würde sich der Musik-on-Demand-Pionier Spotify komplett von Facebook abhängig machen. Das soziale Netzwerk präsentierte den Streamingdienst prominent als Beispiel für die Möglichkeiten seiner Plattform. Im Gegenzug waren Neuregistrierungen bei Spotify ausschließlich mit einem Facebook-Konto möglich. Etwas, das deutschen Datenschützern nach dem Launch des Musikangebots hierzulande bitter aufstieß. Doch für das Unternehmen war die Gelegenheit, als Facebooks "offizieller" Musikpartner in Erscheinung zu treten, einfach zu verlockend. Dem Social Network wiederum ging es darum, so viele Aktivitätsdaten der Spotify-User wie möglich im Rahmen der "Frictionless Sharing"-Initiative auf der eigenen Plattform darstellen zu können. Jede zusätzliche Information über die Präferenzen seiner Mitglieder hilft Facebook, gezielter Werbung verkaufen zu können.

Doch des enge Verhältnis zwischen den zwei Diensten sollte nicht lange anhalten: Frictionless Sharing, also das automatisierte Veröffentlichen von Nutzeraktivitäten in Drittanwendungen bei Facebook, erwies sich aufgrund mangelhafter Kalibirierung seitens Facebook und unzähliger, das Vertrauen der Nutzer missbrauchender Anwendungen, nicht als der erhoffte Erfolg. Der Ticker, der einen fortlaufenden Stream an Aktivitäten von Usern anzeigte, wurde in der neuesten Version der Facebook-Startseite in einen separaten Feed verfrachtet - ich habe dort seit Ewigkeiten nicht reingeschaut. Monate nach dem Deutschlandlaunch entfernte Spotify die Facebook-Barriere für Neumitglieder und gestattet seitdem auch die Registrierung per E-Mail (wie es vor der Partnerschaft mit Facebook in Spotifys Heimatmarkt Schweden auch möglich war). Eine Funktion, um synchron mit anderen Facebook-Freunden über Spotify Musik zu hören, wird von dem sozialen Netzwerk nicht mehr unterstützt. Spotify wird zum sozialen Musiknetzwerk

Eng miteinander verzahnt waren die zwei Services bis vor kurzem noch bei der Nachrichtenkomponente: Wer Spotify-Freunden aus dem Client einen Song in die Inbox legte, der veranlasste damit automatisch den Versand einer Facebook-Nachricht mit angehängtem Link zum jeweiligen Musikstück. Der Musikdienst verzichtete auf ein eigenes Nachrichtensystem und lagerte diese Funktionalität an das Social Network aus. Doch auch dieses Kapitel der Partnerschaft ist mittlerweile geschlossen: Gestern fiel mir auf, dass Spotify nun eine eigenständige, komplett von Facebook losgelöste Messagingfunktion besitzt. Diese erlaubt klassische, chronologisch geordnete Chatkonversationen direkt innerhalb von Spotify. Um eine solche zu initiieren, muss einmalig ein Spotify-Musikstück an den gewünschten Gesprächspartner geschickt werden. Anschließend lässt sich beliebig lange über Gott und die Welt philosophieren. Oder gemeinsam viel Musik tauschen. Jeder gepostete Spotify-Song-Link zeigt direkt innerhalb der Konversation das Cover an und lässt sich sofort abspielen. Erreichbar ist die neue Messagingkomponente über den Desktop-Client sowie die relativ neue Browserversion. Eine kurze Recherche ergab, dass die Funktionalität im August vorgestellt wurde- mir fiel sie erst dieser Tage auf.

Das neue interne Messagingsystem von Spotify

Für die Nutzer von Spotify ist die Emanzipierung des Dienstes von Facebook eine begrüßenswerte Entwicklung. Ihnen bleiben alle Optionen erhalten, um Songs auf ihrer Chronik zu teilen oder sich aus Gründen der Bequemlichkeit mit ihren Facebook-Benutzerdaten einzuloggen. Andererseits werde sie von dem Streaminganbieter nicht dazu gezwungen, für kritische Aktivitäten auf das soziale Netzwerk auszuweichen. Das Chatsystem in Kombination mit dem Spotify-eigenen Aktivitätenstream sowie der auch in diesem Jahr lancierten Follower-Funktion machen deutlich, dass die Schweden ernsthaft an einem sozialen Musiknetzwerk arbeiten - wie von meinem Kollegen Jürgen Vielmeier erst kürzlich gefordert. Noch wirkt das Resultat relativ schlecht strukturiert, funktionell unausgegoren und etwas verwirrend. Fakt ist aber: Spotify hat erkannt, dass es nicht auf Facebook angewiesen ist, um seinem Ziel näher zu kommen. Auch deshalb, weil es dem sozialen Netzwerk nicht gelungen ist, sich als attraktive Distributions- und Kommunikationsplattform rund um Musik zu behaupten. /mw

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