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02.01.12

Die dritte Phase der Vernetzung: Das Internet der Dinge wird Realität

Nachdem erst stationäre Computer und dann mobile Endgeräte den Zugriff auf das Web erlernten, erhalten sukzessive immer mehr Apparate eine Onlineanbindung. 2012 werden viele Menschen erstmals bewusst mit dem Internet der Dinge in Kontakt kommen.

 

Foto: stock.xchng/bigevil600Die globale Vernetzung verläuft in drei Etappen: In Phase 1, die ihren Höhepunkt rund um die Jahrtausendwende erlebte, erhielten stationäre Rechner und Laptops die notwendigen technischen Voraussetzungen, um auf das Internet zugreifen zu können.

Nachdem dies sichergestellt war, folgten Mobiltelefone. Jahrelang wurde immer wieder aufs Neue der Durchbruch des mobilen Internets angekündigt. Wenn mittlerweile fast 40 Prozent der 800 Millionen aktiven Facebook-Mitglieder auch über ihre Handys (sowie die neue mobile Produktkategorie der Tablet-PCs) auf das Social Network zugreifen, lässt sich ruhigen Gewissens konstatieren, dass dem mobilen Web zwar noch erhebliches Wachstumspotenzial innewohnt, aber dass es bei Konsumenten auf breiter Front angekommen ist. In Deutschland besitzen immerhin schon rund 20 Millionen Menschen ein in der Regel für das mobile Web optimiertes Smartphone.

Das Debüt der mobilen Webnutzung als Massenphänomen markiert gleichzeitig den Übergang von der zweiten zur dritten Vernetzungsphase.Nach stationären sowie tragbaren Rechnern und mobilen Geräten wie Smartphones und Tablets werden wir in angebrochenen Dekade erleben, wie sukzessive alle elektronischen Apparate und Maschinen in unserem alltäglichen Umfeld internetfähig werden und neue, für spezifische Szenarien konzipierte Geräte hinzukommen. Ericssons Schätzung von 50 Milliarden mit dem Netz verbundenen Geräten im Jahr 2020 ist mittlerweile berühmt und - wenn auch Werbung in eigener Sache für den Telekomausrüster - hinsichtlich ihrer grundsätzlichen Botschaft realistisch.

Das Internet der Dinge: Aus Theorie wird Praxis

Im Jahr 2012 wird das sogenannte "Internet der Dinge" von einem nur von Technologiekennern beachteten Thema zu einem allgegenwärtig wahrzunehmenden und viel beachteten Trend avancieren. Anzeichen dafür gibt es zur Genüge, und mit dem Ausbau von Breitbandnetzen sowie dem neuen Internetprotokoll IPv6 ist zumindest in städtischen Regionen der grundsätzliche Rahmen dafür abgesteckt, dass für jede neu mit Connectivity ausgestattete Hardware eine IP-Adresse und ausreichend Bandbreite bereitsteht.

Der Weg zum Internet der Dinge als finaler und dabei auch weitreichenster Schritt der vollständigen Vernetzung lässt sich bei der Analyse in verschiedene Teilaspekte zerlegen, deren Entwicklung parallel von statten gehen kann. Während für die Klassifizierung sicherlich unterschiedliche Ansätze vorstellbar sind, erscheint mir aus heutiger Sicht die Eintteilung in drei Kategorien sinnvoll: Spezialisierte Medienkonsumgeräte, neuartige Produktarten mit Internetanbindung sowie existierende Produktgattungen und Dinge, die künftig über einen eigenen Draht ins Web verfügen. Die Übergänge hierbei sind mitunter fließend.

Das Ende der "dummen" Medienkonsumgeräte

Gerade für den Bereich spezialisierter, mit dem Netz verbundener Medienkonsumgeräte ist für 2012 mit einem Boom zu rechnen. E-Book-Reader, Spielkonsolen und Fernsehgeräte werden zu den Treibern dieser Entwicklung gehören. Gemein haben die Produkte dieser Kategorie, dass sie im Gegensatz zu herkömmlichen PCs, Notebooks, Smartphones und Tablets, bei denen es sich eher um Generalisten handelt, Spezialisten darstellen, die ausgewählte Anwendungsfälle besonders gut abdecken und denen die Möglichkeiten des Internets Intelligenz und Flexibilität verschaffen soll.

"Im Sommer 2012 wird die Mehrheit aller Fernseher, die man in den Läden sieht, Google TV integriert haben", ist Google-Verwaltungsrat Eric Schmidt überzeugt. Der ehemalige Google-CEO scheint guten Mutes zu sein, dass das bisher eher schleppend angelaufene Prestigeprojekt des Internetriesens im neuen Jahr in die Wohnzimmer von Millionen Menschen finden und damit endlich die seit einer gefühlten Ewigkeit erwartete Konvergenz von Computer und Fernseher zur Realität machen wird. Behält die Gerüchteküche recht, bringt auch Apple 2012 einen cloudgestützten Fernseher auf den Markt. Mit Blick auf die Wirkung, die iPod, iPhone und iPad auf ihr jeweiliges Segment hatten, können die Erwartungen an die Apple-"Glotze" eigentlich kaum zu groß sein.

Auch drahtlos mit dem Netz verbundene Musiksysteme von Jawbone, VOCO, Logitech oder Sonos sind spezifische Medienkonsumgeräte. Sie beziehen ihre abzuspielenden Klänge ganz oder teilweise aus dem Internet, ohne dabei an einen Computer angeschlossen werden zu müssen.

Je nach Blickwinkel könnten derlei Systeme auch in die Kategorie neuartiger, internetfähiger Produktarten fallen: In dieser finden sich allerlei noch im frühen Produktlebenszyklus befindliche Apparte und Gadgets, welche auf die Omnipräsenz von (drathlosen) Internetverbindungen bauen, um in dieser Form bisher unmögliche Anwendungsbereiche zu eröffnen und zu erproben.

Fitbit, Up und Nest - Dinge, die erst das Internet möglich macht

Vertreter hierfür sind beispielsweise das drahtlose Fitness-Messgerät von Fitbit, das die körperlichen Aktivitäten seiner Besitzer misst und webbasiert analysiert und seziert, oder das für ähnliche Zwecke gedachte smarte Armband Up von Jawbone. Auch wenn derartige Produkte zur Optimierung des eigenen Lebens bisher primär Early Adopter ansprechen und für Kinderkrankheiten anfällig sind, geben sie einen Vorgeschmack darauf, wie die um sich greifende Vernetzung die Grenzen zwischen Online und Offline verschwimmen lässt. Gleiches gilt auch für [Update] die WiFi Personenwage von Withings, den Energiemanager QGate sowie für [Update Ende] das intelligente Thermostat Nest, das nicht zuletzt mittels seiner Cloudanbindung dabei helfen soll, bei minimalem Energieverbrauch eine optimale Raumtemperatur zu erreichen.

Da Apparaturen zur Regelung der Temperatur schon lange existieren, wäre es nicht falsch, Nest zur dritten Kategorie der drei Glieder des Internet des der Dinge zuzuordnen: Existierende Produktgattungen, denen das Web neue Fähigkeiten verleiht. Hier finden sich die futuristischsten Beispiele, vom Smart Home über intelligente Waschmaschinen und Kühlschränke bis hin zum internetgestützten und mitunter sogar selbstfahrenden Automobil.

Dass bis Ende 2012 mehr als eine Minderheit in den Genuss von solchen Sci-Fi-Technologien kommen wird, ist natürlich unwahrscheinlich. Doch Nest, Connected-Car-Initiativen von zum Beispiel Toyota und BMW oder Googles (verspätetes) Android@Home-Projekt unterstreichen exemplarisch, dass noch vor zehn Jahren als ferne Zukunftsvisionen geltende Unterfangen immer näher an die Konsumenten heranrücken und in deren Bewusstsein vordringen.

Der Blick auf das Internet verändert sich 

2010 und 2011 standen ganz im Zeichen des mobilen Internets. Es ist zu erwarten, dass sich 2012 der Blick von Herstellern, Marketern und Konsumenten auf das Netz ein weiteres Mal erweitert. Erstmals wird bei einem signifikanten Teil der Verbraucher die Erkenntnis Einzug halten, dass Internet nicht mehr länger nur E-Mail, Onlinebanking, Facebook und das Starren auf (mitunter immer den selben) einen Bildschirm bedeutet. Künftig gilt: Jedes Gerät, das über eine Stromzufuhr verfügt, kann über das Internet angesprochen werden. Dieser Paradigmenwechsel braucht Zeit, doch das Fundament für diese Entwicklung steht. In den nächsten zwölf Monaten werden viele damit beginnen, darauf zu bauen.

(Foto: stock.xchng/bigevil600)

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