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26.09.17

digitale Welt

Die Digitalisierung als Chance

Quelle: Thinkstock © Peshkova

Das Schlagwort Digitalisierung umtreibt die deutschen und internationalen Unternehmen bereits seit einigen Jahren. Obwohl noch immer viele Betriebe die Umstellung auf digitale Kanäle, Vertriebsmethoden und Produktionsarten scheuen, sinkt die Angst vor dem Unbekannten immer mehr. Das ist auch gut so. Wollen hiesige Unternehmen konkurrenzfähig bleiben, muss die neue Technologie genutzt werden. Tatsächlich eröffnet die digitale Welt viele spannende neue Tätigkeitsfelder und kann zudem bei der Optimierung bestehender Prozesse helfen. Man muss dem Digitalen nur eine Chance geben.

Keine Angst mehr vor dem Neuen

Laut einer aktuellen Studie des IT-Branchenverbandes Bitkom sehen mehr als 90% der Unternehmer in Deutschland die Digitalisierung als Chance. Nur wenige stellen die damit verbundenen Risiken in den Vordergrund. Damit wird digitale Technologie nun auch in der Wirtschaft als das begriffen, was es ist, nämlich eine technologische Weiterentwicklung, die gerade für Unternehmen enorm wertvoll ist und auch noch weiter werden wird. Damit verbunden ist allerdings auch eine soziale Verantwortung. Die Digitalisierung wird in vielen Branchen Jobs kosten, aber auch neue Arbeitsplätze schaffen. Diese Umwälzung sozialverträglich mitzugestalten, ist nicht nur eine Aufgabe der Politik, sondern ebenfalls eine Aufgabe der Unternehmen. Kurioserweise bremst momentan ausgerechnet die starke Konjunkturlage die Mühen um mehr Digitalisierung. Frei nach dem Motto: Es läuft doch auch ohne ganz gut. Dass dieser Schuss nach hinten losgehen kann, dürfte dabei wohl klar sein.

Fehlendes Know How wird angegangen

Eines der größten Probleme der digitalen Welt ist der Mangel an Spezialisten. Die Bitkom-Studie sagt aus, dass dies auch das Hauptproblem der befragten Unternehmer ist. Vier von fünf Befragten wissen, dass ihre Mitarbeiter mehr Digitalkompetenz benötigen. Mehr als die Hälfte aller Unternehmer sagten aus, sie fänden keine geeigneten Fachkräfte. Generell ist der Arbeitsmarkt weitaus träger und langsamer als die turboschnelle digitale Entwicklung. Selbst Top-Leute halten mit den neuen technologischen Möglichkeiten kaum Schritt. Da wundert es kaum, dass in vielen Betrieben händeringend nach den sogenannten Digital Natives gesucht wird. Doch die Antwort auf das Problem ist auch eine demographische. Die neue Generation an Arbeitskräften, die mit dem Internet, High Tech Geräten und der Logik webbasierter Anwendungen aufgewachsen ist, wird sich den Aufgaben viel besser stellen können, als die Masse der älteren Arbeitnehmer, die im Studium noch eine Schreibmaschine benutzt haben.

Neue Möglichkeiten in vielen Branchen

Die Studie der Bitkom zeigt, dass branchenübergreifend die Chancen der Digitalisierung wertgeschätzt werden. Die produzierende Industrie – wie Automobilkonzerne oder Pharmaunternehmen – profitieren von der Digitalisierung vor allem im Produktionsprozess, etwa durch Roboter und effiziente Maschinen. Andere Branchen sehen die Digitalisierung vor allem als Mittel, Kunden zu erreichen – etwa im Tourismus oder bei Versicherungen. Lediglich Handel und Handwerk sind skeptischer. Hier wird die digitale Welle oft als Konkurrenz begriffen, obwohl die Werkezeuge der digitalen Welt, also Online-Shops und Webseiten, ausnahmslos jedem zur Verfügung stehen. Wenn es an der Umsetzung scheitert, dann ist es eben leichter, schnell mal Amazon und Co verantwortlich zu machen.

Beispiel Medizinsektor

Ein sehr konkretes und dabei äußerst positives Beispiel für gelungene digitale Power in einem traditionellen Sektor zeigt der medizinische Bereich. Wie das Bundesministerium für Bildung und Forschung berichtet, sorgen digitale Datensysteme und der sekundenschnelle Austausch von Patientendaten unter Ärzten und Spezialisten dafür, dass heute effizienter und erfolgreicher denn je behandelt werden kann. In einem Sektor, in dem Zeit und schnelles Handeln buchstäblich lebenswichtig sind, können digitale Daten über Körperwerte, Blutgruppen und Organverträglichkeiten heute so schnell wie nie zuvor abgerufen werden. Das Ganze hat dabei natürlich auch eine finanzielle Dimension. Je effizienter und schneller ein Prozess abläuft, umso kostensparender ist er. So können Patienten heute mit weniger Aufwand besser versorgt werden und die Gesundheitssysteme werden dabei auch noch entlastet.

Flexible Effizienz im OP

Wenn man noch einen Schritt konkreter werden möchte, kann man sich einmal einen modernen Operationssaal anschauen. Natürlich sind bestens ausgebildete Ärzte und Schwestern nach wie vor das Wichtigste für eine erfolgreiche Behandlung. Doch schon bei der Effizienz und Genauigkeit der Geräte und Konsolen im OP sind dem Ärzteteam Grenzen gesetzt. Ein Arzt kann nur so gut operieren, wie es die Daten, die ihm gegeben werden, zulassen. Mit einem System, welches die vorhandenen Daten sammelt und aufbereitet und für die verschiedenen Geräte nutzbar macht, operiert es sich nicht nur erfolgreicher, sondern auch schneller und mit weniger Leerlauf. Der Berliner High Tech Anbieter S-CAPE geht sogar noch einen Schritt weiter. Mit einem ehrgeizigen Projekt namens Prime365 will das Team rund um Geschäftsführer Björn von Siemens nicht nur die Geräte im OP, sondern auch alle Datennetzwerkschnittstellen im ganzen Krankenhaus und darüber hinaus miteinander vernetzen. So wäre es möglich, mitten in einer Operation auf Knopfdruck wichtige Daten vom Hausarzt des Patienten einzuholen oder aber die Intensivstation schon einmal mit den wichtigsten Werten zu versorgen, damit die Kollegen dort bestens auf den neuen Zugang eingestellt sind.

Der strategische Wille ist entscheidend

Ob es nun in einem Operationssaal oder in einer Produktionshalle, in einem Ladengeschäft oder bei der Abwicklung eines Immobilienkaufs ist – digitale Produkte und Lösungen sind in allen Branchen eine Bereicherung. Wer das immer noch anzweifelt, der wird aller Voraussicht nach im digitalen Wettbewerb wenig Chancen haben. Zumindest aber wird er Chancen verpassen, die sich aus der Nutzung der digitalen Welt ergeben. Digitalisierung ist nichts, wovor man Angst haben muss. Die Angst ist zwar verständlich, aber sie hemmt, wenn ein Unternehmen wachsen soll. Wer das begriffen hat und die Scheu vor dem Digitalen überwindet, der wird auf der Gewinnerseite stehen – es muss ja nicht unbedingt im OP sein.

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