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16.08.13

Der nächste Versuch: Mylo glaubt an das Smartphone als Kontaktknüpfungswerkzeug

Das Düsseldorfer Startup Mylo will mit seiner App zum Kennenlernen von Leuten in der Umgebung in einem Segment für Furore sorgen, welches bisher mit Ausnahme von Dating-Apps bei der breiten Masse der Nutzer auf wenig Resonanz stieß. Doch der jetzt für iPhone erhältliche Dienst hat einige Argumente auf seiner Seite.

MyloStandortbasierte soziale Netzwerke zum Entdecken von Menschen in der Umgebung sind, wenn man einmal vom Datingsegment (Badoo, Lovoo, Tinder) absieht, weit hinter ihren Erwartungen zurückgeblieben. Ob Highlight, aka-aki, Banjo, Sonar, Gauss oder F1eld - der Durchbruch gelang keinem Anbieter. Doch was nicht ist, kann ja noch werden, dachten sich Marcel Vandieken und Martijn Storm, und begannen vor einem Jahr, an der Idee zu Mylo zu feilen. Ab sofort steht die Anwendung kostenlos im App Store, im Herbst 2013 soll eine Android-App folgen.

Der Name "Mylo" steht für "My local network" und beschreibt ganz gut, worum es den Düsseldorfern geht: Mylo-Nutzer sollen mit wenig Aufwand interessante, für sie privat oder beruflich nützliche Kontakte in der unmittelbaren Umgebung finden können. Nach der Registrierung ermöglicht Mylo Anwendern das Verknüpfen ihrer Profile mit ihren Konten bei Xing, LinkedIn, Facebook und Google. Die dadurch gewonnenen Informationen verwendet der Dienst sowohl, um damit das persönliche Profil auszufüllen - jeweils mit granularen Privatsphäre-Optionen - sowie um in den Resultaten von Personensuchen gemeinsame Kontakte mit "entdeckten" Mylo-Usern aufzuzeigen. Wer über die orts- und stichwortsensitive "Search & Discover"-Funktion auf Mylo-Benutzer um die Ecke stößt, sieht somit sofort, ob es gemeinsame Bekannte bei den mit Mylo verbundenen Social Networks gibt, und kann anschließend über die Messaging-Funktion Kontakt aufnehmen. Permanentes Geotracking mit Pausieren-Funktion

Mylo soll Anwendern dabei helfen, lokale Geschäftskontakte zu finden, die Nachbarschaft kennenzulernen und (bei dem Dienst registrierte) Freunde zu treffen, die gerade in der Nähe sind. Die App ermittelt dazu im Hintergrund regelmäßig den aktuellen Standort und gleicht diesen mit dem anderer Nutzer ab. Über einen zentralen Pausieren-Button in der linken Navigationsleiste lässt sich das Geotracking bei Bedarf schnell abschalten oder wieder aktivieren.

Mylo

Xing-Integration als Alleinstellungsmerkmal

Eigentlich bringt Mylo wenig an Funktionalität mit, was es nicht bei den Kontrahenten schon in der einen oder anderen Ausformung gab oder gibt. Einige Aspekte sprechen jedoch dennoch für die App. Zum einen ist das die Integration mit Xing, welche bei sämtlichen Konkurrenten fehlt, aber aufgrund des anhaltenden Erfolgs des Geschäftsnetzwerks im deutschsprachigen Raum für User hierzulande durchaus ein nicht unwesentliches Alleinstellungsmerkmal darstellt. Über das "Mutal Friends"-Feature sehen User direkt, ob sie mit einem anderen Mylo-Mitglied gemeinsame Kontakte bei dem Business Network haben, woraus sich ein guter Gesprächseinstieg ergeben könnte.

Gefühlter Schwerpunkt auf Geschäftskontakten

Auch liegt der Fokus von Mylo im Gegensatz zu der Konkurrenz deutlicher auf dem Business-Kontext, selbst wenn die Rheinländer in der Positionierung den Spagat wagen und private sowie geschäftliche Einsatzszenarien abdecken möchten. Bisher wurden von Startups nur wenige Versuche unternommen, Business Networking und People Discovery miteinander zu vermählen (Intro geht in diese Richtung), insofern besteht die Möglichkeit, dass Mylo bisher nicht erschlossenes Potenzial anzapft.

Ein weiterer Pluspunkt ist die nette, solide und intuitive Gestaltung und Konzeption der App, die sich gut bedienen lässt und Anwender relativ schnell an die wichtigsten Funktionen heranführt. Und letztlich darf man auch den Faktor Zeit nicht unterschätzen: People-Discovery-Pionier aka-aki war eindeutig seiner Zeit voraus, und auch die späteren Protagonisten entstanden in einer Periode, in der Smartphones für viele Nutzer noch nur langsam und zögerlich erforschtes Neuland darstellten. Mag sein, dass sich der Sommer 2013 als deutlich idealerer Launchzeitpunkt für eine App erweist, die das Mobiltelefon in der Hosentasche zu einem Interaktionswerkzeug mit der Umgebung macht.

Es ist eine abgedroschene Phrase, aber ob diese Stärken von Mylo ausreichen, um die App in Sphären vorstoßen zu lassen, die für die bisherigen Akteure in dem Segment unerreichbar blieben, wird die Zeit zeigen. Neben eigenen Mitteln der Gründer soll eine geplante Seed-Finanzierung die nötigen Ressourcen für die Lancierung der Android-App einbringen. Ab November soll ein Freemium-Modell mit einer kostenpflichtigen Premiumversion erste Umsätze generieren (momentan erhält jeder User kostenfrei die Premium-Features), außerdem ist standortbasierte Werbung als weitere Erlösquelle vorgesehen.

Zwei abschließende Anmerkungen: Wenn Anwender soziale Netzwerke mit Mylo verbinden, versucht die App, sie zum Einladen aller ihrer dortigen Kontakte zu animieren. Wer dies nicht will, muss dazu das Häkchen bei "All" entfernen. Ein Opt-In wäre vertrauenserweckender.  Und auch wenn das Logo hübsch aussieht: Die Ähnlichkeit zu dem Schriftzug von Airbnb ist auffällig. /mw

Link: Mylo

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