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27.10.10

Datenschutz im Netz: Rapleaf weiß, wer du bist

Der Marketingdienstleister Rapleaf hat eine Milliarde E-Mail-Adressen gesammelt und mit Personenprofilen sowie vollständigen Namen verknüpft. Einmal mehr wird deutlich, dass Datenschutz und Internet nicht wirklich zueinander passen.

 

Viele zu lesen gab es in den letzten Tagen über ein US-Unternehmen namens Rapleaf. Die Firma aus San Francisco bietet Marketingdienstleistungen für Firmen und Organisationen, im Mittelpunkt stehen dabei E-Mail-Adressen von Internetnutzern - eine Milliarde sollen es mittlerweile sein, welche sich durch verschiedene Crawler-Techniken in der Datenbank des kalifornischen Unternehmens angesammelt haben.

Seinen Kunden ermöglicht Rapleaf, die Validität von E-Mail-Adressen zu überprüfen, und - da Rapleaf zu jeder Adresse ein Personenprofil erstellt - weitere Angaben zum jeweiligen User zu erfahren. Zu den Firmen, die auf Rapleafs Datenbank zugreifen, gehören unter anderem Onlinehändler, Hotels, Werbeagenturen, Markenanbieter und Tech-Startups.

Während es eine Vielzahl von Firmen gibt, die das Nutzungs und Surfverhalten von Anwendern im Web analysieren, um eine zielgenauere Werbeansprache zu ermöglichen, unterscheidet sich Rapleaf von der Konkurrenz, da es Personenprofile mit Namen und E-Mail-Adressen verknüpft.

Zwar ist unklar, inwieweit Rapleaf auch vollständige Namen an seine Kunden übermittelt, aber schon die Praxis der Verknüpfung von Präferenzen und Interessen mit Namen und E-Mail-Adressen ist ein Novum.

Rapleaf bietet jedem User die Möglichkeit eines Opt-Outs, entweder nur aus der weiteren Aufzeichnung von Präferenzen über Cookies, oder vollständig in Form einer Deaktivierung des eigenen Personenprofils. Rapleaf erlaubt auch einen Einblick in die Informationen, die es über die eigene Person gesammelt hat.

Wer kein Problem damit hat, sich zuvor bei Rapleaf registrieren zu müssen (die Wahrscheinlichkeit, dass Rapleaf eure E-Mail-Adresse ohnehin schon besitzt, ist groß) sollte sich diesen "Spaß" ruhig einmal machen.

Von mir kannte Rapleaf nach der Eingabe meiner E-Mail-Adresse den vollständigen Namen und Wohnort, das Alter sowie einige sehr allgemein gehaltene Präferenzen (ich bin am Thema "Social Networking" interessiert). Anderswo ist man eher enttäuscht von der Qualität des Rapleaf-Personenprofils.

Ich gehe davon aus, dass Rapleaf nur die Spitze des Eisberges ist, weshalb ich auch (zu erwartenden) Aktionismus gegen das Unternehmen für kaum sinnvoll halte. Wer sich im Internet bewegt, hinterlässt Spuren, und diese werden von Analyse-, Marktinforschungs- und Werbeunternehmen aufgelesen, neu zusammengestellt und an alle die verkauft, die anhand dieser Informationen gezielter werben und kommunizieren wollen.

Manchen mag es bei diesem Gedanken eiskalt den Rücken herunterlaufen. Andere pochen wahrscheinlich sofort auf nationale Gesetze, die ein Rapleaf-artiges Vorgehen untersagen. Das mag so sein. Doch das Netz ist global. Spätestens wenn ein User das "deutsche" Internet verlässt und sich auf eine Website begibt, die ihren Sitz in einem anderen Staat hat, sind die heimischen Datenschutzgesetze Makulatur.

Was kann man tun? Nur die Informationen im Netz hinterlassen, bei denen man damit leben kann, wenn diese von Unternehmen irgendwo auf der Welt weiterverwendet werden. Und die eigene Einstellung zum Datenschutz überdenken (nicht die bei Facebook oder studiVZ, sondern die im Kopf!). Je vehementer und umfangreicher die persönlichen Privatsphäre- und Datenschutzprinzipien sind, desto unerträglicher und frustrierender werden die nächsten Jahre im Netz (und nicht nur da).

Ich habe den Opt-Out aus der Rapleaf-Datenbank gewählt. Ob ich deshalb zu einem glücklicheren Menschen werde, bezweifle ich aber.

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