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08.04.14

Dash: Was ein Lebensmittel-Onlinekäufer von Amazons neuem Handscanner hält

Mit Dash hat Amazon in den USA einen Handscanner für die einfache Onlinebestellung von Lebensmitteln veröffentlicht. Ob Kunden von dem Gadget tatsächlich Gebrauch machen, ist für den Konzern aber zweitrangig.

Dash

Ende der vergangenen Woche präsentierte Amazon für die Kunden seines in den USA angebotenen Online-Lebensmittel-Angebots Fresh einen WLAN-fähigen Handscanner namens Dash. Zu Anfang war ich unentschlossen, ob es sich bei dem kostenfrei über eine Einladungsliste angebotenen Gadget um eine kleine Revolution oder ein überflüssiges Stück Plastik handelt. Mittlerweile glaube ich, dass nichts davon zutrifft. Als leidenschaftlicher und überzeugter Onlinebesteller von Lebensmitteln sind mir die damit zusammenhängenden Prozesse und Herausforderungen gut bekannt. Sicherzustellen, dass man für eine bevorstehende Lieferung tatsächlich alle benötigten Waren ordert, gehört zu den kleinen Schwierigkeiten, die leicht zu kurzen Momenten der Irritation führen können, wenn dann in den Tüten doch Milch, Äpfel oder Müsli fehlen. Als Kunde ist man allerdings nicht extra auf einen zusätzlichen Handscanner angewiesen, um derartige Szenarien zu vermeiden: Mobile Apps von Internetsupermärkten beinhalten in der Regel einen Barcode-Scanner, mit dem sich per Smartphone-Kamera im Haushalt befindliche Waren in die Bestellliste legen lassen.

Im Laufe meiner "Karriere" als Online-Lebensmittel-Shopper hat es sich zudem als effektiver erwiesen, für eine Bestellung die Einkaufsliste des letztens Kaufs als Grundlage zu nehmen und granular zu modifizieren, anstatt jeweils von null alle benötigten Lebensmittel und Haushaltsgegenstände neu auszuwählen. Diese Liste einmal zu erstellen, kostete etwas Zeit, anschließend lässt sich mit ihr jedoch relativ schnell der monatliche Großeinkauf durchführen.

Für mich - und ich glaube, für viele Ein- und Zweipersonenhaushalte, die nach ähnlichem Muster verfahren - bringt ein Gadget wie Dash in der aktuellen Form keine signifikanten Erleichterungen. Daran kann auch die ebenfalls unterstützte Spracheingabe per integriertem Mikrofon nichts ändern.

Anders sieht es vielleicht für Familien mit Kindern aus. Eventuell könnte Dash, an einem festen Platz in der Küche postiert, als offiziell anerkanntes Instrument etabliert werden, um "kollaborativ" Waren zu notieren, von denen Nachschub benötigt wird. Amazon könnte Regeln und Autobestell-Optionen anbieten, womit sich automatische Einkäufe abwickeln lassen, wenn spezifische Produkte gescannt werden. Sofern es Familien gelingt, einen dazu passenden Verhaltenskonsens zu etablieren, würde Dash gegenüber den meist personenbezogenen Smartphones sowie der guten alten, nicht direkt mit Amazon verbundenen Paperliste deutlich mehr Komfort bieten.

Allerdings dürfte sich auch für die meisten größeren Haushalte eine Standard-Einkaufsliste, die vor einer Bestellung aktualisiert wird, als effizienteste Methode der Onlinebestellung von Lebensmitteln erweisen. Dash würde dann nur eine Nebenrolle einnehmen.

Wahrscheinlich ist Amazon selbst gespannt, wie und ob Dash von den Kunden angenommen wird. Auch wenn diese am Ende erkennen sollten, dass ihnen der Handscanner relativ wenig bringt, profitiert der Onlineriese in jedem Fall vom PR-Effekt seines Vorstoßes. Amazon geht es nicht darum, dass User mit Dash jeden Tag wie wie verrückt die Barcodes von Ketchup-Flaschen und Milchkartons scannen. Ziel ist es, Konsumenten auf die relativ junge "Supermarkt"-Sparte aufmerksam zu machen und in regelmäßige Kunden zu verwandeln. Dash erfüllt diese Aufgabe und besitzt zudem eine "Word-of-Mouth"-Komponente, wenn nämlich Besucher auf den an prominenter Stelle in der Küche platzierten Scanner aufmerksam werden. Dash ist eine Art physisches Symbol für Amazons Online-Supermarkt, das wie die stationären Geschäfte eine erinnernde, zum Einkaufen animierende Funktion einnimmt.

Die Durchführung des Experiments Dash hat sich für Amazon bereits dann gelohnt, wenn es die Möglichkeit der Online-Bestellung von Lebensmitteln über den Konzern ins Gespräch bringt. Ob Kunden dann über Dash, mobile Apps oder das Webinterface bestellen, ist aus Sicht von Amazon zweitrangig. Wie Jochen Krisch bei Exciting Commerce bemerkt, hätte eigentlich eine etablierte Supermarktkette mit starker Onlinepräsenz eine solche Idee haben können. Doch wie so oft fällt es den Etablierten schwer, unkonventionell zu denken. Für Amazon dagegen ist gerade das eine Paradedisziplin. /mw

Hier noch Amazons klischeebeladener Werbespot für Dash.

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