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27.01.14

Das vielleicht nächste große Ding nach dem Internet: Bitcoin und die Chance für Frauen, eine neue Männerdomäne zu verhindern

Manche halten das Bitcoin-Protokoll für ähnlich richtungsweisend, wie es einst die Erfindung des PCs und Internets waren. Das ist die große Chance für Frauen, eine Wiederholung der für die Internetwirtschaft typischen Männerdominanz zu verhindern, findet eine Bloggerin.

Männerdominanz bei Bitcoin-Event

In den ersten Jahren des kommerziellen Internets war das Web eine absolute Männerdomäne. Eine W3B-Umfrage bezifferte 1997 den Frauenanteil bei den Usern auf mickrige 10,5 Prozent. Gemäß GFK waren es 30 Prozent. Erst zehn Jahre später hatte sich das Geschlechterverhältnis einigermaßen normalisiert. Für Deutschland konstatierte das BITKOM erst im April 2011, dass das Internet nicht mehr von Männern beherrscht werde. Weil Frauen dem "WWW" nur zögerlich gegenübertraten, waren es auch Männer, die Unternehmen in diesem Segment gründeten und finanziell von der Entwicklung zum Massenmedium profitierten. In der Liste der 100 reichsten Internetentrepreneure finden sich lediglich fünf Frauen.

Dabei gilt es zwar zu bedenken, dass Frauen grundsätzlich seltener gründen als Männer. Doch 2012 waren immerhin 37 Prozent aller Personen, die sich in Deutschland selbstständig machten, weiblich. Insofern liegt die Vermutung nahe, dass die Zurückhaltung von Frauen im Bezug auf das Internet abgesehen von sozialen und strukturellen Ursachen zumindest einen Grund für die geringe Zahl weiblicher Internetmogule darstellt. Die an Kryptowährungen interessierte Bloggerin Arianna Simpsons befürchtet, dass sich die Geschichte bei der womoglich nächsten revolutionären Technologie wiederholen wird: Bitcoin. Bloggerin ruft Frauen zu Bitcoin-Engagement auf

In einem Blogbeitrag schildert Simpson, die laut LinkedIn als Account Managerin bei Facebook arbeitet, wie sie auf einem Bitcoin-Meetup als eine von zwei anwesenden Frauen mit allerlei Respektlosigkeiten und geschlechterspezifischen Rollenklischees konfrontiert wurde. Anstatt den Artikel primär als Ventil für ihre Irritation über männlichen Alltagssexismus in Tech- und Startup-Kreisen zu nutzen, nimmt sie ihre Erlebnisse zum Anlass, Frauen zum verstärkten Engagement in der Bitcoin-Community aufzurufen.

Gemäß Simpsons Erfahrungen sind es vorrangig Männer, die sich für Bitcoin interessieren, mit der virtuellen Währung experimentieren oder sie gar als Ausgangspunkt für Startups nutzen. Persönlich war ich als eher passiver Bitcoin-Beobachter noch nie auf einem entsprechenden Meetup, bekomme aber mit Blick auf die zahlreichen Blogbeiträge und Diskussionen zum Thema den gleichen Eindruck wie Simpson: Bitcoin ist eine Männerdomäne, so wie das Internet in seiner Frühphase eine Männerdomäne war. Auch anderswo wird das Geschlechterungleichgewicht debattiert.

Frauen verpassen die nächste Chance

Simpson treibt deshalb die Sorge um, dass Frauen abermals einen wichtigen technologischen Trend und damit auch Möglichkeiten einer unternehmerischen, kompetenzspezifischen oder finanziellen Etablierung verpassen: "If women fail to take an active interest in Bitcoin now, when it is still in its infancy and its potential is largely untapped, we will have yet another sector in which the gender is underrepresented and trailing".

Ob man der Bitcoin-Anhängerin bei dieser Feststellung Recht gibt oder nicht, hängt von der individuellen Bewertung der Chancen von Bitcoin ab. Ein Gegenargument wäre, dass Frauen deutlich schlauer sind als Männer, indem sie sich und ihre begrenzte Zeit nicht sofort auf eine Spekulationsblase im Gewand einer vorgeblich disruptiven Technologie stürzen. Wer aber, wie Netscape-Erfinder und Startup-Investor Marc Andreessen, dem Bitcoin-Protokoll eine ähnlich hohe Bedeutung zumisst wie dem PC und dem Internet, der müsste Simpson zustimmen: Dass Frauen bislang im Bezug auf Bitcoin wenig sichtbares Interesse zeigen, ist die fortgesetzte Zementierung der Imbalance zwischen den Geschlechtern, die seit Dekaden die Internetwirtschaft prägt und plagt.

Oder, um den Sachverhalt positiver auszudrücken: Mit dem Aufkommen von Bitcoin (sowie anderen, ähnlich konzeptionierten Kryptowährungen) haben Frauen die Gelegenheit, eine erneute Dominanz der Männer und die daraus resultierende Manifestation von Männer bevorzugenden Strukturen zu verhindern. Sofern es dazu nicht schon zu spät ist. /mw

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikesl besitzt der Autor keine Bitcoins.

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