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06.04.08

Das Joost-Drama

Warum das viel gepriesene Programm Zattoo nur Fernsehen von gestern ist und Joost allen Unkenrufen zum Trotz eine glorreiche Zukunft bevorsteht.


Candy Crib auf Joost: So sieht's aus

Die Technik ist längst vorhanden. Flüssige Bilder in guter Auflösung über das Internet. Für Millionen von Zuschauern. Sendungen auf Abruf, "on demand", mit Pausetaste. Sogar Live-Sendungen sind mittlerweile möglich. Seit einem Jahr existiert mit Joost eine hervorragende technische Plattform. Gratis, finanziert über Werbung (die sich, dem Internet sei Dank, sogar personalisieren ließe).

Allein bei den Programmbesitzern und Rechteverwaltern ist die freudige Kunde vom Fernsehen der Zukunft anscheinend immer noch nicht angekommen. Deswegen sieht das Joost-Programm auch noch reichlich pubertär aus: Sexy Clips, Cartoons, Musik. Statt auf die zuschauerfreundliche Peer-to-peer Lösung der Skype-Macher Niklas Zennström und Janus Friis setzen sie lieber auf eigene Entwicklungen, warten erstmal ab oder probieren höchstens Zattoo aus.



Nutzerzahlen.

Zattoo ist Fernsehen von gestern


Elektronischer Programmguide bei Zattoo

Nur leider ist Zattoo nichts weiter als herkömmliches Fernsehen. Dabei hat das Programm mittlerweile einen elektronischen Programmguide, eine Art digitale Fernsehzeitschrift. Sortiert nach Kanälen wird angezeigt, welche Sendungen im Programm sind – inklusive Beschreibungen. Im Gegensatz zu modernen Videorekordern mit Festplatte oder Fernsehempfänger für den Computer, die das herkömmliche Kabel- oder DVBT-Fernsehsignale empfangen, fehlt Zattoo aber ein kleiner roter Knopf: Die Aufnahmefunktion.

Dominik Schmid von Zattoo hat dazu schon im September vergangenen Jahres festgestellt: "Eine Aufnahmefunktion wird es aber nicht geben, schon aus rechtlichen Gründen nicht."

Zuschauen gerne, aufnehmen lieber nicht

Verrückt: Digital ausgestrahltes Fernsehen lässt sich mit einem Empfänger am Computer (rund 50 Euro mit USB-Anschluss) oder mit einem Festplattenrekorder (rund 200 Euro) ohne nennenswerten Qualitätsverlust aufnehmen. Wird derselbe Sender allerdings über das Internet verbreitet, noch dazu in schlechterer Qualität, funktioniert das nicht mehr.

So kann ich zwar als Hamburger endlich den Berliner RBB sehen und somit Jörg Thadeusz kongeniale Talkshow – aber nur, wenn ich dann zufällig Zeit habe. Oder ich klicke mich durch die RBB-Seiten und lade mir den RealPlayer herunter und kann die in drei Häppchen zerstückelte Sendung nach und nach auf meinem Computer ansehen .

Aufnehmen geht natürlich auch wieder nicht.

Auch bei Joost lassen sich Sendungen zwar nicht aufnehmen – aber immerhin zeitversetzt ansehen. Mit Pausetaste. Die Kontrolle über das angebotene Programm und was der Zuschauer damit anstellen darf, verbleibt somit beim Sender. Da könnte die Verantwortlichen Contentlieferanten doch gleich mit Joost kooperieren – und nicht mit Zattoo. In den USA trauen sich einige Networks schon ...

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Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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