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15.01.07

Das habe ich schon im Internet gelesen!

Das habe ich schon im Internet gelesen

(Quelle: SonntagsZeitung-Jubiläumszeitung (pdf) vom 14.01.2007, S. 27)Was auch immer uns die SonntagsZeitung mit dieser Karikatur sagen möchte - mir geht es jedenfalls genau wie der Frau mit der blauen Tasse.

Besondere Freude an solchen Leuten hat aber die SonntagsZeitung nicht. In der gleichen Ausgabe sind zwei Texte erschienen, der eine mit dem Titel "Keine Narrenfreiheit für Blogger" und der andere mit dem Titel "Der Rehpinscher piesakt". Zur Veranschaulichung der Verhältnisse zwischen alten und neuen Medien steht neben dem Text, der Blogger an ihre rechtlichen Grenzen erinnert, folgendes Bild: Ein bebrillter Mann steht zeitungslesend an einer Säule angelehnt und zeigt sich unbeeindruckt von einem (kleinen) Hund, der ihm an den Schuh pinkelt.

Das Bild wird im Text von Oliver Zihlmann anhand des Beispiels bildblog.de verdeutlicht:

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass der deutsche Rottweiler nun einen Rehpinscher an der Hacke hat, der andauernd und vernehmlich kläfft.

Also: Etablierte Medien vs. neue Medien = grosse, mächtige Hunde vs. kleine, nervige Hunde. Um dem SonntagsZeitung-Urteil gerecht zu werden, können wir vermelden, dass die als Medienblog dargestellte Site ignoranz.ch eher ein Politmagazin ist und nach eigenen Angaben fünfmal so viele Zugriffe wie 200-300 pro Tag hat. Auf diese Zahl werden die Zugriffszahlen aller Schweizer Medienblogs pauschal festgesetzt.

Warum der Text überhaupt erscheint, wirft auch Fragen auf. So spekuliert die Werbewoche, der Anlass des Artikels sei dieser Beitrag:

Man wird allerdings den Eindruck nicht ganz los, dass Autor Michael Soukoup seinen Kollegen Barnaby Skinner rächen wollte, der auf Henusodeblog.blogspot.com von Blogger Bugsierer verunglimpft und als Urheber von «Bullshit-Journalismus» tituliert wurde.

Es ist wahr, auch Blogger müssen die Gesetze beachten. Man könnte jedoch, läse man Medienblogs nicht nur auf mögliche Beleidigungen und Gesetzesverstösse durch, einiges an Verbesserungsvorschlägen, nützlicher Kritik und sogar Lob finden. Jede nicht genehme Meinungsäusserung als "ans Bein pinkeln" wahrzunehmen, kann man nicht als eine für Kritik offene Haltung bezeichnen.

Als Beispiel für die minore Urinobsession der Zeitung etwas weiter vorne im Blatt die Rubrik "Wie bitte?" von Roland Falk. Er befragt "Music Star"-Jurymitglied Roman Kilchsperger zu seiner vom Blick geforderten Absetzung in dieser Funktion wegen Inkompetenz:

Darf Ihnen jeder unkommentiert ans Bein pinkeln?

worauf "Frechdachs Kilchsperger, 36" antwortet:

Ich mag mich nicht für dümmliche Kriege hergeben. Devot auf dem Rücken liegend geniesse ich jede Schmähung.

Das kann kaum die Lösung für alle in der Öffentlichkeit stehende Menschen sein. Die Kommunikation zwischen potentiellen Beleidigern und potentiellen Klägern könnte sich aber einpendlen. Dazu braucht es etwas mehr Anstand und Zurückhaltung auf der einen und etwas mehr Gelassenheit auf der anderen Seite. Eine kurze Nachfrage per Mail oder Kommentar, wie das oder dies gemeint ist, klärt oft Missverständnisse und spart den meist nur mit Kosten und Ärger verbundenen Gang zum Anwalt.

Bevor wir es vergessen: Herzlichen Glückwunsch der SonntagsZeitung zum 20. Geburtstag! Wir erinnern uns gerne an die nicht von allen willkommene Geburt eines neuen Mediums. So hiess es damals (Zitat aus der Jubiläumsausgabe, S. 27) im Branchenblatt Klartext:

Die SonntagsZeitung beglückt uns mit billigem "Pampers"-Journalismus, indem sie irgendwelche Banalitäten von Insidern durchsickern lässt.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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