<< Themensammlung Netzwertig

Unter netzwertig veröffentlichen wir in unserem Blog Einschätzungen zu aktuellen digitalen Geschäftsmodellen und IT-Trends, Meldungen, Analysen, Reviews und Specials.

08.12.10

Chrome Web Store: Aus Webanwendungen werden Apps

Google hat mit dem Chrome Web Store seinen App Store für den Browser gestartet. Dessen größtes Potenzial könnte in kostenpflichtigen Anwendungen liegen.

 

Am Dienstagabend hat Google wie bereits in Linkwertig erwähnt seinen Chrome Web Store scharf geschaltet. Über die Plattform für den Chrome-Browser (der mittlerweile von 120 Millionen Menschen genutzt wird) und das im kommenden Jahr marktreife Chrome OS können Nutzer in HTML5 und anderen gängigen Browser-Programmiersprachen geschriebene Apps installieren. Wir hatten hier und hier die Hintergründe des Chrome Web Store beleuchtet.

Als ich die offizielle Meldung zum Chrome Web Store im Google-Blog las, war ich anfänglich enttäuscht: Der Mitteilung zufolge sei das neue Feature nämlich vorerst nur für US-Nutzer verfügbar. Anfang 2011 sollen weitere Länder hinzukommen.

Diese leicht frustrierende Anmerkung hinderte mich jedoch nicht daran, den Link zum Web Store trotzdem anzusteuern: Zu meiner Überraschung erhielt ich nicht den erwarteten Hinweis, dass die aufgerufene Seite in meiner Region noch nicht zugänglich sei, sondern ungehinderten Zugang zur Store-Oberfläche. Auch die Installation einzelner Applikationen lief problemlos ab. Warum dies entgegen Googles Ankündigung funktioniert, ist mir nicht klar - ich bin jedenfalls nicht der Einzige, bei dem der Zugriff auf den Store möglich ist. Probiert es aus, solange es klappt!

Rund 500 Applikationen sind zum Start im Store erhältlich, die meisten davon kostenlos. Zu den bekannteren Anwendungen gehören beispielsweise die Twitter-/Social-Web-Clients TweetDeck und HootSuite, der Speicherdienst Fiabee (unser Review) und die Flugsuchmaschine Hipmunk (unser Review). Jede App besitzt eine Profilseite mit Screenshots, einer Beschreibung, Benutzerbewertungen sowie Angaben zur Zahl wöchentlicher Installationen und aktiver Anwender.

Ein Klick auf "Install" lädt die notwendigen Dateien für die App herunter. Alle installierten Anwendungen werden auf der beim Öffnen neuer Tabs oder Fenster erscheinenden Chrome-Startseite aufgelistet und können von dort initiiert werden.

Der Unterschied zwischen einer herkömmlichen Browseranwendung, welche über die Eingabe einer URL angesteuert wird, und einer Chrome-App liegt in der engeren Integration mit dem Browser sowie in weitreichenderen Befugnissen für Chrome Apps, wodurch zum Beispiel Popup-Benachrichtigungen möglich werden, selbst wenn Chrome lediglich im Hintergrund geöffnet ist. Chrome Apps können jedoch theoretisch auch in anderen Browsern genutzt werden, selbst wenn dann eventuell einige spezielle Features nicht zur Verfügung stehen.

Viele der präsentierten Anwendungen sind ihren herkömmlichen Browseroberflächen sehr ähnlich - manche wie beispielsweise der zu Google gehörende Fotoeditor Picnik schicken User auch einfach zu ihrer herkömmlichen Website. Sehr ansprechend und komplett anders als die Standard-Oberfläche präsentiert sich hingegen die App der New York Times (Direktlink). Auch USA Today hat sich für seine Applikation ein neues Antlitz verliehen.

NYT (oben) vs NYT Chrome App (unten)

In der Kategorie kostenpflichtiger Anwendungen finden sich zum aktuellen Zeitpunk hauptsächlich Spiele. Ein Klick auf "Buy and Install" leitet Nutzer zu Googles Zahlungsdienst Checkout weiter, bei dem eine einmalige Eingabe der Kontodaten erforderlich ist. Sehr erfreulich ist die Option, jeden Kauf innerhalb von 30 Minuten nach dem Erwerb rückgängig machen zu können (in der Praxis bedeutet dies, dass Kartenzahlungen von Google erst nach Ablauf der 30 Minuten veranlasst werden).

Entwickler können neben einer kostenpflichtigen Variante auch eine zeitlich begrenzte Testversion anbieten, die über die selbe App-Profilseite angepriesen wird. Apps lassen sich sowohl gegen eine einmalige Gebühr als auch in Form eines monatlichen/jährlichen Abonnements anbieten (z.B. hier). Die Möglichkeit zu In-App-Käufen soll 2011 kommen.

Fazit

Der Chrome Web Store ist sicherlich (noch) keine Revolution. Stattdessen gibt er momentan eher den Anschein eines (unvollständigen) Verzeichnisses von Onlinediensten mit der zusätzlichen Option, diese separat von herkömmlichen Bookmarks abspeichern zu können. Je mehr Apps jedoch hinzukommen, je stärker sie von den Freiräumen Gebrauch machen, die ihnen die enge Verzahnung mit Chrome erlaubt, und je größer der Erfolg von Chrome OS ausfällt, desto eher wird sich der Store seine Existenzberechtigung verdienen.

Als herausragendstes Feature könnte sich am Ende die Möglichkeit erweisen, von Anwendern für die Nutzung einzelner Apps Geld zu verlangen. Google bietet Anbietern von Dienstleistungen und Inhalten einen neuen Weg der Monetarisierung und zweigt sich mit 5 Prozent plus einmalig 30 US-Cent weniger Umsatzbeteiligung ab, als Developer dies von Android- und iOS-Apps gewöhnt sind (dort müssen 30 Prozent der Umsätze abgetreten werden).

Wenn es am Ende auch nur einen Grund gibt, warum es überhaupt sinnvoll sein sollte, Browseranwendungen in App-Form anzubieten, dann womöglich, weil sich dadurch Inhalte und Services besser verkaufen lassen.

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer